Paderborn/London. Am Donnerstag kurz vor Mitternacht holten sich Julius Brink und Jonas Reckermann in London die Gold-Medaille. Dass die Beach-Volleyballer fit für die Olympischen Spiele waren, das verdanken sie auch Physiotherapeuten aus Paderborn.
Bereits seit den Olympischen Spielen in Sydney 2000 betreut das Team des Therapiezentrums Paderborn die deutschen Nationalteams der Beach-Volleyballer. Vor vier Jahren war Eckhard Schurig, Physiotherapeut und einer der beiden Geschäftsführer des Therapiezentrums, in Peking, dieses Mal sind sein Partner Jochen Dirksmeyer und Physiotherapeutin Renate Peters in London im Einsatz. Zwei Frauenteams (Goller/Ludwig und Holtwick/Semmler) und zwei Männerteams (Brink/Reckermann und Erdmann/Matisyk) werden betreut.
Renate Peters betreut alle Beach-Volleyballer, während Dirksmeyer hauptsächlich für Jonas Reckermann zuständig ist, den er bereits seit 10 Jahren behandelt. "In der Vorbereitung zu den Olympischen Spielen war Jonas bis zu drei Mal in der Woche bei uns in der Paderborner Praxis", erzählt Dirksmeyer. Vor allem eine Verletzung an der Schulter, die sich Reckermann im Frühjahr zugezogen hatte, machte dem ganzen Team Sorgen: "Aber wir haben es geschafft, ihn fit zu machen. Der Sieg in London ist daher umso überwältigender für uns", schildert Jochen Dirksmeyer die Siegesfreude.
Mit seinem Team betreut er viele Sportler: Sechs Jahre lang war Dirksmeyer mit seinem Physio-Team für die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft der Frauen verantwortlich. Und bei den Olympischen Spielen ist er sowieso schon Dauergast: "Ich bin bereits das vierte Mal dabei. Ob es aber ein nächstes Mal gibt, weiß ich noch nicht. Aber man sollte niemals nie sagen", meint der Sport-und vor allem Volleyballbegeisterte Paderborner schmunzelnd. Dirksmeyer und sein Team betreuen aber auch Sportler aus anderen Bereichen: Neben den Fußballern des SC Paderborn vertrauen auch die Basketball-Regionalligisten des TV Salzkotten auf die Behandlung des Therapiezentrums.
Jochen Dirksmeyer hat also schon einiges erlebt, aber London ist sein absoluter Favorit: "Die Atmosphäre hier ist gigantisch. Die Londoner haben wirklich was Grandioses auf die Beine gestellt. Es ist daher sehr schade, dass ich durch die Intensivbetreuung nicht mehr davon sehen konnte."
Trotz des fabelhaften Drumherum, wie Dirksmeyer sagt, gab es für das Team dennoch einige Komplikationen: "Da die Spiele erst abends stattfanden, war es natürlich sehr kalt. Jonas Reckermann und Julius Brink mussten lange Trikots tragen und in der Auszeit haben wir ihnen mit Wärmflaschen die Füße gewärmt", beschreibt der Physiotherapeut, Hinzu kam das ungewohnte Flutlicht: Normalerweise findet Beach-Volleyball bei Tageslicht statt. Die Spieler mussten sich daher auf das künstliche Licht im großen Stadion erst einstellen, was zu Verzögerungen der Reaktionszeit führte.
"Der Sand war auch besonders hart. Das führte dazu, dass Jonas und Julius beim Landen seitlich weg gerutscht sind", weiß Dirksmeyer. Seine Aufgabe und die von Physiotherapeutin Peters bestand bei diesen besonderen Bedingungen vor allem darin, auf die Beweglichkeit der Gelenke zu achten, Muskeln zu massieren, auf mögliche Verspannungen zu reagieren, Verbände und Tapes anzubringen.
Trotz dieser Widrigkeiten ist es den Europameistern von 2011 und 2012 gelungen, die Weltmeister Emanuel Rego und Alison Cerutti aus Brasilien in einem spannenden Matsch mit 2:1 zu schlagen. Auch Dirksmeyer ist überwältigt von dem Sieg der deutschen Mannschaft: "Die Brasilianer waren die Favoriten. Dieses Team ist eigentlich schon legendär. Umso unglaublicher ist daher das Ergebnis. Es ist schön, Teil davon gewesen zu sein." Ein besonderer Augenblick war für ihn eine Szene nach dem entscheidenden Satz: "Jonas kam nach dem Sieg zu seiner Frau und umarmte sie. Und danach kam er direkt zu mir. Das war sehr bewegend."
Nach dem Sieg wurde kräftig mit Freunden und Familie gefeiert, erst beim Italiener, dann in einem Nachtclub. "Ich habe mich allerdings so gegen 3 Uhr verabschiedet, da ich heute in den Urlaub aufbreche. Aber es war eine tolle Feier mit lieben Menschen", erzählt der Physiotherapeut.