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01.09.2012
PADERBORN
Freibäder erhitzen die Gemüter
Sonniges Wetter im August rettet Saison / 2.000 Unterschriften gegen Sparmaßnahmen im Waldbad
VON JENS MÖLLER

Trubel im Rolandsbad | FOTO: REINHARD ROHLF

Paderborn. Andreas Reinecke klingt entspannt. Nach miesem Start in die Freibadsaison kann der Prokurist von Paderbäder doch noch gute Zahlen für den Sommer 2012 vermelden: "Der heiße August hat die Saison gerettet." Ärger gibt es nur am Waldbad in Schloß Neuhaus. Dort wächst der Protest. 2.000 Badegäste unterschrieben gegen Sparmaßnahmen der Stadt.

Noch sind die Zahlen vorläufig, denn die Freibadsaison endet offiziell erst an diesem Sonntagabend um 20 Uhr. Aber bis zum 21. August liegen schon Daten vor. Im Rolandsbad wurde bis dahin schon die Marke von 100.000 Gästen geknackt, berichtet Andreas Reineke. 100.700: das sind schon 22.700 mehr als in der vergangenen Saison im städtischen Freibad.

Dass dem Wetter gegen Ende des Monats wieder die Puste ausging, wird der Bädergesellschaft nicht mehr die Bilanz verhageln. Und auch im Waldbad gingen die Zahlen nach oben – allerdings längst nicht so stark wie in der Kernstadt. In Schloß Neuhaus wurden 26.300 Gäste gezählt. In der Vorjahrsaison kamen 23.800 Menschen.

Letztlich schade schlechtes Sommerwetter stets mehr dem Waldbad, sagt Andreas Reineke. "Das ist eben ein typisches Freibad." Familien und Jugendliche kommen zum Schwimmen, Sonnenbaden und Eisessen. Im Rolandsbad würden dagegen auch bei Regenwolken viele Stammgäste zum Frühsport ihre Bahnen im Becken ziehen und für halbwegs annehmbare Besucherzahlen sorgen.

Wer Annerose Gierlichs-Berg nach den Problemen im Waldbad fragt, bekommt eine ganz andere Sicht geschildert. Das Freibad werde von der Stadt Paderborn kaputt gespart, klagt die Lehrerin. Mit der Meinung steht der Stammgast nicht allein da. Mehr als 2.000 Unterschriften von Badegästen hat Gierlichs-Berg den Sommer gesammelt.

Die Unterstützer protestieren dagegen, dass das Freibad in Schloß Neuhaus das zweite Jahr in Folge erst zum 1. Juni geöffnet wurde. "Bei schönstem Frühsommerwetter im Mai standen viele Menschen vor dem geschlossenen Bad", sagt Gierlichs-Berg. Ausweichen ins früher geöffnete Rolandsbad? Das sei für viele Jugendliche und Familien zu weit weg, sagt sie.

Der Betrieb des Waldbads sei im Mai relativ teuer, sagt Andreas Reineke. Das Wasser muss mit einer Ölheizung erwärmt werden. "Und das Waldbad liefert bei schlechterem Wetter nicht die Besucherzahlen wie das Rolandsbad." Am Ende sei es eine Kosten-Nutzen-Rechnung. 2001 beschloss die Stadt Paderborn hier zu sparen und kürzte die Öffnungszeiten.

Annerose Gierlichs-Berg klagt, dass das Waldbad auf diese Weise vernachlässigt werde. Womöglich bis sich eine Sanierung nicht mehr lohne. Im Stadtteil kursieren hartnäckig Gerüchte, dass das Bad über kurz oder lang geschlossen werde. Im Internet unterstützen mehr als 500 Facebook-Nutzer die Gruppe "Rettet das Waldbad Schloß Neuhaus".

Die Angst kann Andreas Reineke nicht nachvollziehen. Dass für den kommenden Sommer eine neue Wasserrutsche für bis zu 120.000 Euro aufgestellt werde, sei "ein Bekenntnis zum Waldbad". Die Rutsche sollte nach langem Hin und Her in den politischen Gremien eigentlich schon in diesem Sommer stehen. Das Aufschieben hat die Sorgen bei vielen Badegästen nur bestärkt. Annerose Gierlichs-Berg will die 2.000 Unterschriften jetzt am 11. September im Bezirksausschuss vorlegen.



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