Paderborn-Schloß Neuhaus. Ein Bauwagen steht am Ufer an der Gabelung von Lippe und Boker Kanal. An Rudimenten der geplanten Wasserkraftanlage (die NW berichtete mehrfach) stehen Mitarbeiter der Firma Öwatec, um Berechnungen durchzuführen.
Nach monatelangem Stillstand soll die - nach Aussage der Neuhäuser Firma Öwatec - in dieser Form weltweit einmalige Wasserkraftanlage in nächster Zeit deutlich Konturen annehmen. "Wir haben über ein Jahr lang Strömungsberechnungen durchgeführt, weil wir gezwungen waren, die Schaufelräder selbst zu konstruieren und nachzubauen", schildert Dieter Pressentin, einer von zwei Geschäftsführern bei Öwatec.
Eigentlich hatte ein Österreicher die Anlage für die heimische Firma konstruiert. Doch nach dem Tod des Konstrukteurs wurde die Anlage nie geliefert. Zudem sei auch der Wirkungsgrad seiner Konstruktion nicht hoch genug gewesen", bedauert Pressentin. Der Maschinenbauer aus Remscheid hat auf eine bodennahe Durchlässigkeit der Maschinen geachtet. Auf diese Weise können Fische durchschwimmen. Die Tiere, die den Weg nicht finden, müssen die Fischaufstiegsanlage, auch gerne Fischtreppe genannt, benutzen, die längst fertiggestellt ist.
Das neuartige Wasserkraftwerk wird aus drei separaten Schaufelradanlagen bestehen. Sie ist genau für Standorte wie den in Schloss Neuhaus konstruiert worden. "Hier gibt es viel Wasser und eine geringe Fallhöhe", erläutert Pressentin. Nach Schätzungen des Remscheiders gibt es bundesweit rund 6.000 solcher Standorte. Die Schaufelradanlagen stehen bereits fertig gebaut in Remscheid. Sie werden in der kommenden Woche nach Schloß Neuhaus transportiert. "Wir verbrauchen immer so viel Wasser wie von oben kommt", sagt der Maschinenbauer.
Er rechnet mit Gesamtkosten von bis zu einer Million Euro, die aus privaten Geldern ge-stemmt werden müssen. Fördergelder gibt es nicht mehr. "Weil wir die Anlage selbst konstruieren mussten, ist die Frist dafür verstrichen", bedauert Pressentin.
Der Remscheider ist mit seinen Plänen hohes Risiko gegangen. Um in regenerative Energien zu investieren, hat er sein eigenes Unternehmen in Remscheid verkauft. "Ich habe auch nach vielen Jahren weitergemacht, weil die Alternative gewesen wäre, mehrere 100.000 Euro wegzuwerfen", sagt er.
Pressentin ist optimistisch, dass die Wasserkraftanlage noch in diesem Jahr den Probelauf bestehen wird. Zusammen mit Geschäftsführer Christoph Hermesmeier möchte er seine Konstruktion anschließend möglichst weltweit verkaufen.