Deutsche Brasilien-Initiative Avicres feiert 20. Geburtstag mit Benefizveranstaltung
Paderborn/Salzkotten. Auch ein Überfall und Morddrohungen haben Johannes Niggemeier mit seiner Brasilieninitiative Avicres (Gemeinschaft für das Leben) nicht da von abgehalten, sich unerschrocken und unermüdlich für die Ärmsten der Armen in Brasilien einzusetzen.
Es habe Hürden, Widerstände und Reibungen gegeben, die Narben hinterlassen hätten, so Niggemeier. Zur Benefizveranstaltung zum 20-jährigen Bestehen der deutschen Avicres mit Sitz in Paderborn waren viele Weggefährten Niggemeiers und Helfer aus ganz Deutschland nach Salzkotten gekommen, darunter auch ehemalige Studenten von ihm. Der gebürtige Bürener hatte zunächst 1991 in Brasilien die Avicres gegründet. Ein Jahr später den deutschen Ableger in Paderborn. Heute ist der Religionspädagoge Ehrenvorsitzender. "Unsere Berufung ist die vorrangige Option für die Ärmsten, denen niemand hilft", beschreibt Niggemeier die Grundlage seines Handelns. Wer im Glauben verankert sei, habe Mut und Kraft zur Veränderung. Stets war Niggemeier inspiriert von der Theologie der Befreiung.
Wievielen Kindern und Jugendlichen bisher geholfen wurde oder wie hoch die Spenden waren, weiß Niggemeier nicht. Bei einem ist sich der 73-Jährige jedoch ganz sicher. Kleine Leute können mit ihrem Handeln an unbekannten Orten Außerordentliches erreichen. Von den Mitgliedern der brasilianischen Avicres las er ein Glückwunschschreiben vor, in dem sich die Brasilianer auch für die Solidarität und die Arbeit aus Deutschland bedankten.
Für Niggemeier gab es am Samstagabend auch ein Wiedersehen mit der Mitbegründerin Ulrike Böhmer. Sie hatte damals in Paderborn studiert und bei einem Auslandsaufenthalt in Brasilien die Arbeit Niggemeiers noch vor der Vereinsgründung kennengelernt. "Mit Mitte 20 war das für mich ein sehr prägender Aufenthalt. Ich habe später in Dortmund als Gemeindereferentin gearbeitet", sagt die Iserlohnerin. Längst verdient sie ihre Brötchen auf der Bühne als Kirchen-Kabarettistin - so auch in Salzkotten. Als solche nimmt sie menschliche Schwächen aufs Korn.
Für Landrat Manfred Müller ist die Gesellschaft ohne Mitmenschlichkeit und Glauben nicht lebensfähig. Avicres habe ein besseres Leben in die Gesellschaft gebracht, für Menschen, die wirklich Hilfe bräuchten.
Die jetzige Vorsitzende der deutschen Avicres, Karin Herting, verwies auf die fast 2.600 Personen und Gruppen, die Avicres unterstützen. "Eine materielle und ideelle Vernetzung ist wichtig", betonte sie.
Mit der Capoeira-Gruppe aus Gütersloh wurde die mit fast 400 Gästen gut besuchte Halle mit brasilianischem Temperament gefüllt. Der aus Brasilien stammende Gitarrist Genivan sorgte zusammen mit Dorothee Scheibel am Akkordeon für Klänge, die darüber hinausgingen, womit Brasilien sonst üblicherweise verbunden wird: Samba und Karneval.