Hövelhof/London. Wiebke Winzig hat ganz besondere Ferien, die sie wohl so schnell nicht vergessen wird. Die 17-Jährige aus Hövelhof nimmt mit 42 anderen Jugendlichen aus der ganzen Bundesrepublik am Jugendcamp des Deutschen Tischtennisbundes (DTTB) teil. Ihr Vater Klaus ist als Betreuer dabei.
Die beiden schwärmen von der Gastfreundschaft, von der typisch höflich-zurückhaltenden Art der Engländer. "Es funktioniert alles reibungslos, wir sind sehr fasziniert von dem logistischen Aufwand", erzählt Klaus Winzig. Der Projektmanager bei Fujitsu war beruflich schon öfter in London, aber noch nie bei Olympischen Spielen.
"Diese Olympia-Gefühl kann man nur spüren, wenn man live dabei ist", so der 51-Jährige. "Obwohl man im Fernsehen oft natürlich mehr sieht." Aber es sei einfach einmalig: Direkt am Zaun der Ruderanlage Dorney Lake von Eton zu stehen und den deutschen Olympioniken zuzujubeln. "Das war einfach klasse, wir haben uns mit Leuten aus der ganzen Welt unterhalten", schwärmt Wiebke Winzig.
Die Stimmung getoppt haben nur die Beachvolleyball-Wettbewerbe, die in einem eigens gebauten Stadion auf der Horse Guards Parade stattfinden. "Die Kulisse war unbeschreiblich, als es dunkel war, haben wir das beleuchtete London-Eye gesehen", so die Schülerin des Delbrücker Gymnasiums.
Von der übermächtigen Polizei- und Militärpräsenz spüren die beiden nichts. "Es ist viel Polizei im Einsatz, aber man hat nicht den Eindruck, dass man schräg beäugt wird", so Klaus Winzig. "Es ist eher ein beruhigendes Sicherheitsgefühl."
Am Donnerstag erlebten Vater und Tochter dann live im Deutschen Haus in den Londoner Docklands das Tischtennis-Spiel von Dimitrij Ovtcharov, der sich unter dem Jubel der Tischtennis-Fans die Bronze-Medaille holte. "Mit unseren Schlachtgesängen haben wir rund 400 Leute angesteckt", so Klaus Winzig.
Die Gruppe war zum Fanfest in das Deutsche Haus eingeladen, wurde dort von Thomas Weikert begrüßt. Der DTTB-Präsident stellte sich zuvor den Fragen der Camp-Teilnehmer auf dem Gelände der Universität Kent, wo die Jugendlichen im Alter von 16 bis 21 Jahre untergebracht sind. Organisiert wird die Reise vom DTTB. Eine der Hauptamtlichen vor Ort ist Marita Bugenhagen, eine gebürtige Hövelhoferin, die mittlerweile in Frankfurt lebt.
Die Organisatoren haben ein tolles Programm auf die Beine gestellt: Am Wochenende stehen zwei Hockey-Spiele der Damen an, außerdem verfolgt die Gruppe ein weiteres Tischtennis-Match - Timo Boll hat sie kurz vor seinem Ausscheiden gesehen. In der nächsten Woche ist ein Besuch im Olympiastadion geplant. "Das wird sicher eines der Highlights, weil bei der Leichtathletik viele Wettbewerbe gleichzeitig stattfinden", freut sich Klaus Winzig
Aber auch der eigene Sport kommt nicht zu kurz: Auf dem Unigelände in Canterbury hat die Gruppe bereits ein kleines Turnier ausgerichtet, es wird regelmäßig Volleyball und Frisbee gespielt.
Die Winzigs sind wie in einem Stimmungsrausch. "Erholungsurlaub ist das natürlich nicht", sagt Klaus, der seinen Sommerurlaub geopfert hat - und dies nicht bereut. Und Tochter Wiebke hat ihren Klassenkameraden nach den Ferien einiges zu berichten.