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29.12.2012
Paderborn
Jungbrunnen für den Körper
In einem neuen Karatekurs des SC Grün-Weiß trainieren über 50-Jährige Teilnehmer
VON HANNA IRABI

Fester Ablauf | FOTO: REINHARD ROHLF

Paderborn. Sie ziehen das Knie im 90 Grad-Winkel vor den Körper, dann schnellt der Fuß in einer kraftvollen Bewegung zum Tritt nach vorn: "Mae Geri" nennt sich die Grundtechnik der Fußbewegung im Karate. In ihrer vierten Trainingseinheit lernen die zehn Teilnehmer des Karatekursus für über 50-Jährige wie sie den Fußtritt möglichst schnell und effektiv ausführen.

Die vier Frauen und sieben Männer des Einsteigerlehrgangs sind zwischen 49 und 64 Jahre alt, einige tragen normale Sportkleidung, andere "Karate-Gi", die typische weiße Trainingskleidung. Alle sind barfuß und damit beschäftigt, "Kihon", die Grundschule des Karate kennenzulernen.


"Es geht um ein Bewusstwerden, Kräftigen und Lockern des Körpers", erklärt Trainer Reinhard Schulz-Hagen (63), der seit 20 Jahren Karate macht und nun seinen ersten Kursus anbietet. Das Training ist exakt auf die älteren Teilnehmer zugeschnitten und enthält einen besonders langen Aufwärmungs- und Dehnungsblock. Als erstes trippeln die Karate-Schüler so schnell es geht auf der Stelle, dann folgen Kräftigungsübungen für die Beine, die auf dem Boden liegend ausgeführt werden. Dann joggen die Teilnehmer auf Anweisung von Schulz-Hagen paarweise im Kreis, wobei einer der Partner die Augen geschlossen hält. Anstelle von konzentriertem Stöhnen ist nun vielerorts herzhaftes Lachen zu hören.

Info

Neuer Karate-Kursus im Februar

Der nächste Einsteigerlehrgang "Karate 50 plus" des SC Grün-Weiß Paderborn findet im Februar statt. An zehn Trainingsterminen wird Lehrer Reinhard Schulz-Hagen zwölf Teilnehmer in die Kampfkunst einführen.

Nähere Informationen zur Anmeldung und zu den Terminen unter www.karate-paderborn.de. (hai)

Zeit für die nächsten Grundtechniken: Dazu zählen Bereitschaftsstellungen, Kampfstellungen und Abwehrtechniken. Erst wenn sie in Fleisch und Blut übergegangen sind, macht es Sinn, an Kata (den Scheinkampf) und Kumite (Partnerübungen, die dann zum Kampf entwickelt werden) überzugehen.

Beides soll im Kursverlauf zumindest ansatzweise passieren. Zunächst zeigt Schulz-Hagen den Teilnehmern die verschiedenen Grundtechniken, dann versuchen es alle gemeinsam. "Jetzt das Ganze nochmal langsam und darauf achten, dass die Beinmuskeln angespannt sind", sagt der sportliche Mittsechziger, der selber den schwarzen Gürtel trägt.

Spannung ist extrem wichtig beim Training. "Karate ist ständiges Anspannen und Lockerlassen, das entspannt und führt automatisch dazu, dass du runter fährst", erklärt Schulz-Hagen seinen Schülern. Ein Blick auf die Teilnehmer scheint das zu bestätigen. Gabi Hillmann, 58, strahlt nach dem 90 minütigen Training. Sie fühlt sich "ganz wohlig und sehr wach".

Genau diese Wirkung fasziniert auch Reinhard Schulz-Hagen, der dreimal wöchentlich aktiv ist: "Karate trainiert Körper und Geist gleichermassen, man kann sich besser konzentrieren und das sorgt für mehr Sicherheit", erklärt er. Dass das Erlernen der japanischen Kampfkunst außerdem Spaß macht, ist den Gesichtern der Teilnehmer deutlich anzusehen.



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