Dass es trotz Alkohol in der Stadt fast immer friedlich zugeht, liegt auch an den Beamten der Libori-Wache
Paderborn. Die Boxen am Musik-Express dröhnen. Dietmar Bunte geht zu einer Gruppe Jugendlicher. Sie halten Flaschen mit süßer Alkoholbrause in den Händen. Hauptkommissar Bunte fragt nach dem Alter. Alle sind 16. Am Boden: eine leere Schnapsflasche. Gehöre keinem, sagen sie. Bunte guckt streng. Na gut. Die Libori-Streife zieht weiter.
"Wir wollen hier nicht den Larry machen", sagt Buntes Kollege, Hauptkommissar Wolfgang Sagemüller. Heißt: Die Polizisten wollen keine Kirmes-Sheriffs sein. Auf Libori wird niemandem der Spaß verdorben. Solange alles im Rahmen bleibt. Bunte und Sagemüller ziehen weiter durch das Kirmes-Gewusel. Am Vorabend gab es hier drei Anzeigen wegen Körperverletzungen. "Meist Kleinigkeiten unter Betrunkenen", sagt Bunte. Dazu mal eine Beleidigung. Und bisher ein Diebstahl.
Auch wenn sie die laute Musik oft anstrengend finden: Für die Polizisten ist Libori ein ruhiges Fest. Selten müssen sie eingreifen. Eine Frau spricht Dietmar Bunte an. Sie vermisst ihren zehnjährigen Neffen. Der Beamte greift zum Funkgerät und schickt die Frau zur Libori-Wache am Rosentor. "Da taucht der Junge bestimmt auf."
Weiter durch die Liboristraße. "Wir sind präsent, immer ansprechbar", erzählt Wolfgang Sagemüller. Braue sich mal an einer Ecke Ärger zusammen, würden sie meist früh gerufen. "Wir kennen die Schausteller, haben überall Bekannte", sagt Bunte. Alle paar Meter wird er angesprochen – hier ein Händedruck, da ein Schulterklopfen.
Die Beamten tragen Dienstwaffen, sind sonst locker unterwegs. Sagemüller hat den obersten Hemdknopf auf. Mützen tragen beide später auf der Runde nicht mehr. "Die sind schnell weg." Entführt von betrunkenen Spaßvögeln oder Frauen bei Junggesellinnenabschieden – unter Uniformträgern berüchtigt.
"Wir sind fast nur ältere Kollegen auf der Libori-Wache", erzählt Sagemüller. Er ist 56 Jahre alt, davon 38 bei der Polizei. Bunte ist 55, seit 36 Jahren Polizist. Sagemüller arbeitet sonst in Lichtenau, Bunte in Borchen. Beide haben reichlich Erfahrung im Umgang mit Menschen – auch mit der betrunkenen Sorte. Auf dem Rathausplatz torkelt ihnen ein älterer Mann entgegen. Drei Schritte vor, zwei zur Seite. Aber er hält sich auf den Beinen.
Die Polizisten schauen ihm nach. "Na, geht noch", sagt Bunte. "Wir haben so unsere Erfahrungswerte", ergänzt Sagemüller. Geht nichts mehr, eskortieren sie Alkohol-Opfer zum Zelt des Roten Kreuzes neben der Libori-Wache. Renitente Fälle landen in der Ausnüchterungszelle. "Früher ging es schlimmer zu", erzählt Bunte. "Auch mit den Briten." Da hätten einige Dampf abgelassen. "Vielleicht machen die ihre Leute heute in der Kaserne richtig müde", witzelt Bunte. Wirken dürfte die Präsenz der britischen Militärpolizei, die ebenfalls Streife läuft.
"Wir sind seit 14 Uhr im Dienst", sagt Sagemüller. Feierabend sei vielleicht gegen ein Uhr. Kollege Bunte sammelt in dieser Woche 34 Überstunden. "Das geht auf die Knochen." Hat man da noch privat Lust auf Libori? Sagemüller lächelt ein bisschen gequält: "Meine Frau hat mit unserer Clique ein Treffen für den Samstag abgemacht." Da ist er natürlich dabei.
Rückkehr zur Libori-Wache: Der vermisste Junge ist aufgetaucht und wieder bei seiner Familie. Anzeigen gab es in der Zwischenzeit nicht. "Wenn alles friedlich gelaufen ist, haben wir einen guten Job gemacht", sagt Sagemüller.