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05.11.2011
PADERBORN
Zu jung für den Ruhestand
Paderborner Professorin klagte gegen die Universität, weil sie länger arbeiten möchte
SILKE GENSICKE

Will noch weiter lehren | FOTO: REINHARD ROHLF

Paderborn. "Die Menschen werden durch Menschen gebildet - die Guten von Guten", schrieb Johann Wolfgang von Goethe einst. Und wer für sie zu den Guten zählt, dass wissen die Studierenden des Fachbereiches Germanistik an der Universität Paderborn ganz genau. Professorin Dr. Elisabeth Feldbusch steht bei ihren Studierenden hoch im Kurs. Doch dieses Wintersemester soll ihr letztes an der Universität sein.

"Seit 40 Jahren lehre und forsche ich außerordentlich gerne und halte es für notwendig, dass das eine das andere ergänzt", sagt Feldbusch, die mit ihren 65 Jahren ein Alter erreicht hat, wo der Ruhestand zum Greifen nah ist. "Für den Ruhestand fühle ich mich noch zu jung und leistungsfähig. Ich bin gesundheitlich fit und in der Lage, meine Tätigkeit ohne Einschränkungen weiter zu führen", betont sie. Feldbuschs Wunsch: Noch weitere drei Jahre, an der Uni lehren zu können. Und darum kämpft sie seit mehreren Jahren.

Erstmalig 2007 wies die Hochschullehrerin den Dekan der Fakultät für Kulturwissenschaften, Professor Dr. Volker Peckhaus, darauf hin, dass sie vorhabe, einen Antrag auf Hinausschiebung des Eintritts in den Ruhestand zu stellen und bat darum dies bei den laufenden Berufungsverhandlungen zu berücksichtigen. Schriftlich argumentierte der Dekan damals, "dass die Hochschulleitung eine Interessenabwägung, zwischen den Gesichtspunkten: Entlastung des Haushaltes, Chancen des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie eine personelle und strukturelle Weiterentwicklung der Fächer" vornehmen müsse. Seine Bedenken über eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit äußerte Peckhaus schon damals ganz offen. "Diese Entlastungschance ungenutzt zu lassen, wäre unverantwortlich gewesen", schrieb Peckhaus der Professorin damals, als er ihr mitteilte, dass auch ihre Professur in ein Ausschreibungspaket mit aufgenommen wurde.

Im April 2010 stellte Feldbusch beim Präsidenten der Universität, Professor Dr. Nikolaus Risch, einen offiziellen Antrag auf Hinausschiebung der Altersgrenze gemäß des Beamtengesetzes für das Land NRW. Die Antwort folgte im Juli. "Insbesondere aufgrund der begrenzten Personal- und Sachressourcen der Universität Paderborn hat ihr individuelles Interesse am Hinausschieben des Ruhestandes zurückzustehen", ließ Risch Feldbusch schriftlich wissen. "Wir haben versucht, die Personalangelegenheiten intern in der Hochschule zu diskutieren und zu behandeln und eine möglichst positive Lösung für alle Beteiligten zu finden", sagt Tibor Szolnoki, Pressesprecher der Universität. Im August letzten Jahres machte die Professorin von ihrem Recht Gebrauch und reichte Klage gegen die Universität ein.In ihrem Wunsch, über das 65. Lebensjahr hinaus als Lehrende tätig bleiben zu dürfen, wird Feldbusch von zahlreichen Studenten unterstützt, denn der Kampf der Professorin ist an der Uni längst Gesprächsthema. "Es spricht sich untereinander einfach ’rum und das ist auch gut so, denn es ist ja ein Thema, dass uns alle betrifft", erklärt ein Student. "Ich habe bei ihr schon so viel gelernt. Sie kümmert sich sehr um die Studenten und hat ein offenes Ohr für ihre Probleme", sagt eine 24-jährige Studentin. "Es ist schon bemerkenswert, wenn eine engagierte und ausgezeichnete Dozentin wie Frau Feldbusch trotz Antrag auf Dienstzeitverlängerung in diesem extrem überlasteten Institut erst gegen die Universität klagen muss, um sich weiterhin um ihre Studierenden kümmern zu dürfen", schrieb ein Student erst Ende September dieses Jahres in einem Leserbrief an die NW.

Die letzte Hoffnung setzten sowohl die Studierenden als auch die Professorin auf die Entscheidungskraft des Verwaltungsgerichtes in Minden. Doch das Gericht lehnte die Klage der Wissenschaftlerin nun ab und berief sich auf das sogenannte Hochschulfreiheitsgesetz. Danach obliegt es dem Dienstherrn, also der Universität Paderborn, in Ausübung der ihm zugewiesenen Personal-und Organisationshoheit, Prioritäten zu bestimmen, diese auf einzelne Organisationseinheiten zu verteilen und ihre Erfüllung durch bestmöglichen Einsatz von Personal sowie von Sachmitteln sicherzustellen.

"Es müsste eine volle Professur für Frau Feldbusch finanziert werden. Freie Mittel, um sie weiter beschäftigen zu können, stehen uns einfach nicht zur Verfügung. Und wir müssen auch an den Nachwuchs denken. Ich finde nicht, dass sie ungerecht behandelt wurde", sagt Dekan Peckhaus.

Immer noch hoffen die Studierenden und ihre Professorin darauf, dass doch noch eine Einigung getroffen werden kann, die allen Seiten wirklich gerecht wird. "Um was geht es hier eigentlich? Um die Studierenden ja wohl nicht", sagt ein Student verärgert und spricht damit stellvertretend für viele seiner Kommilitonen.



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