Paderborn (NW). Eine Ehrung von höchster Stelle: Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat in einer Feierstunde die Stadt Paderborn für die Verwendung von Grundwasser zum Temperieren großer Gebäude in der Innenstadt ausgezeichnet.
Coole Idee
1992: Die neue AOK-Geschäftsstelle und das Modehaus Sittig kühlen mit oberflächennahem Grundwasser, das zur Niveauregulierung im Bereich der Tiefgarage Königsplatz abgepumpt wird.
1996 - 1998: Erstellung von Brunnenanlagen im Bereich des Rathaus- und Marienplatzes. Anbindung von Modehaus Kleine, Rathaus, Ratskeller, Kammerspiele, Dany, Klingenthal, Sparkasse, Bäckerei Lange, Multistore (ehemals Kaufhalle), Volksbank (Kinopassage) und Filmtheaterbetrieb Renneke.
2004: Die Kühlwassermengen werden verdoppelt. Anbindung der Bank für Kirche und Caritas. Erhöhung der Kühlleistung Thalia (ehemals Multistore). Bau eines neuen Schluckbrunnens "Am Kamp" und Umwandeln des Schluckbrunnens "Marienplatz" in Förderbrunnen.
2009-2011: Beim Modehaus Sittig soll das Kühlwasser erstmals auch zur Beheizung der Gebäude verwendet werden.
Anbindung des neuen Bürogebäudes der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold im Kötterhagen, des neuen Theaters und der Volksbank Schildern an das Kühlwassernetz Rathausplatz. Das Wasser wird dort zum Kühlen und im Winter auch zum Heizen verwendet.
Aus den Händen von Staatssekretärs Rainer Bomba konnte Dr. Frank Becker, Leiter des Amtes für Umweltschutz und Grünflächen der Stadt Paderborn, den nationalen Preis für integrierte Stadtentwicklung und Baukultur 2012 "Stadt bauen. Stadt leben" entgegennehmen. Mit dabei waren auch Angelika Schomberg, Leiterin der Kommunikation, und Kommunalberater Peter Grote, beide von Eon Westfalen Weser.
Die Stadt Paderborn gehört damit zu den 30 Preisträgern, die in vier unterschiedlichen Kategorien mit einer Urkunde ausgezeichnet wurden. Insgesamt waren 194 Wettbewerbsbeiträge aus 127 Städten und Gemeinden sowie 15 Bundesländern eingegangen.
Das heimische Energieunternehmen (bzw. die Vorgängerunternehmen PESAG und Stadtwerke) hatten vor 20 Jahren begonnen, Grundwasser für eine umweltschonende und energiesparende Kühlung von Gebäudekomplexen zu nutzen. Inzwischen liefert die natürliche Ressource Kälte und Wärme.
Paderborns besondere hydrogeologische Situation hatte schon seit dem Mittelalter dazu geführt, das reichlich vorhandene Wasser in unterschiedlicher Form vom Mühlenbetrieb bis zur Wasserkunst intensiv zu nutzen. Die moderne Verwendung des Grundwassers zur regenerativen Gewinnung von Kälte und Wärme sei ein herausragendes Beispiel dafür, wie natürliche Ressourcen und vorhandene Rahmenbedingungen für die nachhaltige ökologische Stadtentwicklung im Zentrum Paderborns genutzt werden können, hieß es.
Seit der Inbetriebnahme im Jahr 1992 wurden nach Angaben der Stadt rund 20 Millionen Kilowattstunden Kälteenergie an die Kunden geliefert. Seit dem Start wurden durch diese umweltschonende Technik rund acht Millionen Kilowattstunden Energie eingespart, was einer CO2-Reduktion von rund 5.100 Tonnen entspricht.
Die Eon Westfalen Weser AG als regionaler Energiedienstleister begleitete und realisierte vom ersten Projekt an maßgeblich Planung, Durchführung und Inbetriebnahme. Unter anderem ist die gesamte Regel- und Messtechnik auf der Leitstelle des Unternehmens ganzjährig aufgeschaltet. Angeschlossen sind neben Rathaus, Theater und Banken auch zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte.