Interessengemeinschaft Innenstadt-Ost erhebt heftige Vorwürfe gegen die Verwaltung
Paderborn. Von "abweisender Ignoranz" war die Rede, von "Destruktivität" und von "Gutsherrenmanier". Wenn Wolfgang Triller und Hans-Willi Knaup, Sprecher der Interessengemeinschaft Innenstadt-Ost, über die Paderborner Verwaltung sprechen, steigt ihnen die Zornesröte ins Gesicht. "Unmöglich" sei es, wie die Verwaltung mit den Bürgern umgehe. Knaup: "Dabei sollten doch die Bürger die wahren ,Gutsherren’ sein - und die Verwaltung ihre ,Gutsverwalter’."
In der Paderborner Oststadt gärt es schon seit einer Weile. Triller und Knaup sprechen nun für nach eigenen Angaben mehr als 100 Geschäftsleute und Bewohner, die sich für die Entwicklung in der östlichen Innenstadt engagieren. Gemeint ist damit der Bereich zwischen Kasseler, Giers- und Detmolder Tor sowie auch östlich des Innenstadtringes. Gestern luden sie mit ihren Mitstreitern Martin Potthast und Wieslaw-Werner Jablonski zu einer denkwürdigen Pressekonferenz in das Seniorenheim Westphalenhof. Sie geriet zu einer Generalabrechnung mit der Paderborner Verwaltung. Ein Vorwurf löste den nächsten ab - hier hatte sich offenbar jede Menge Frust angestaut. Hans-Willi Knaup am Ende zur Presse: "Schreiben Sie aber nicht, wir wären ,Wutbürger’. Das ist vielmehr der ,Aufstand der Anständigen’ - gegen eine unanständige Behandlung durch die Verwaltung, die die Politik vor sich her treibt ."
Insbesondere verschaukelt fühlten sich die von ihnen vertretenen Bürger durch das Angebot, an der Entwicklung ihres Quartiers mitwirken zu können - "ein gern bemühtes Lock- und Trostpflaster der Politik", so Knaup. Die Bürger hätten ihre Vorstellungen beim von der Verwaltung organsisierten "Planungsspaziergang" im Juni zwar brav vorbringen dürfen. Doch schon kurze Zeit später seien seitens der Verwaltung durch eine Beschlussvorlage zum Stadelhof, wo die neue Volkshochschule geplant ist, Fakten geschaffen worden. Dabei sei die Bekanntgabe der offiziellen Ergebnisse jenes Spazierganges aufs nächste Frühjahr verschoben worden.
Die versprochene Bürgerversammlung habe nie statt gefunden, wurde gestern bemängelt - lediglich eine Info-Veranstaltung auf Einladung der CDU habe es gegeben. Das Fazit der Interessengemeinschaft: "Die Stadt ist an einer angemessenen Bürgerbeteiligung mit den Bürgern der Interessengemeinschaft Innenstadt Ost nicht interessiert, weil Informationen gar nicht oder nur sehr unzureichend gegeben werden. Wir fordern die versprochene und auch notwendige frühzeitige Bürgerbeteiligung ein, einen ergebnisoffenen Dialog auf Augenhöhe."
Jetzt habe man - nach einem völlig fruchtlosen Schriftverkehr mit Bürgermeister Heinz Paus - allen Ratsmitglieder geschrieben und immerhin schon Gespräche mit SPD, DIP und Grünen geführt. Hans-Willi Knaup: "Statt der von der Verwaltung aus rational nicht nachvollziehbaren Gründen vorgesehenen 15 Stellplätze im Hof der neuen VHS wären dort mindestens 40 Plätze möglich. Wir würden uns auch für eine Tiefgarage aussprechen, um den zu befürchtenden Parksuchverkehr in Zukunft zu minimieren."
Bürgerbeteiligung mahnt die Interessengemeinschaft auch für den Bereich der beiden Gymnasien an. Knaup: "Die Parksituation ist ein einziges Desaster." Parkplätze an der Driburger Straße oder an den Bahngleisen seien zu weit entfernt. Wenn man schon kein Parkhaus auf dem Netto-Gelände baue, so der Vorschläg der Interessengemeinschaft, so könnte man die neue Reismann-Sporthalle doch auf Stelzen stellen, so dass darunter Parkraum entstehe - oder gleich eine ausreichend große Tiefgarage bauen.
Auch der Umbau der kleinen Straßen im Quartier läuft nicht so, wie die Bürger sich das wünschen. Sie befürchten hohe Umlagen und kontern mit einem Vorwurf: "Die Stadt unterhält und pflegt ihre Straßen nicht, so dass dann die Bürger die teuren Sanierungen zahlen müssen." Man prüfe, so Knaup, sich einen Anwalt zu suchen und die Stadt auf Unterhaltung ihrer Straßen zu verklagen.