Paderborn/Ludwigsfelde (my). 18 Jahre lang, von 1990 bis 2008, stand Heinrich Scholl (69) als Bürgermeister an der Spitze der Stadtverwaltung in Ludwigsfelde (Landkreis Teltow-Fläming). Auch in der Paderborner Stadtverwaltung werden sich noch etliche Mitarbeiter an den körperlich kleinen (1,60 Meter) Mann erinnern, der in fast 20 Jahren die alte Autobauerstadt im Berliner Speckgürtel wirtschaftlich in Fahrt brachte. Ludwigsfelde, damals noch im Landkreis Zossen, wurde nach Gründung des Landes Brandenburg im Zuge der kommunalen Aufbauhilfe lange Jahre von der Stadt Paderborn betreut.
Jetzt steht der ehemalige Bürgermeister in Potsdam vor Gericht. Dem 69-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft vor, Ende 2011 seine Ehefrau Brigitte heimtückisch bei einem gemeinsamen Waldspaziergang mit einem Schnürsenkel erdrosselt zu haben. Anschließend soll er ihr eine Plastiktüte über das Gesicht gezogen haben und die Tüte am Hals mit einer Hundeleine sowie einem Stück Seil fixiert haben, berichtet die Märkische Allgemeine.
Doch damit nicht genug. Die Staatsanwalt ist überzeugt, dass Scholl der damals 67-jährigen noch mehrfach ins Gesicht geschlagen hat, die Leiche entkleidete und anschließend den leblosen Körper mit Moos und Gras bedeckte. Anschließend, so die Anklageschrift, soll Scholl auch noch den Familienhund, einen Cockerspaniel namens Ursus, erdrosselt haben.
Am 25. Januar 2012 wurde Scholl verhaftet. Nach sieben Monaten Untersuchungshaft wurde er Mitte Oktober vor Gericht gestellt. Insgesamt sind 29 Verhandlungstermine geplant, zu denen 67 Zeugen geladen werden.
Scholl bestreitet die Tat. Im März 2008 war aus dem gemeinsamen Haus in Ludwigsfelde ausgezogen und lebte danach mit einer 31-Jährigen zusammen. Kurz vor der Tat kehrte er zu seiner Ehefrau zurück. Die Ermittler vermuten, dass das Motiv in der zerrütteten Ehe liegt.
Die Anklage stützt sich in dem reinen Indizienprozess unter anderem auf DNA-Spuren am Schnürsenkel und an Scholls Kleidung. Einer Handyortung zufolge soll er sich zur Tatzeit in Tatortnähe aufgehalten haben. Der Angeklagte Scholl selbst erklärte, in der Ludwigsfelder Kristalltherme gebadet zu haben, während seine Frau starb. In der Folgezeit ließ Scholl sogar Anzeigen in den Medien schalten, in denen er Zeugen für seinen Thermenaufenthalt suchte – bislang vergeblich.