Paderborn-Schloß Neuhaus. ,,Übers Wasser führt ein Steg, und darüber geht der Weg", dichtete einst Wilhelm Busch und ließ seine zu bösen Streichen aufgelegten Buben Max und Moritz voller Tücke eine Lücke in jene Brücke sägen. Im Schloß Neuhauser Quinhagen hätten seine Helden drei Monate lang keine Chance gehabt, ihren Streich Nummer drei in die Tat umzusetzen.
So lange schon ist die dortige Fußgänger- und Radfahrerbrücke komplett futsch – was von Quinhagen-Anwohnern und verhinderten Nutzern dieser Verbindung mittlerweile als böser Streich der Stadt angesehen wird.
"Sechs bis acht Wochen", so hatte das Straßen- und Brückenbauamt kalkuliert, sollte es nämlich dauern, die baufällige Holzbrücke aus Gartenschau-Zeiten (1994) zwischen der Straße Im Quinhagen und dem Emilie-Rosenthal-Weg durch eine gebrauchte andere Brücke zu ersetzen, die die Stadt vor einigen Jahren am Lippesee abgebaut, überholt und eingelagert hat.
Halteverbot ab Donnerstag
Da die Ersatzbrücke per Tieflader angeliefert und von der Aufstellfläche auf dem gesperrten Bolzplatz per Kran auf die Aufleger beiderseits der Pader gehievt wird, wird am Donnerstag auf der Straße Im Quinhagen vom Almedeich bis etwa in Höhe des Hauses Nr. 16 beidseitig ein absolutes Halteverbot eingerichtet. Das Straßen- und Brückenbauamt bittet die betroffenen Fußgänger und Radfahrer sowie die Quinhagen-Anlieger um erhöhte Aufmerksamkeit.
Sollte es zu einer Verschiebung der Aktion von Donnerstag auf Freitag, 19. Oktober, kommen, hat das nichts mit Max und Moritz, sondern mit der Witterung zu tun.
Beginn der Arbeiten war am 9. Juli. Doch auch drei Monate später war von der versprochenen Ersatzbrücke noch nichts zu sehen. Der benachbarte Bolzplatz, über den sie an ihren neuen Standort bugsiert werden soll, ist seit dem Abbau der maroden alten Brücke gesperrt und kann nicht von Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Auch das sorgt wegen der langen Wartezeit auf die neue Brücke für Unmut.
Peter Kirsch, ein Almering-Anwohner, hat noch einen weiteren Grund zur Beschwerde: ,,Wegen der fehlenden Anbindung zur Paderaue verkommt der Quinhagen derzeit zum Hundeklo."
Nun aber ist Schluss mit der Tücke der fehlenden Brücke: Morgen, Donnerstag, soll die Ersatzbrücke endlich montiert werden. Jens Reinhardt, Sprecher der Stadt, räumte auf Anfrage der NW ein, es habe "Probleme mit der Anpassung der Brückenfundamente" gegeben. Dies sei "erheblich komplizierter" gewesen als erwartet.
Die neue Brücke ist etwas breiter als ihre Vorgängerin. Am Lippesee war dieses Holzbauwerk mit dem Bau der dortigen Umflut überflüssig geworden.
Trotz der unerwarteten Schwierigkeiten, auf deren Konto die Verzögerung geht, bleibt es nach Reinhardts Worten beim "Kostenvorteil" der Austausch-Lösung. Der Sprecher der Stadt: "Die Anschaffung einer neuen Brücke hätte 100.000 bis 200.000 Euro gekostet. Das Anpassen der Fundamente für die Ersatzbrücke und deren Einbau kosten 50.000 Euro."
Sofern Max und Moritz der neuen Brücke keinen Streich spielen, kann auch die Umleitung des Fernradweges bald wieder aufgehoben werden. "Anfang November", so erwartet Reinhard, soll die Quinhagen-Ersatzbrücke nach Abschluss der Arbeiten an der Zuwegung zur Nutzung freigegeben werden.