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15.09.2012
PADERBORN
Spielgelände bleibt in Kinderhand
Politik lehnt den Bau privater Studentenwohnungen am Lichtenturmweg ab
VON SABINE KAUKE

Engagiert | FOTO: S. KAUKE

Paderborn. Die Bürger-Initiative hat Grund zum Jubeln: Das Spielgelände am Lichtenturmweg bleibt in Kinderhand. Pläne der Stadtverwaltung, auf dem Grundstück neue Studentenappartements ors zu realisieren, fanden in der Politik keine Mehrheit. Einig mit der Stadt sind aber alle Fraktionen, dass in Sachen Wohnraum für Studierende dringender Handlungsbedarf besteht.

CDU und FDP waren es, die im Juni im Jugendhilfeausschuss mehrheitlich für die Aufgabe des Spielgeländes votiert hatten. Nach Gesprächen mit Anwohnern und Eigentümern anderer Grundstücke wollten die Christdemokraten das heikle Thema im Bauausschuss des Rates jetzt eigentlich vertagen: Vor einer Bewertung wolle man zunächst andere potenzielle Standorte für studentisches Wohnen, von Privaten ins Spiel gebracht, begutachten, erklärte Fraktionschef Markus Mertens. Doch er hatte die Rechnung ohne die FDP gemacht – der Koalitionspartner zog nicht mit. Also musste die CDU Kante zeigen.

"Wir enthalten uns", entschied Mertens – woraufhin der Verwaltungsplan mit acht Gegenstimmen abgelehnt wurde. "Dieses Grundstück ist sehr klein und von der Zufahrt nicht günstig", räumte Mertens ein: Mit etwa 20 Wohneinheiten wäre es nur "ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber wir müssen alles in Betracht ziehen, um dieser Notsituation Herr zu werden."

Vor allem kleine Wohnungen für Studierende fehlen und diese angespannte Lage wird sich weiter zuspitzen. Studierten 2005 noch 14.700 junge Menschen an der Pader, sind es aktuell über 17.000. Zum Semesteranfang 2014/15 wird die Zahl 20.000 prognostiziert – plus Studenten der Fachhochschulen. Laut Kultusministerkonferenz sei über einen längeren Zeitraum kein Rückgang zu erwarten, erläuterte Beigeordnete Claudia Warnecke, weil immer mehr Jugendliche Abitur machen und studieren. Durch den Abzug der Briten entstünden zwar freie Kapazitäten, aber frühestens ab 2020. "Wir müssen jetzt machen, was wir können. Für Neubauten läuft uns die Zeit weg", verwies Warnecke auch auf die neue Initiative "Wohnraum für Studierende", in der Stadt, Uni, Studentenwerk sowie "Haus und Grund" kooperieren.

"Darum müssen wir uns kümmern, aber nicht auf Kosten von Spielflächen für Kinder", freute sich Brigitte Tretow-Hardt, Fraktionschefin der Grünen, dass die CDU ihren "Fehler korrigiert" habe. Das Gelände am Lichtenturmweg sei für eine Wohnanlage außerdem nicht geeignet. "Ich habe von Anfang an nicht verstanden, warum dieses Grundstück überhaupt in Erwägung gezogen wurde", plädierte Hartmut Hüttemann (FBI), für Studierende woanders Wohnraum zu schaffen. Während FDP-Mann Dominic Gundlach als einziger für die Aufgabe der Spielfläche votierte, enthielt sich Fraktionskollege Thomas Sprute, der seine Kindheit in dem Wohngebiet verbracht hat: "Ein Tropfen auf den heißen Stein darf nicht auf Kosten von Kindern und Wohnqualität gehen", erklärte er. Es bedeute Lebensqualität, nahe der Haustür bolzen und spielen zu können.

Das finden auch die Anwohner, die mit vielen Aktionen um die Spielfläche gekämpft haben. "Wir sind freudig überrascht", sagt Werner Lengeling. Die Initiative aus 70 Bürgern freue sich, dass sich durch ihre Aktionen und die Gespräche mit der CDU doch noch etwas bewegt habe.

  

Studentenzimmer am Querweg

Neuer Wohnraum für Studierende entsteht am Querweg oberhalb der Pauline-von-Mallinckrodt-Schule. Der Bauausschuss gab einmütig grünes Licht für eine entsprechende Bebauungsplan- sowie Flächennutzungsplanänderung. Die Bauflächen in dem neuen allgemeinen Wohngebiet sollen schnellstmöglichst an einen Investor verkauft werden. Angedacht ist der Bau mehrerer Wohnanlagen mit etwa 250 Einheiten, die das Studentenwerk langfristig anmieten will. Das Studentenwerk deckt aktuell nur 6 Prozent des studentischen Wohnbedarf, bundesweiter Durchschnitt ist 10 Prozent.



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