Festspiele beleben das Kulturhauptstadt-Programm mit Stars und Uraufführungen in Serie
Recklinghausen. Einen "starken Auftritt" im Programm der Kulturhauptstadt Ruhr bescheinigt Ruhr.2010-Geschäftsführer Fritz Pleitgen den Ruhrfestspielen. Und tatsächlich herrscht an Stars und sehenswerten Produktionen kein Mangel. Auch wenn sich Intendant Frank Hoffmann mit dem "Kontinent Kleist im romantischen Meer" als Schwerpunkt diesmal nicht so sehr im Glanz von Hollywood-Größen sonnen kann wie in vergangenen Jahren.
Wohl noch nie gab es eine solch geballte Werkschau des in Deutschland nicht gerade populären, im französischsprachigen Raum jedoch häufiger als Schiller gespielten Dichters Heinrich von Kleist. Hoffmann schätzt ihn als "romantischen Dramatiker". Bis auf die "Familie Schroffenstein" bietet er das komplette dramatische Werk.
Das Hamburger Schauspielhaus, den Ruhrfestspielen von Beginn an verbunden und diesmal mit fünf Produktionen zu Gast, eröffnen das Bühnenprogramm am 3. Mai mit dem Fragment "Robert Guiskard". "Wir fangen nicht mit einer Main-Stream-Produktion an", sagt Hoffmann, der selbst Regie führt. Schauspieler wie Thomas Thieme, Mathieu Carrière und Wolfram Koch garantieren hinreichend Resonanz.
Das "Käthchen von Heilbronn" ist als szenische Lesung angekündigt. Jan Bosse widmet sich in Gastspielen des Berliner Maxim Gorki Theaters beiden Komödien, dem "Zerbrochenen Krug" mit Edgar Selge und Franziska Walser wie "Amphitryon". Das Deutsche Theater Berlin gastiert mit Andreas Kriegenburgs in Blutrot getauchtem "Prinz Friedrich von Homburg". Roger Vontobel bringt "Penthesilea" heraus, und der Tscheche Dusan David Parizel analysiert mit der "Hermannsschlacht" das Verhängnis der Großmachtpolitik. Kevin Rittberger wagt sich mit dem Schauspiel Frankfurt an eine Dramatisierung der Novelle "Die Marquise von O." Kleist-Kenner Mathieu Carrière liest in Schloss Herten aus seinem Essay "Für eine Literatur des Krieges, Kleist". Kleists Freitod am Wannsee hält Carrière für eine Flucht des manisch-depressiv veranlagten Autors vor drohender psychotischer Umnachtung. In der Kunsthalle Recklinghausen inszeniert des Kleist-Museum aus Frankfurt an der Oder "Das unsichtbare Theater des Herrn von Kleist" mit biografischem Abriss, Kleist-Illustrationen und einer Aufführungsgeschichte der "Hermannsschlacht".
Oscar-Preisträger Sam Mendes knüpft an das Bridge-Projekt des letzten Jahres mit Shkespeares "Sturm" an. Ein Durchschnittsalter von 71 erreichen deutsche Bühnenstars wie Markus Boysen, Hans Diehl, Peter Fitz, Nicole Heesters, Jutta Lampe und Ilse Ritter in Shakespeares "Was ihr wollt" in einer Inszenierung, die Armin Holz in Koproduktion mit Hoffmanns Théâtre National du Luxembourg erarbeitet. Hollywood-Glanz fällt mit John Malkovich auf die Festspiele. Fünf Mal steht der Charakterdarsteller als Prostituierten-Killer Jack Unterweger in "The Infernal Comedy" im Ruhrfestspielhaus auf der Bühne. Luc Bondy stellt als deutsche Erstaufführung David Harrowers "Sweet Nothings" nach Schnitzlers "Liebelei" vor.
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