Delbrück-Lippling. Gemütlich geht es zu beim Mittelaltermarkt des Delbrücker Trosses am Hof Kersting. Die Sonne lacht vom Himmel. Genauso wie die vielen Gaukler, Bardensängerinnen und Spielleute auf einer Fläche von zwei bis drei Hektar. Ein Spanferkel dreht sich am Spieß, zwei Ochsen ziehen mit einem Karren Besucher über das Gelände und Handwerker schmieden in aller Seelenruhe heißes Eisen, gießen Zinn oder sitzen am Spinnrad.
Die Besucher dürfen nicht nur zuschauen und nach Herzenslust schlemmen, sondern auch selbst Hand anlegen. Vor allem für die Kinder ist das ein großer Spaß. Sie versuchen sich beim Bogenschießen, basteln ein Wappen oder werfen Hufeisen. In ihrem Zelt haben es sich ein paar Mittelalter-Fans vom Delbrücker Tross gemütlich gemacht. Auf dem Tisch steht bereits so manches mittelalterliche Trinkgefäß. Auch Jonas, der Gaukler, hat sich als Freund des Hauses dazugesellt. "Das Mittelalter war ein mystisches Zeitalter. Es herrschte Aberglauben. Vieles war noch offen und bot entsprechend Raum für Interpretationen", erklärt der 22-Jährige aus Hannover.
Auf einem Weg zwischen den vielen Zelten kommt Ulrich von Godfried III. mit einem Schwert entgegen. So jedenfalls nennt sich der einfache Ritter aus Halle. Er hat bereits als kleines Kind einen Mittelaltermarkt erlebt und später in der Schule in Projekten Kontakt zur vermeintlich dunklen Epoche bekommen. Sein Gewand hat der 37-Jährige zum Teil selbst hergestellt. "Auf Mittelalter-Märkten herrscht ein friedliches und harmonisches Miteinander. Sie bieten Abwechslung und man kann ein bisschen dem Alltag entfliehen", sagt der Ritter.
Während bei Vulfric von Trochtelfingen alias Karsten Sander Gulasch in einem Topf vor sich hin kocht, lassen es sich sogar ein paar Besucher nicht nehmen, trotz der sommerlichen Temperaturen in einem Gewand zu erscheinen.
Jörn Leiwesmeier aus Thüle präsentiert sich in einem Kettenhemd. Tochter Ronja kommt als Magd daher genau wie ihre Freundin Zoe. Der kleine Tristan hat sich für ein Ritter-Outfit entschieden. Leiwesmeier genießt die spezielle Atmosphäre des Marktes und das Angebot. "Hier gibt es beispielsweise keine Unmengen von Schwertern aus Plastik", hat er festgestellt.
Spannend geht es unterdessen bei Gaukler Olaf Pieper zu. Der Mann aus Osnabrück jongliert sogar mit Äxten. Zum Glück fällt ihm bei der rasanten Vorführung keine auf seinen Fuß. Das kann einem Nackedei im Badehaus vom Delbrücker Tross nicht passieren. Er klettert ganz gemütlich in den aufgestellten Badezuber.
Mit Beginn der Dämmerung ist längst nicht alles vorbei. Ein Abendkonzert und eine abendliche Feuershow sorgen für so manch romantischen Moment.