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16.08.2012
PADERBORN
Lebensader in einem besonderen Kiez
PADERBORNER PERSEPKTIVEN (4): Die Riemekestraße im Westen der Stadt
VON RALPH MEYER

Hauptschlagader des Riemekeviertels | FOTOS: NOVOSIGHTS.COM

Paderborn. Sie ist 1.700 Meter lang (bis zum Heinz-Nixdorf-Ring), gibt einem ganzen Kiez den Namen und ist eine bedeutende Haupterschließungs-, Wohn- und Geschäftsstraße: die Riemekestraße.

Bis zum Bau der Westerntor-Kreuzung in den 70er Jahren hatte die Riemekestraße ihren Ursprung im damaligen Kreisverkehr, sodass man seinerzeit direkt vom Westerntor über den heutigen Parkplatz vor der Herz-Jesu-Kirche in Richtung Westen fahren konnte.

Das westliche Ende der Riemekestraße liegt nahezu an der Alme am Bürozentrum Almepark. Dazwischen liegt die ganze Vielfalt urbanen Lebens: zwei Kirchen, der Westfriedhof, zwei Verbrauchermärkte, jede Menge zum Teil alt eingesessener Geschäfte (Radio Sandforth, das mehr als 100 Jahre alte Blumengeschäft Potthast und Café Potthast), drei Steinmetzbetriebe, ein Hörgeräte-Akustiker, ein Optiker und ein Modegeschäft, zahlreiche Arztpraxen sowie ein gerüttelt Maß an zum Teil internationaler Gastronomie. Unweit des Westerntores lässt sich an der Riemekestraße gut speisen – egal ob indisch oder griechisch. Weiter in Richtung Westen kommen auch Pizzafreunde auf ihren Geschmack.

Info
In der Serie "Paderborner Perspektiven" machen wir jeweils donnerstags markante Straßen und Plätze zum Thema. Für die besondere Perspektive sorgt dabei die Paderborner Firma Novosights (www.novosights.com). Ihre Spezialität sind nämlich Luftaufnahmen mit einer Drohne. Diese darf – anders als ein Flugzeug oder Hubschrauber – in wesentlich geringerer Höhe über der Stadt schweben. Es ergeben sich Ansichten der Stadt, wie man sie noch nicht gesehen hat.

Die Geschäftswelt entlang der Riemekestraße zeichnet sich durch eine große Fluktuation und ständigen Wandel aus. Immer mal wieder gibt es Leerstände – ein Tribut an das breite Angebotsspektrum der großen Einkaufsmärkte. Allerdings entstehen aktuell auch Neubauten wie zurzeit im zwischen den Einmündungen von Ferdinand- und Salentinstraße. Das lässt für die Zukunft hoffen.

Um die Entwicklung des gesamten Viertels kümmert sich seit Jahren emsig die Interessengemeinschaft "Das Riemeke" (www.das-riemeke.de).

An der Riemekestraße liegt natürlich auch eine unverzichtbare Behörde: Zwischen Person- und Rathenaustraße residiert die Paderborner Polizei. Nur durch eine Querstraße getrennt hat die Kreisverwaltung 1965 in einem Stadtbild prägenden Hochhaus ihr Quartier aufgeschlagen. Weit im Westen grenzt der Westfriedhof, die letzte Ruhestätte vieler Paderborner, ebenfalls an die Riemekestraße. Im vergangenen Jahr wurde auch die Riemeke-Sporthalle fertiggestellt; sie liegt nahe der Georg- und Riemeke-Schulen.

An der Riemekestraße leben 1.094 Menschen in 765 Haushalten. Darunter befinden sich 179 Ausländer aus 34 Nationen – von Afghanistan bis zur Türkei.

Die Hauptbautätigkeit im Riemeker Feld entlang des damaligen Riemekeweges begann gegen1880. Die Stadt wuchs in Richtung Westen, nachdem der Bau der Westphälischen Eisenbahn von Warburg nach Hamm den Wohnungsbedarf für Bahnbedienstete und Mitarbeiter in den Lokomotivwerkstätten am Hauptbahnhof (heute: Benteler AG) kräftig ansteigen ließ.

Die Stadt Paderborn stellte bereits 1883 für das Riemekeviertel einen Bebauungsplan auf. Es war übrigens der erste, der für ein Areal außerhalb der mittelalterlichen Mauern aufgestellt wurde.

Die Ansicht des neuen Stadtviertels wurde durch den Historismus geprägt, einer Epoche der deutschen Baukunst, die Anfang des 19. Jahrhunderts begann und erst in 20er Jahren des 20. Jahrhunderts ausklang.

An vielen Gebäuden entlang der Riemekestraße fanden sich Elemente aus Romanik, Gotik, Renaissance, Barock und Klassizismus. Leider haben die Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges zahlreiche historische Gebäude zerstört, doch auch heute findet man noch manches architektonische Schmuckstück am Weg als feste Bestanmdteile des Riemeke-Kiezes.

Ganz in der Nähe der Riemekestraße liegt der vor wenigen Jahren neu gestalte Riemekepark mit dem Riemekekolk. Dort hat der Riemekebach seinen Ursprung, der Straße und Quartier seinen Namen gab. Bereits 1319 wurden die Rimbekerquelle und der Riembekerbach urkundlich erwähnt. Heute ist der Bachlauf vollständig verrohrt und mündet am Fürstenweg in die Pader.

Verkehrsmäßig präsentiert sich die Riemekestraße ausgesprochen zeitnah. Stadteinwärts gibt es statt weitgehend uneinsehbarer, abgesetzter Radwege jetzt Angebotsstreifen für Fahrradfahrer, die ein zügiges Fortkommen ermöglichen.

Mehr zum Thema in nw-news.de


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