100 Jahre alte Kastanien für neue Tiefgarageneinfahrt gefällt / Kritik von Pro Grün
Paderborn. Vier Kastanien wurden gestern an der Kreuzung Neuhäuser-/Elsener Straße gefällt. Der Baumbestand auf dem ehemaligen Kasernengelände der Briten muss einem Wohnbauprojekt weichen. Dafür wird der Bauträger nun heftig kritisiert.
"Mit Entsetzen wohne ich den Baumfällungen der alten Kastanien bei. Sie sind an dieser Stelle stadtbildprägend. Sie geben den denkmalgeschützten Kasernen einen würdigen Rahmen", kritisierte im Vorfeld der Fällung am gestrigen Morgen Barbara Leiße per Leserbrief. "Es fehlt an Bewusstsein beim Bauherren, wie auch bei der Stadt, den Wert alter Bäume zu erkennen", moniert sie. An der Stelle der vier Kastanien soll auf dem Baugelände eine Tiefgarageneinfahrt gebaut werden.
Auch Fritz Buhr Vorsitzender der Paderborner Umweltvereinigung Pro Grün, stellt sich – "machtlos" – gegen die Fällung: "An dieser viel befahrenden Straße geht die Wohlfahrtswirkung verloren", meint er. Die großen Laubbäume würden den Schall der Straße dampfen. Sie nehmen CO2 auf und spendeten im Sommer Schatten und Kühle, konkretisiert Buhr. Die gefällten Bäume waren nach seiner Schätzung um die 100 Jahre alt und ragten 20 Meter in den Himmel.
Zumindest eine der vier Kastanien hätte man aber ohnehin fällen müssen. "Ein Baum war von einem Pilz befallen, der die Cellulose im Stamm zersetzt", erklärt der für die Fällung verantwortliche Forstwirt Felix Kleibohm. Aus Cellulose bestehen pflanzliche Zellwände. Sie können mit Stahlträgern verglichen werden, die Hochhäusern ihre Stabilität verleihen. Sind die Zellwände geschädigt, fällt irgendwann der Baum. "Das wäre hier bald der Fall gewesen", prophezeit Kleinbohms Kollege Christoph Schneipers. Die Restwandstärke sei deutlich unterschritten gewesen. "Den hätte man nicht mehr retten können", sagt der Forstwirt. Die drei anderen Bäume waren jedoch nicht geschädigt. "Mir tut es selbst in der Seele weh, gesunde Bäume fällen zu müssen", gesteht Kleibohm.
"Natürlich bedauern wir dass Fällen der Bäume", antwortet Josef Wiepen vom Bauträgerunternehmen J. Wiepen auf Anfrage der NW. Das Unternehmen wirbt am Zaun zum Grundstück mit der Bezeichnung "Unter den Linden" für eine Wohnanlage im Grünen. "Aber es lag kein Baumschutz im Bebauungsplan vor." Das bestätigt auch das Bauordnungsamt der Stadt Paderborn.
Die Äste hätten nach dem Bau die oberen Stockwerke berührt, nennt Wiepen ein zusätzliches Problem. Die Einfahrt zur Tiefgarage umzuplanen wäre aus ökonomischen Gründen nicht sinnvoll gewesen. Dennoch soll die Fläche wieder grün werden: "Wir planen, das Grundstück mit Linden zu bepflanzen. Und wir stellen dort keine Pflänzchen hin", verspricht er. Bis zu 5 Meter große junge Linden sollen eingepflanzt werden.
Auch wenn die Fläche wieder begrünt werden soll, gilt es dennoch zu überlegen, in welchem Maße alter Baumbestand schützenswert ist. "Die Grünen und die Demokratische Initiative Paderborn haben vor einiger Zeit im Stadtrat Anträge für eine entsprechende Baumschutzsatzung gestellt", sagt Buhr. Alle seien von FDP und CDU abgelehnt worden – mit der Begründung, Eigentumsrechte nicht beschneiden zu wollen.