14 Jahre alter Ratsbeschluss könnte endlich umgesetzt werden / Oder doch lieber "Hanse-Stadt"?
Paderborn. Das wäre ein passendes Geschenk der Stadt Paderborn zum 40. Geburtstag der Universität im nächsten Jahr: Der nordrhein-westfälische Landtag hat in der letzten Woche den Weg frei gemacht für Namenszusätze auf Ortsschildern. Ein 14 Jahre alter Paderborner Ratsbeschluss könnte damit endlich umgesetzt werden – an allen Paderborner Ortseingängen würde "Universitätsstadt Paderborn" die Autofahrer begrüßen.
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Schon zum 25. Geburtstag der Hochschule hatte der Stadtrat am 26. Juni 1997 auf Antrag der CDU-Fraktion einstimmig die Verwaltung beauftragt, in Düsseldorf die ministerielle Genehmigung für den Namenszusatz einzuholen. Auch die Standortkonferenz hatte sich zuvor in diese Richtung stark gemacht. Doch der Zusatz wurde damals in Düsseldorf untersagt. Nur die Bezeichnungen "Kreisstadt", "Landeshauptstadt" oder "Bundeshauptstadt" sollten auf den gelben Schildern vor den Ortsnamen erlaubt sein. Der Titel "Universitätsstadt" blieb in Paderborn schließlich den in städtischer Regie aufgestellten Schildern vorbehalten, auf denen die Paderborner Partnerstädte Le Mans (Frankreich), Bolton (Großbritannien), Belleville (USA), Pamplona (Spanien), Przemysl (Polen) und Debrecen (Ungarn) aufgelistet sind.
Wie soll Paderborn auf den Ortseingangsschildern genannt werden?
Wie Jens Reinhardt, Pressesprecher der Stadt Paderborn, gestern gegenüber der NW bestätigte, wird nach der Landtagsentscheidung in Düsseldorf nun auch in Paderborn wieder über das Thema nachgedacht. Bürgermeister Heinz Paus werde "in der nächsten oder übernächsten Ratssitzung" eine entsprechende Vorlage einbringen. Tatsächlich sei die Verbindung zwischen Stadt und Universität sehr eng, erinnerte Reinhardt unter anderem an das gemeinsame Projekt "Zukunftsmeile Fürstenallee", den Bau der Railcab-Teststrecke am Südring sowie regelmäßige Empfänge der Stadt für neue Professoren oder ausländische Studierende.
An der Uni Paderborn würde man die Werbung auf den Ortsschildern natürlich begrüßen. Uni-Sprecher Tibor Werner Szolnoki: "Immerhin haben wir jetzt 17.500 Studierende plus 2.000 Beschäftigte in der Verwaltung." Und hat damit fast mit der Uni Bielefeld gleichgezogen.
Die "Universitätsstadt Paderborn" ist zu alledem aber auch noch Standort anderer Hochschulen: 750 Studierende sind an der Katholischen Hochschule eingeschrieben, 500 an der Fachhochschule der Wirtschaft und 390 an der Theologischen Fakultät. Die ist als 1614 gegründete älteste westfälische Hochschule die Keimzelle der heutigen Hochschulszene.Allerdings wären für Paderborn auch noch andere Zusätze auf dem Ortsschild denkbar: Nicht selten ist schließlich von der "Dom-Stadt" die Rede. Denkbar wäre außerdem die "Heinz-Nixdorf-Stadt". Oder auch die "Hanse-Stadt". Und das mit einigermaßen gutem Grund: Immerhin verabschiedeten die Delegierten des Westfälischen Heimatbundes, zu dem auch Paderborn gehört, erst im letzten Jahr einstimmig in ihrer "Olper Erklärung" die Absicht, auf den Ortseingangsschildern aller Mitgliedsstädte mit dem Zusatz "Hanse-Stadt" auf das an eine gemeinsame Geschichte erinnernde Netzwerk aufmerksam zu machen.
Stehen da also doch noch heiße Debatten ins Haus? "Die Entscheidung darüber sollte man natürlich der Stadt überlassen," so gestern Jürgen Plato, Kanzler der Universität Paderborn gegenüber der NW. Er sei sich allerdings sicher, dass die Stadt wisse, was sie an der Universität habe. Nämlich einen zugkräftigen Standortfaktor – schließlich sei dem Gütersloher "Centrum für Hochschulentwicklung" (CHE) bei seiner Suche nach den besten deutschen Hochschulmanagern (wir berichteten) die Paderborner als eine der "dynamischsten" deutschen Unis aufgefallen.
Dynamisches Wachstum stößt an Grenzen
Von 15.200 im Wintersemester 2010/11 auf aktuell 17.500 Studierende: Eigentlich hatte man so viele Studenten an der Uni Paderborn erst zum Wintersemester 2012/13 erwartet. Dann strömt nämlich der NRW-Doppel-Abi-Jahrgang an die Hochschulen.
Entsprechend voll ausgelastet sind auch alle zuletzt unter Volldampf geschaffenen zusätzlichen Institutsgebäude, Seminarräume und Hörsäle. "Wir haben also jetzt schon die der Landesregierung gegenüber erst für 2013 versprochenen zusätzlichen Studierenden aufgenommen", sagt Uni-Kanzler Jürgen Plato. Er hofft auf eine Aufstockung der Landesmittel für zusätzliche Kapazitäten. Je nachdem, wie die Entscheidung ausfalle, überlege man an der Uni im Februar, wie man dem Doppel-Abi-Jahrgang begegne. Einerseits wolle man möglichst vielen ein Studium ermöglichen, man komme möglicherweise aber nicht um Zulassungsbeschränkungen herum.
Den aktuellen Studierendenzahlen entsprechend müsste die Uni Paderborn zwischen 3 und 4 Millionen Euro an sogenannten Kompensationsmitteln mehr bekommen. Die werden für entfallene Studiengebühren gezahlt, allerdings auf Grundlage geringerer Studierendenzahlen. Plato: "Für die Kompensationsmittel von drei bis vier Jahren könnte man schon wieder ein neues Gebäude an der Zukunftsmeile errichten." (ig)