Essen. Die Idee hatte Steven Sloane. Der amerikanische Chefdirigent der Bochumer Symphoniker regte als künstlerischer Direktor der Kulturhauptstadt Ruhr an, Hans Werner Henze 2010 einen besonderen Schwerpunkt zu widmen.
"Das passte perfekt in unsere Überlegungen", sagt "Ruhr.2010"-Geschäftsführer Fritz Pleitgen. Nicht nur, weil der 83-jährige Henze der bedeutendste deutsche Komponist der Gegenwart sei. Sein opulentes Werk biete der Metropole Ruhr auch die Chance, "ihr gesamtes Potenzial auszuspielen". Und Sloane geht es mit der "umfangreichsten Werkschau, die je einem lebenden Komponisten gewidmet wurde", auch um eine entscheidende Frage der Zukunft: "Wie können Musik und Tanz die Trennlinien der Städte in dieser Region überwinden?"
Dass der 1926 in Gütersloh geborene Henze in der Rückbesinnung auf die Tradition "eine Brücke in die Moderne gebaut hat", wie die Dortmunder Operndirektorin Christine Mielitz sagt, kommt dem ehrgeizigen Kooperationsprojekt entgegen. Henze selbst schätzt das Ruhrgebiet als "Region, in der hart gearbeitet wird", wie er gestern sagte. Sein Großvater war Bergmann.
Nicht nur die Festivals der Region, die Ruhrtriennale, das Klavierfestival Ruhr, die Wittener Tage für neue Kammermusik und die Tage Alter Musik in Herne, sind beteiligt. Alle Opernhäuser, die Sinfonieorchester und die Ballett-Truppen zählen zu den 40 Partnern. 200 Veranstaltungen bieten sie von Januar bis Dezember an. Damit stellen sie Henzes in allen wichtigen Musikgattungen bedeutendes Schaffen nicht allumfassend vor, sondern in exemplarischen Ausschnitten. Den Vorwurf der Gigantomanie lässt der Komponist schon wegen der Vielzahl der beteiligten Städte nicht gelten. Höhepunkt ist die Aufführung einer von Henze eigens für das Projekt komponierten Revier-Oper. Die Handlung ist zwischen Oberhausen und Neapel angesiedelt. Titel: "gisela oder: die merk- und denkwürdigen wege des glücks". "Die Musik soll spielbar sein und Interpreten und Hörern Spaß machen", sagt Henze.
Starregisseur Pierre Audi bringt das Auftragswerk der Kulturhauptstadt Ruhr und der Dresdner Semperoper am 25.
September 2010 bei der Ruhrtriennale in der alten Maschinenhalle Gladbeck-Zweckel mit jugendlichen Akteuren und Musikstudenten heraus.
Kinder und junge Leute bezieht das "Henze-Projekt" stark ein. Es startet am 9. Januar mit der Internetoper "Die Affäre Manon".
Alle 200 Veranstaltungen werden im Internet unter www.ruhr2010.de/henze-projekt vorgestellt. Karten: Tel. (01805) 15 20 10. Ein 130 Seiten starkes Buch stellt das "Henze-Projekt" umfassend vor.