Paderborn. Ein bisschen skeptisch guckt Pia das Hochseil an. "Wir halten dich", verspricht Franziska Bichelmaier. Dann geht Pia los, Schritt für Schritt. Einfach machen, mutig sein, das lernen die Kinder während der Zirkuswoche der Lebenshilfe. Das Selbstvertrauen hilft im Alltag. Die meisten Kinder und Jugendlichen in der Ferienfreizeit sind behindert.
Yassin und Mira lassen die Messer fliegen – natürlich unter der sicheren Anleitung eines echten Messerwerfers: Gino Bichelmaier. "Arm gerade, zielen, Ellenbogen hoch." Der Artist gibt unverkrampft Hilfestellungen. Die Spezialmesser wirbeln durch die Luft, prallen aber vom Sperrholzbrett ab. Noch ein bisschen Üben, das wird schon.
"Die Arbeit mit behinderten Kindern ist überhaupt nicht schwierig", erzählt Amanda Köllner aus dem Team des Zirkus Manegentraum. "Kinder sind einfach Kinder." Früher lebte der Familienbetrieb aus der Nähe von Dortmund allein von eigenen Vorstellungen. Seit inzwischen mehreren Jahren machen die Artisten daneben Aktionswochen mit behinderten Kindern – als "zertifizierter Mitmachzirkus", wie Amanda Köllner stolz betont.
Das Gastspiel am Schwabenweg ist in diesem Jahr der Höhepunkt der Ferienfreizeit des Vereins Lebenshilfe, der Menschen mit Behinderungen unterstützt. "Wir wollten irgendwann Dinge machen, die spektakulär sind", sagt Timo Kortmann, einer der Organisatoren. "Damit die Leute denken: Boah, das können Behinderte machen." Genau so ein Projekt ist die Galavorstellung, die am kommenden Freitag, 17. August, steigen soll. 350 Besucher passen ins Zirkuszelt. Die Stars in der Manege: die Kinder und Jugendlichen.
Dafür wird jetzt in den nächsten Tagen fleißig geübt: Seiltanz, Jonglieren, Clownsnummern, sogar Feuerspucken. "Jedes Kind sucht sich aus, worauf es Lust hat", sagt Diplompädagogin Miriam Wilke. Neugier, Mut, Disziplin – die Kinder und Jugendlichen sollen auch gefordert werden. Das ist wichtig, passiert es doch im Alltag immer wieder, dass Behinderten wenig zugetraut wird.
Ein Problem gab es aber am Anfang. Eigentlich sollten das Jugendhaus Heide mitgenutzt werden. Nach dem Brand (Artikel unten) mussten mobile Toiletten – auch für Rollstuhlfahrer – gebracht werden. Aber die Kinder interessiere der verkokelte Dachstuhl überhaupt nicht, erzählt Miriam Wilke. "Sie haben nur Augen für das Zirkuszelt."