Hövelhof (JS). Schon als 14-Jähriger fiel Walter L. (Name geändert) erstmals als Straftäter auf. Damals ließ der Hövelhofer vor einer Nachbarin seine Hose herunter und zeigte sein Geschlechtsteil. Im Herbst 2011 fügte der heute 20-Jährige weitaus größeres Leid einer jungen Frau zu, als er versuchte, diese zu vergewaltigen.
Gestern gestand er vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts Paderborn zwar den erneuten sexuellen Übergriff. Zu einem Ende des Prozesses kam es dennoch nicht. Ein Psychiater soll sich mit der Persönlichkeit des jungen Mannes eingehend befassen, bevor die Richter ihr Urteil fällen.
In der Nacht zum 1. Oktober hatte Walter L. eine 21-Jährige getroffen, die sich auf den Heimweg vom Hövelmarkt gemacht hatte. Da sich die beiden flüchtig kannten, kam es zu einem kurzen Gespräch. Als die 21-Jährige dann weiter ging, folgte ihr der Angeklagte bis nach Hause. Dort drückte er die junge Frau gegen die Wand, begrabschte sie und versuchte, sie zu vergewaltigen. Erst als die 21-Jährige, die sich heftig wehrte, auf die Klingel drücken konnte, ließ er aus Angst vor Entdeckung von seinem Opfer ab.
Eine scheußliche Tat, die Walter L. erst zugeben mochte, nachdem ihn nicht nur sein Opfer identifiziert hatte, sondern er auch durch zwei DNA-Gutachten als Täter überführt worden war. "Da muss etwas passieren", sagte der Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe, der mit Walter L. schon seit dessen erster Sexualstraftat 2007 betraut ist. Schließlich sei Walter L. verschlossen und zeige die Tendenz, seine Taten zu leugnen. "Hier manifestiert sich etwas", befand er und machte aus seiner Meinung keinen Hehl. Walter L. sei "behandlungsbedürftig".
So sang- und klanglos mochten sich die Richter unter dem Vorsitz von Margret Manthey dieser Ansicht nicht anschließen. Eine Behandlungsbedürftigkeit müsse durch ein Gutachten festgestellt werden, sagte Manthey und kündigte an, einen Psychiater mit der Untersuchung von Walter L. zu beauftragen. Dieser solle sich mit der Schuldfähigkeit des jungen Mannes ebenso befassen wie auch mit der Fragestellung, was mit diesem zu passieren habe. Schließlich sei bei den von Walter L. verübten Sexualstraftaten eine Steigerung festzustellen, gab sie zu bedenken. Folglich setzten die Richter den Prozess aus. Mit einer erneuten Verhandlung ist nicht vor Herbst zu rechnen. Dann wird auch die junge Frau zu Wort kommen. Deren Leben sei seit der Tat massiv beeinträchtigt, sagte Nebenklagevertreterin Anja Brauckmann. "Sie leidet immens."








