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03.10.2012
PADERBORN
Zirkus-Direktor: "Unseren Tieren geht es gut"
Kurz-Interview mit Oliver Häberle

Oliver Häberle | FOTO: REINHARD ROHLF.

Paderborn. Wildtiere im Zirklus sind in Paderborn zurzeit ein besonderes Thema: Wie berichtet, hatte die SPD einen Antrag eingebracht, mit dem künftig ein Zirkus, der Wildtiere in seinem Programm hat, keine Genehmigung mehr für einen Auftritt bekommen soll.

Der Antrag wurde vorerst auf Eis gelegt, unter anderem auch mit dem Hinweis darauf, dass aktuell ohnehin keine Anfrage eines Zirkus’ mit Wildtieren auf dem Tisch liege. Lediglich der Zirkus Herkules, der in diesen Tagen am Schützenplatz auftritt, hatte noch eine Genehmigung. Hanna Irabi sprach mit dem Zirkusdirektor Oliver Häberle über das Thema Wildtiere im Zirkus und den Protest von Tierschützern.

Tierschützer haben in Paderborn die Plakate ihres Zirkus’ überklebt. Können Sie die Aktion verstehen?
OLIVER HÄBERLE:
Nein, überhaupt nicht. Zum Einen sind unsere Seelöwen keine Wildtiere, sondern domestiziert. Nur ihre Vorfahren stammen aus der Wildnis. Zum Anderen werden diese Tiere dort, wo sie ursprünglich herkommen, gejagt. Das passiert ihnen hier bei uns nicht. Wir haben einen Seelöwen, der jämmerlich verhungern würde, denn er frisst nur Fischfilet. Ich lasse mich nicht als Tierquäler betiteln, denn ich habe noch keinem Tier etwas zuleide getan. Wir haben Anzeige erstattet und werden gerichtlich gegen diese Personen vorgehen.

Sie sagen, den Tieren in Ihrem Zirkus geht es gut . Wie werden sie gehalten?
HÄBERLE:
Tag und Nacht steht ihnen im Innenbereich ein Becken mit 15.000 l Fassungsvermögen zur Verfügung. Dazu kommt ein Trockenbereich. Tagsüber haben sie außerdem Zugang zu einem größeren Becken mit über 50.000l Wasser. Dort können sie Bahnen längs und im Kreis schwimmen.

Können Sie sich vorstellen, in Zukunft ohne Tiere aufzutreten?
HÄBERLE:
Nein, denn daran haben die Besucher auch wenig Interesse. Viele rufen uns an und fragen nach, welche Tiere bei uns auftreten. Sie wollen Elefanten, Löwen oder Tiger sehen. Schon jetzt haben wir also das Problem, dass wir keine Raubtiere sondern nur Seelöwen haben. Der Zirkus, wie wir ihn heute kennen, ist im 18. Jahrhundert entstanden. Nehmen sie dem Zirkus die Tiere, nehmen sie ihm die Seele.

Wie geht es für Sie weiter?
HÄBERLE:
Zum Saisonende hören wir auf. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Die Bürokratie nimmt überhand, das Ausgehverhalten der Leute ändert sich, die Zirkusse haben nicht mehr genügend Besucher. Lieber in Würde aufhören, als gnadenlos vor die Hunde zu gehen.

Mehr zum Thema in nw-news.de


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