Schrift

27.11.2012
Salzkotten-Scharmede
Schwere Zeiten für Hühnerzüchter
Rassegeflügelzüchter im Altkreis Büren werden 100 Jahre alt
VON FREDERIK GRABBE

Hobby-Hühnerzucht | FOTO: FREDERIK GRABBE

Salzkotten-Scharmede. Sie gurren, sie gackern, sie scharren. 181 Hühner mit exotischen Namen wie Zwerg-Hamburger silberlack, Chabos gelockt oder Westfälische Totleger tummelten sich in Käfigen in der Scharmeder Schützenhalle. Der Kreisverband Altkreis Büren wurde 100 Jahre alt und führte seine 63. Kreisverbandsschau durch. Doch das Hobby um das bunte Gefieder bedeutet Freud und Leid zugleich für die Züchter.

Bei wohl kaum einem anderen Verein wird der chronische Nachwuchsmangel und das Schrumpfen des regionalen Vereinslebens so deutlich zu beobachten sein wie beim Kreisverband der Rassegeflügelzüchter im Altkreis Büren: Der eigene Name ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten, der 1912 gegründete Kreisverband besteht heute nur noch aus den beiden Ortsvereinen Scharmede und Salzkotten.

116 Mitglieder kriegen beide "kreisweit" zusammen. Es ist der kleinste Kreisverband in Westfalen-Lippe. "Wie in den meisten Vereinen ist der Nachwuchs unsere größte Sorge", stellt der Vorsitzende, Josef Temborius, dar. 19 Jugendliche zähle der Kreisverband, sagt Schriftführer Helmut Haße. Platzmangel und berufliche Belastung seien weitere Faktoren für den Mitgliedermangel.

"Jeder, der 50 Jahre alt ist, gilt als jung", sagt der Scharmeder Rassegeflügelzüchter Jens Gesterkamp zur Altersstruktur in der Vereinslandschaft. Mit seinen 35 Jahren ist er selbst ein "Jungspund". Er züchtet eine japanische Kleinhuhnrasse. Zum Thema Jugendarbeit sagt er: "Man muss schon über die Familie in das Hobby Geflügelzucht hineinwachsen." Er selbst züchte Hühner, seitdem er acht Jahre alt ist, sei über seinen Vater dazu gekommen.

Einer der Jüngsten ist Julian Temborius. Der 16-jährige Sohn von Josef Temborius begeht gerade seine zweitletzte Geflügelschau. "Ich bin auch ziemlich aktiv in der Jugendfeuerwehr. Da bleibt einfach keine Zeit fürs Taubenzüchten", sagt Julian, der mehrere Pfautauben ausgestellt hat. "Das Freizeitangebot für Jugendliche ist einfach so groß geworden, dass einem zeitaufwendigen Hobby schwer nachzugehen ist", schildert Helmut Haße. Eine bis anderthalb Stunden täglich verbringe er mit seinen Tieren. Füttern, Käfige reinigen und das Gefieder pflegen stünden auf dem Plan. Wenn er nicht arbeiten würde, wäre es doppelt so viel Zeit, sagt er.

Doch trotz aller Sorgen um die Zukunft lassen sich die Züchter nicht unterkriegen: Haßes Familie etwa lebt die Geflügelzucht. Mit dem Schwiegervater bildet er eine Zuchtgemeinschaft, seine Enkelin begeistert sich ebenfalls für das Gefieder. "Wir züchten generationsübergreifend", sagt er stolz. Schließlich sei es ein schönes Hobby.

Das kann Jens Gesterkamp nur bestätigen. Zwar schätze er den Wettkampf mit anderen Züchtern und sähe gerne, was am Ende des Jahres aus seinen Züchtungen herauskommt, "aber wenn man nach einem stressigen Tag nach Hause kommt, sich mit ein wenig Futter in der Hand im Garten auf die Liege legt und die Hühner gurren im einen herum – das ist schon sehr entspannend", schwärmt er.

Ein Grund mehr, warum er versucht, von seinen Hühnern, die er nicht für die Rassegeflügelzucht nicht gebrauchen kann, "so wenig wie möglich im Kochtopf landen zu lassen".



Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren
Salzkotten
Grüne Lunge wird zur Partyzone
Salzkotten. Musik für jeden Geschmack, ein vielfältiges Unterhaltungsprogramm für Jung und Alt und dann noch die neu gestalteten Hederauen - am letzten Augustwochenende verwandelt sich Salzkottens... mehr




Anzeige

Anzeige
Fotos aus dem Kreis Paderborn
Scherer Verkehrsunfall mit zwei beteiligten Personen
Scherer Verkehrsunfall mit zwei beteiligten Personen
Paderborn: Bombendrohung am Landgericht
Paderborn: Bombendrohung am Landgericht
Schützenumzug in Marienloh
Schützenumzug in Marienloh
Schützenumzug in Sande
Schützenumzug in Sande
SC Paderborn - Mainz 05 2:2 (1:1)
SC Paderborn - Mainz 05 2:2 (1:1)
Dörenhagen feiert Schützenfest
Dörenhagen feiert Schützenfest


Anzeige
Anzeige
Videos
Anzeige
Anzeige
Lokalsport Kreis Paderborn
Wiebusch zieht’s zu Watzke
Paderborn. Am Sonntag stand Raffaele Wiebusch beim Fußball-Landesligisten Suryoye Paderborn schon nicht mehr am Spielfeldrand. Über den Spielstand... mehr

Silber und Bronze als Balsam für die Seele
Paderborn (FB). Bei Andre Karasch lief es in dieser Sommersaison gar nicht rund. Dem 21-jährigen Zehnkämpfer vom LC Paderborn machten immer wieder... mehr

Hövelhof ärgert Europas Nummer eins
Hövelhof. In der vergangenen Saison hatten die Tischtennis-Damen des TTC eastside Berlin in der Meisterschaft und im Pokal kein einziges Spiel... mehr

Hellwach zu früher Stunde
Caen/Paderborn (hoti/FB). Fabienne Lütkemeier musste gestern schon um 5 Uhr früh raus aus den Federn. Denn bei den Weltmeisterschaften im... mehr

Ein Comeback trägt reichlich Früchte
Paderborn (FB). Im Sommer 2011 hatte Josefina Elsler ihre Spikes eigentlich schon an den Nagel gehängt. Die damals 20-jährige Sprinterin schloss mit... mehr


Anzeige



Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format   NW Logistik