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21.08.2009
OERLINGHAUSEN
Wie aus Robert Michel im Netz Rob Vegas wird
Oerlinghausener macht das Internet zu seiner Bühne
VON RALF MISCHER

Lieblingsgetränk Malzbier | FOTO: ANDREAS ZOBE

Bielefeld. Wenn er seinen Computer einschaltet, wird er zum ersten virtuellen Showmaster. Als Rob Vegas unterhält er mit seiner gleichnamigen Show im Internet die Netzgemeinde – und zwar mit großem Erfolg. Den Menschen hinter der kultigen Kunstfigur kennen wenige. Und das, obwohl er ein waschechter Bielefelder ist.

Na gut, er ist fast ein waschechter Bielefelder. Rob Vegas heißt mit bürgerlichem Namen Robert Michel, ist 25 Jahre alt und wohnt in Oerlinghausen. Sein Doppelgänger Rob Vegas ist jedoch in den Weiten des World Wide Web zuhause und tritt dort mit dunkler Weste und weißem Hemd auf.

Heute trägt er jedoch ein kariertes Hemd, saloppe Turnschuhe und sitzt im Bielefelder Café Casa – ohne Laptop. Ein sicheres Zeichen dafür, dass er gerade Robert Michel ist. Er lächelt jovial, bestellt sich ein Frühstück: Rührei, Brötchen, Toast und Malzbier.

Steinmeier und der Iran

Wenn er nicht gerade er selbst ist, ist er Rob Vegas – und manchmal sogar Harald Schmidt. Unter diesen Namen kommentiert der Ostwestfale die Nachrichten der Welt. Und unzählige Internetnutzer schauen zu. In den Videos seiner Show erzählt er seinen Anhängern etwa, dass Frank-Walter Steinmeier mit nur 18 Prozent Zustimmung Kanzler werden wolle. Und kommentiert trocken und lapidar: "Im Iran geht so etwas." Für diese Sprüche lieben ihn seine Fans. Und der Unterhalter weiß ganz genau, was er an ihnen hat. Deshalb können sie auch direkt Kontakt mit ihm aufnehmen. Er kennt keine Berührungsängste.

Großes Kino

Auch dann nicht, wenn es sich um große Namen der Unterhaltungsbranche handelt: Seit 2009 schreibt er unter dem Namen Harald Schmidt beim Internet-Dienst Twitter lustige Kurztexte. "Anfangs haben alle geglaubt, ich sei der echte Schmidt", erinnert er sich. Zahlreiche Zeitungen hatten damals über seine frechen Texte berichtet – sogar die ARD. Im April gab der falsche Schmidt bekannt, dass er eigentlich Robert Michel heißt. "Ich wollte damals testen, was geschieht, wenn ich mich bei Twitter als Harald Schmidt ausgebe", erinnert er sich. Den Altmeister aus dem Fernsehen stört sein virtuelles Double offenbar nicht. "Immerhin beschert es ihm kostenlose PR", argumentiert der junge Mann aus Oerlinghausen.

Begonnen hatte die ungewöhnliche Karriere des Netzunterhalters damit, dass er regelmäßig kurze Videos im Internet einstellte. Schnell schauten 100.000 Netznutzer zu. Mittlerweile kann es schon vorkommen, dass Robert Michels in Bielefeld als Rob Vegas erkannt wird: "Einmal stand ich in einer Schlange vor einem Parkautomaten", sagt er. Plötzlich fragte ihn jemand, ob er nicht "der aus dem Internet" sei. Heute weiß Michels ganz genau, wie er auf der medialen Klaviatur spielen muss.

FAZ fällt auf Oerlinghausener herein

Ende Juni veranstaltete er etwa eine Pressekonferenz bei Twitter – als Harald Schmidt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hielt den falschen noch immer für den echten Schmidt – und berichtete ausführlich. FAZ-Autor Michael Hanfeld schrieb in seinem Artikel, Schmidt habe kaum Neuigkeiten verbreitet, "sondern plauderte mit seinen Fans und verteilte ein paar Unartigkeiten."Aufmerksamkeit erheischte Vegas auch mit dem "Zensi Zensa Zensursula-Song" gegen Netz-Zensur. Sein Musikvideo wurde 500.000 Mal aufgerufen. Für Internetvideos eine bemerkenswert hohe Zahl.

Link zum Thema
Rob Vegas im Netz

www.robvegas.de
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Manchmal hinterlässt das echte Leben als Robert auch Spuren in seiner virtuellen Rob-Welt: "Als ich während der Twitter-Pressekonferenz als Harald Schmidt schrieb, dass ich in die Kantine gehe, um dort einen Pflaumenkuchen zu essen, hatte ich in Wirklichkeit eine Pizza im Ofen. Die war kurz vorm Verbrennen." Deshalb musste er sein Leben als Internet-Schmidt für 23 Minuten unterbrechen – und die Pizza aus dem Ofen holen und verzehren. Auch virtuelle Showmaster haben manchmal sehr handfeste Bedürfnisse.

5.000 Euro in Las Vegas verzockt

Er war gerade 21 Jahre alt geworden und hatte all sein Geld gespart. Er liebte Black-Jack. Das erste Spiel war sogar auch noch recht erfolgreich – immerhin gewann Robert Michels 145 Dollar. Doch dann entwickelte sich seine Reise nach Las-Vegas mehr und zum finanziellen Desaster. Am Ende hatte der junge Mann aus Ostwestfalen 5.000 Euro verzockt – relativ untypisch für einen Lipper. Bei seinen Kumpels hatte er gleich seinen Spitznamen weg: Rob Vegas. So nennt er sich auch heute noch, wenn er sich wöchentlich in Oerlinghausen vor seine Kamera setzt – und den Geist des großen Showbusiness vom Strip ins Internet holt.



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