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06.10.2012
PADERBORN
Die Moderne als Herausforderung
Wie die Studiobühne der Universität das Kulturleben der Stadt bereichert
VON ANN-BRITTA DOHLE

Vor seiner Wirkungsstätte | FOTO: MARC KÖPPELMANN

Paderborn. Dass an der Universität Paderborn "Stoff" nicht nur trocken gelehrt und gelernt, sondern erfahrbar gemacht wird, liegt nicht zuletzt an der langjährigen Existenz ihrer Studiobühne. Die macht längst über die enge Stadtgrenze hinaus mit ihren Theaterproduktionen auf sich aufmerksam.


Gespielt wird eine aufregende Mischung aus Klassikern und zeitgenössischen Stücken. Von Goethes "Faust" bis hin zu Elfriede Jelineks "Die Raststätte oder sie machens alle" ist die ganze Bannbreite eines anspruchsvollen Theaterspielplans vertreten.


Auch das Ensemble macht von sich reden. Da spielte einst Mechthild Barth u.a. eine aufrüttelnde, widerspenstige "Julia", die sich dank ihrer Theatererfahrungen gegen den Lehrerberuf entschied und erfolgreich an der Filmhochschule Köln studierte. Oder Willi Hagemeier, heute feste Größe am Theater Paderborn, oder Stani.


Eine echte Institution in der Stadt


Ein weiteres Markenzeichen der Studiobühne: hier spielen nicht nur Studenten. Theatertalente, die sogenannten "Ehemaligen", wie Barbara Linnenbrügger, Birgit Noll und Hans-Gilbert Reuß, die durch ihre langjährige Schauspielerfahrung als Bühnenpersönlichkeiten bestechen, werden immer wieder ans Haus geholt. Ein Gewinn für das junge Ensemble wie auch für das altersgemischte Publikum.


Angefangen hat die heutige Studentenbühne ganz klein. 1960 rief Friedrich Kienecker eine Theatergruppe an der Pädagogischen Akademie ins Leben. 1970 übernahm Wolfgang Kühnhold die Leitung der Theatergruppe, mit der er bis 1978 in der Aula am Fürstenweg beheimatet war. Die Studentenbühne avancierte schnell zu einer echten Institution in der Stadt. Dann kam der Standortwechsel auf das Unigelände. Über drei Jahrzehnte leitete Wolfgang Kühnhold die "Studiobühne" und vergrößerte noch einmal sein "Refugium" und die schauspielerischen Anforderungen an die Studenten mit der Bespielung des Dalheimer Sommers (seit 1996).


Vor vier Jahren übernahm Hans Moeller die Leitung der Studiobühne, an der er bereits seit 1982 als Regisseur eingeführt war. Seine zweijährige Arbeit an der Oper Frankfurt mit Ruth Berghaus kommt ihm bis heute zugute. "Ruth Berghaus wollte damals unbedingt mit Laien arbeiten, die ich trainieren durfte," erinnert sich Moeller. Damals sei ihm noch nicht bewusst geworden, wo die besondere Qualität in der Arbeit mit Laiendarstellern liegt. Heute ist er sich sicher: "Es gibt nur gutes und schlechtes Theater" – völlig unabhängig von irgendeiner "Professionalität".


Macbeth im Original


Die Studenten, welche Kulturwissenschaften/Germanistik als ihr Fachgebiet wählen, werden spätestens im Bereich "Sprachpraxis" über die Studiobühne stolpern. Gerade in den pädagogischen Berufen kommt für viele Studierenden die Sprache und Präsenz vor einer Klasse Stolpersteinen gleich, weiß Moeller. Auf dem Stundenplan stehen deshalb Artikulation der Hochsprache, Atem- und Stimmbildung sowie kleine theaterpraktische Übungen. Wer dann noch mehr will, ist auf der Bühne herzlich willkommen.


"Ich beginne immer ganz langsam", sagt der Theatermacher Moeller, der sich nicht als Konzeptregisseur versteht. Vielmehr lässt er sich auf die Neuzugänge ein – und die haben sich verändert in den Jahren. Sie seien weniger körperbewusst. Und dass Körper und Sprache auf der Bühne dann auch noch widersprüchliche Dinge gleichzeitig behaupten müssen, sei für manche ein langwieriger Erkenntnisweg. Wolfgang Kühnhold habe die wichtigen Grundlagen der sprachlichen Gestaltung gelegt.


Hans Moeller hat seit seiner Leitung verstärkt die Vernetzung mit den fremdsprachlichen Fakultäten vorangetrieben. Plötzlich gibt es den Macbeth im Original zu hören. Eine große Herausforderungen lässt ihn aber nicht ruhen: Er möchte endlich einmal volle Ränge bei modernen Theaterstücken sehen. Ein Phänomen, dass eine Universitätsstadt mit soviel Aufgeschlossenheit gegenüber technischen Neuerungen sich auf dem Kunstsektor der komplexen Moderne verweigert.






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