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11.10.2012
PADERBORN
Dienstantritt auf der Baustelle
Wachstum der Universität ist Herausforderung für Studentenwerk
VON HANS-HERMANN IGGES

Für das Wohl der Studierenden zuständig | FOTO: H.-H. IGGES

Paderborn. Das Leben ist eine Baustelle – das sagen nicht nur Handwerker. Einer, dessen Job im konkreten wie im übertragenen Sinne mit Baustellen zu tun hat, ist Carsten Walther (47). Der gelernte Banker und bisherige Vorstand einer Genossenschaft im Lebensmitteleinzelhandel hat vor knapp 100 Tagen, am 1. Juli, die Geschäftsführung des Studentenwerks Paderborn übernommen.


Auf dem Weg ins Büro kann Carsten Walther täglich den Baufortschritt seiner derzeit größten Baustelle persönlich inspizieren: Gleich gegenüber haben die Arbeiten zur 7,6 Millionen Euro teuren Erweiterung der Mensa an der Universität Paderborn begonnen. "Die Mensa war jetzt schon zu eng," sagt Carsten Walther. "Wenn der doppelte Abiturjahrgang im Oktober 2013 an die Uni strömt, muss alles fertig sein." Dann sollen statt bisher täglich an die 4.000 Essen bis zu 6.500 Mahlzeiten an hungrige Studierende ausgegeben werden. Als würde eine neue Mensa nicht schon genug Arbeit bedeuten, ist das Studentenwerk Paderborn aber auch noch für den Bau von zwei kleineren Mensen in Hamm und Lippstadt für die dortige Hochschul-Neugründung zuständig.


Mindestens eine Baustelle könnte für Carsten Walther in Paderborn aber in Kürze noch dazu kommen: "Wir prüfen derzeit konkret fünf Standorte für neue Wohnanlagen für Studierende", sagt der Chef des Studentenwerks. Spätestens im nächsten Jahr soll Baubeginn für wenigstens eine sein.


Zahl der Anträge um ein Drittel gestiegen


Info

Essen auch für Allergiker

Gebaut wird auf dem Campus eigentlich eine komplette zweite Mensa: Mit eigener Küche und eigener Essensausgabe. Carsten Walther, Geschäftsführer des Studentenwerks: "Die bisherige Küche allein wäre zu klein; auch wollen wir das Angebot qualitativ erweitern." Regionale, nachhaltig angebaute Lebensmittel könnten ebenso den Speisezettel bereichern wie Spezielles für Allergiker oder Diabetiker. Walther: "Wir werden ausprobieren, was ankommt. Sogar veganes Essen könnte dabei sein."

Erhalten bleibt die kleine, feine "Mensula" – trotz mancher Kritik von Studierendenvertretern, die den Platz dafür lieber einer größeren Mensa geopfert hätten. Carsten Walther: "So einen Treffpunkt hat nicht jede Uni. Außerdem ist sie der Ausbildungsstandort für uns und wichtig für die Qualität auch in den Großküchen."

Der Bedarf dafür ist seit langem da: Carsten Walther wünscht sich für in Paderborn Studierende insgesamt mindestens 400 zusätzliche zu den vorhandenen 1.045 Wohnplätzen. Damit läge man bei dann vermutlich 20.000 Studierenden in Paderborn allerdings immer noch deutlich unter einem Angebotsgrad von zehn Prozent, dem Schnitt deutscher Unistädte.


Kooperationen mit Privatinvestoren strebt das Studentenwerk dabei jedoch – anders als unter Walthers Vorgängerin Dr. Katja Nienaber – nicht mehr an. Der neue Chef des Studentenwerks: "Auch jemand, der von einem BaföG-Höchstsatz leben muss, soll sich ein Zimmer von uns leisten können. Das ist bei privaten Angeboten nicht gewährleistet." Da Landesmittel für den Bau derzeit nicht zur Verfügung stehen, sollen neue Wohnanlagen mit eigenem Geld, vor allem aber mit Krediten, finanziert werden.


Apropos BaföG: Als Amt für Ausbildungsförderung ist das Studentenwerk für die Studierenden aller Paderborner Hochschulen zuständig. Carsten Walther: "Uns fehlt inzwischen Personal dafür, weil die Zahl der Anträge über die letzten Jahre um ein Drittel zugenommen hat." Entsprechend dauere nun ihre Bearbeitung länger.


Früheres Sorgenkind stabilisiert


Speisen im Grünen | VISUALISIERUNG: BLB

Ein früheres Sorgenkind des Studentenwerks, die Tectum AG, wurde inzwischen stabilisiert: Die Idee, mit einer eigenen Firma Geld für das Studentenwerk, das als Anstalt des öffentlichen Rechtes selbst keine Gewinne erwirtschaften darf, zu verdienen, erwies sich nämlich als schwieriger umsetzbar als gedacht. Carsten Walther: "Eines der Probleme war, dass wir Anfangsverluste, zum Beispiel im Hotelbereich, laut Finanzamt nicht wie beabsichtigt verrechnen durften." Inzwischen schreibe das Hotel Campus Lounge, Teil der Tectum AG, aber schwarze Zahlen. In den Bereichen Catering und Raumpflege werde man so weiter arbeiten wie bisher, die Aktivitäten aber nicht forcieren, lautet Walthers Strategie.


Eigene Jubiläumsfeierlichkeiten zum 40. Geburtstag, so wie die Uni, muss das Studentenwerk in diesem Jahr allerdings (noch) nicht wuppen – eine Baustelle weniger. Carsten Walther: "Wir begehen den runden Geburtstag erst im nächsten Jahr."






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