Paderborn. Stöhnend liegt der verletzte Soldat auf der Krankentrage, sein Gesicht ist vor Schmerz verzerrt. Das linke Bein ist nur noch ein blutiger Stumpf. Die britischen und deutschen Sanitäter laufen geschäftig um die Trage herum. Sie versuchen den Verletzten zu stabilisieren. Er soll ins Lazarett transportiert werden. Dort wird die Amputation vorgenommen.
Zwar ist der junge Mann Teil einer englischen Schauspielgruppe, die Übung aber durchaus Ernst gemeint. 400 britische, amerikanische und deutsche Sanitäter und Ärzte sind auf dem Truppenübungsplatz Sennelager im Einsatz, um die multinationale Zusammenarbeit zu trainieren. Ziel der Manöverübung, die unter Leitung von Colonel Ashleigh Boreham von der 1. Britischen Panzerdivision steht: Die schnelle Evakuierung und professionelle medizinische Behandlung verletzter Personen durch ein internationales Team.
Die Vorbereitungen für die Übung laufen seit einem Jahr, nun wirkt alles täuschend echt: Die Schauspieler haben tatsächlich amputierte Gliedmaße, die mit viel Kunstblut so hergerichtet wurden, dass sie wie klaffende Wunden aussehen. "Realistischer könnte es nicht sein", sagt auch Major Michael Zacher. Er weiß auch um die Herausforderungen der internationalen Zusammenarbeit: "Die Abläufe sind ähnlich, aber eben nicht identisch, und die Sprache ist natürlich nicht die gleiche." Als großen Vorteil sieht er, dass bei der Übung auch Erfahrungen von älteren an jüngere Kollegen weitergegeben werden, denn "die Masse war ja schon im Einsatz."
Bei dem Training unter Federführung der britischen Streitkräfte, das in ähnlicher Form bereits in Hamm und Grafenwöhr stattfand, wird der verletzte Soldat zunächst erstversorgt, deutsche und britische Ärzte ergreifen wichtige lebensrettende Maßnahmen, um den weiteren Transport mit dem Helikopter ins Feldlazarett zu gewährleisten.
Dort geht alles in Windeseile: Britische und amerikanische Ärzte, Sanitäter und Reservisten arbeiten mit hochmoderner technischer Ausstattung. Erst wenige Minuten bevor das Opfer eintrifft, erhalten sie Informationen über Art und Schwere der Verletzung. Zwei OP-Säle und 84 Betten stehen ihnen zur Verfügung, der Raum ist beengt, Neonröhren spenden helles Licht. Die Ärzte kümmern sich mit geübten Handgriffen um den Verletzten, er stöhnt nicht mehr, sein Bein ist versorgt. Durch die Übung werden sie fit für den Ernstfall: "Eine multinationale Zusammenarbeit ist vor allem im Hinblick auf einen NATO-Einsatz von großer Bedeutung", davon sind die Organisatoren der internationalen Übung überzeugt.