Bielefeld. Die Fernsehserie "Raumschiff Enterprise" sei das Beste gewesen, das ihm jemals passierte, sagt William Shatner rückblickend. Ein "Wunder, das mein Leben veränderte". Als die Serie 1966 auf den Sender ging und 1969 nach 79 Folgen wieder eingestellt wurde, sah der Darsteller das noch anders.
"Ich wehrte mich dagegen, dass die drei Jahre als Captain Kirk in einer gefloppten Fernsehserie als das Highlight meiner Karriere in die Geschichte eingehen sollte", schreibt der 78-Jährige in seiner soeben erschienenen Autobiografie.
Doch dann trat er von 2004 bis 2008 als aufgeblasener, exzentrischer Anwalt in "Boston Legal" auf, und endlich bekam er mit einem Golden Globe und dem Emmy die langersehnte Anerkennung für seine Leistung.
Eine Type, der nichts peinlich ist
Nicht, dass der gern dick auftragende Mime je ein zweiter Robert DeNiro gewesen wäre. Shatner freilich hält sich selbst für einen ganz Großen. Tatsächlich punktet er vor allem als schräge Type, der nichts peinlich ist. Seine Furchtlosigkeit trägt bisweilen bizarre Züge wie sein Sprechgesang auf der 1977er-Platte "Transformed Man". Shatner glaubt heute noch, dass er damit seiner Zeit voraus war.
Der Journalist David Fisher hat dem kultigen Kanadier geholfen, sein Leben effektvoll in Szene zu setzen. Das flott formulierte Buch ist unterhaltsam und spannt den Bogen von der Jugend eines jüdischen Kindes, das in einem katholischen Stadtteil Montreals aufwuchs und mit acht in eine Schauspielschule ging, bis zu seinem Bedauern darüber, dass er nicht in dem neuen "Star-Trek"-Kinofilm mitspielen durfte.
Es sind Einblicke in das Leben eines Schauspielers, der nie ein großer Star war. Shatner ist zwar weltberühmt für seine Darstellung des kühnen Raumschiffkapitäns. Aber seine Karriere spiegelt die prekäre Existenz wider, wie sie für die meisten Schauspieler jenseits der hochbezahlten A-Liga normal ist: Sie hangeln sich von Job zu Job, die wenigsten davon glamourös. Das Geld ist immer knapp, die Zukunft ungesichert, die Hypotheken drücken, und die Familie will ernährt werden. "Die Strategie für meine Karriere lautete, fast immer Ja zu sagen", gibt Shatner zu. Der fröhliche Pragmatismus dieses Mannes ist ebenso bemerkenswert wie sein robuster Humor. Shatner scheut sich nicht, Lebenskrisen zu erwähnen, wälzt sie aber nie weinerlich aus.
Shatner ein "hinterhältiger Arsch"?
Lakonisch gibt er zu, dass er vier Mal habe heiraten müssen, um zu lernen, wie man es am besten mache. Seine dritte Frau, eine Alkoholikerin, ertrank im Swimming-Pool - ein Ereignis, das Shatner mit "Spock"-Darsteller Leonard Nimoy zusammenschweißte, der selbst Alkoholiker war. Bei den Dreharbeiten zu "Raumschiff Enterprise" war von Freundschaft noch keine Rede. Shatner war eifersüchtig auf Nimoy, der als Spock der größte Star der Serie wurde. Nimoy wiederum habe ihn für einen "hinterhältigen Arsch" gehalten, verrät Shatner. Auch bei den anderen "Star Trek"-Kollegen sei er unbeliebt gewesen.
Shatner präsentiert sich in seiner Autobiografie als arbeitswütiges, unermüdliches Stehaufmännchen. Er ist gnadenlos selbstbewusst, dabei aber auch selbstironisch. Das ist amüsant, manchmal rührend zu lesen.
Köstlich sind die skurrilen Details, auch wenn sie natürlich kalkuliert platziert sind. So verrät Shatner nicht nur sein Lieblingsrestaurant, sondern empfiehlt auch eine Tankstelle um die Ecke, die die beste Reifenluft hat. "Shatman", wie Fans ihn ehrfürchtig nennen, ist eben speziell.
William Shatner: Durch das Universum bis hierher, 359 S., Schwarzkopf & Schwarzkopf, 19,90 Euro.