Ausstellung der Diplom-und Masterarbeiten des Fachbereichs Gestaltung der FH Bielefeld
Bielefeld. Fernöstliche Musik klingt leise durch den Raum, warmes Licht beleuchtet die Fotografien und Collagen. Inmitten des sonst eher kahlen Zimmers führt ein mit Steinchen und Blättern verzierter Weg zu einer Holzbank. Die Szenerie hat etwas Märchenhaftes, Verträumtes. Die passende Umgebung für Mustafa Celikkavas Kreation "Ilham", die er wie rund 40 andere Studierende des Fachbereichs Gestaltung der Fachhochschule Bielefeld in der Gesamtausstellung der Diplom- und Masterarbeiten präsentiert.
Zum Teil jahrelang arbeiteten die Studierenden an ihren Abschlusswerken. Sie fotografierten, drehten Filme, fertigten Collagen an oder erstellten Grafiken. Nun stellen sie ihre Arbeiten in der FH der Öffentlichkeit vor. Der Besucher blickt auf eine beeindruckende künstlerische Vielfalt. In dem einen Moment läuft man noch durch die kahlen FH-Gänge und im nächsten eröffnet sich nach Betreten der Tür eine neue Welt.
Die Koreanerin Young-Lan Kang fertigte farbenfrohe Linolschnitte an. Zahlreiche Einzelkompositionen hat die Künstlerin auf Leinen oder Papier zu einer Gesamtkomposition verknüpft. "Eine faszinierende Arbeit. Man sieht den Kompositionen deutlich Young-Lan Kangs fernöstliche Sicht an", schwärmt Professor Jochen Geilen.
Ein breites Spektrum abgebildet
Die Arbeit strahlt Fröhlichkeit und Zuversicht aus. Doch dieses Gefühl verschwindet schlagartig beim Betreten des Raums von Daniel Schumann. Der 28-Jährige porträtierte in seiner Arbeit Familien mit schwerkranken Kindern. "Mich interessierte, wie Menschen mit der Endlichkeit des Lebens umgehen", sagt er. Schumann kam ganz nah an die Familien heran, fotografierte sie in ihrer häuslichen Umgebung, bildete Resignation, Verzweiflung und auch Freude ab.
Die Bilder berühren, ein dicker Kloß steckt dem Betrachter im Hals. Doch der Student wollte nicht nur die Verzweiflung abbilden: "Viele Familien wachsen durch solch einen Schicksalsschlag noch enger zusammen und erleben auch Momente der Freude." Er selbst versuchte seiner Arbeit mit Distanz zu begegnen. Doch gelingt das bei der Begleitung sterbenskranker Kinder nicht immer. "Die Schicksale haben mich natürlich sehr bewegt, da ist auch mal die eine oder andere Träne geflossen", sagt der Absolvent.
Neben zahlreichen Fotografien sind auch Filme entstanden. Joscha Beckmann kreierte einen 3-D-Kurzfilm zur Vergänglichkeit. Rauch und Wasser symbolisieren in einer einzigartigen Ästhetik die ständige Veränderung im Leben. Durch persönliche Begegnungen mit der Krankheit ALS (Erkrankung des motorischen Nervensystems) beschäftigte sich der Künstler mit der Endlichkeit der Existenz.
Kunst nicht nur der Kunst willen
Die Arbeiten der Absolventen regen zum Nachdenken an, berühren und entführen in ferne, farbenfrohe Welten. Doch auch wenn die Kunst im Vordergrund steht, ist es das erklärte Ziel der Studenten, mit ihren Fähigkeiten Geld zu verdienen. Viele Aussteller haben bereits Kontakte zu Verlagen geknüpft oder sich über weitere Berufsperspektiven informiert. Cornelia Schade steht mit ihrem Ratgeber "Ich packe meinen Koffer und nehme mit . . . – Webdesign für Anfänger" schon in Verhandlungen mit einem Verlag.
Dekan Martin Renner ist stolz auf die Leistungen seiner Absolventen. Er erklärt, dass gerade in Zeiten der Krise Kreativität gefragt sei: "Auch die Fantasie hat Macht und kann überwinden, was andernorts die Gedanken stocken lässt."
Die Ausstellung wird heute um 18 Uhr in der FH Bielefeld, Lampingstraße 3, eröffnet. Die Arbeiten sind noch am Samstag, 6. Februar, von 11 bis 18 Uhr, sowie am Sonntag, 7. Februar, von 11 bis 17 Uhr zu sehen.