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12.03.2010
Songschreiber, Sänger und Gitarrist: Ron Diva hat Mut zum Gefühl
Multitalent stammt aus Bad Salzuflen
VON THOMAS KLINGEBIEL

Karrieresprung | FOTO: INDRA OHLEMUTZ

Bielefeld. Aus Bad Salzuflen? Das hat in der deutschen Popmusik einen hervorragenden Klang. Bernd Begemann, "Die Sterne", Bernadette La Hengst, Jochen Distelmeyer – sie alle unternahmen in dem lippischen Kurort ihre ersten Karriereschritte. Ron Diva ist sich des Mythos um die ostwestfälische Keimzelle der sogenannten Hamburger Schule natürlich bewusst, auch wenn er inzwischen in Bielefeld wohnt.

Es spricht einiges dafür, dass dem 33-Jährigen Sänger und Songschreiber, der seit seinem zwölften Lebensjahr in Bad Salzuflen lebte, ebenfalls der Sprung in die deutsche Pop-Bundesliga gelingen könnte. Seit seinem Duett mit Ina Müller in deren ARD-Sendung "Inas Nacht" verkaufte sich Ron Divas gerade erschienene Debüt-CD in Windeseile. "Die erste Auflage ist schon weg. Wir mussten nachpressen lassen", sagt er. Man hört Stolz, aber auch ein bisschen Unglauben aus der Antwort heraus. "Damit hatten wir niemals gerechnet", sagt der bedächtig wirkende Singer/Songwriter.

26.000 Mal wurde das "Inas Nacht"-Video, in dem Gast Peter Maffay zaghaft zu Divas Song "Sonnenschein" mitwippt, innerhalb eines Monats auf "Youtube" angeklickt. "Das ist richtig abgegangen", sagt Ron erfreut. Aber ihm ist auch klar, dass es nicht gleich in diesem Tempo weitergehen kann. "Ich will das mit meinen Leuten behutsam aufbauen", sagt er. Wäre es nicht einfacher, wie Distelmeyer und die anderen nach Hamburg zu gehen? "Erstmal nicht."

Haupteinfluss: Papas Plattensammlung

Ron Divas Talent hat sich auch bisher in aller Ruhe entwickelt. Musik hat er schon als Kind gemacht. Er wächst in Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern auf, lernt zunächst Schlagzeug. 1989, noch vor dem Mauerfall, wird der Ausreiseantrag der Eltern bewilligt und die Familie zieht zu Verwandten nach Ostwestfalen.

Ron bringt sich selbst das Gitarrespielen bei, musiziert mit der jüngeren Schwester – sie Gesang, er Gitarre. Haupteinfluss: Papas Plattensammlung, Rolling Stones, Neil Young und Udo Lindenberg. "Auch ,Selig’ war damals ganz wichtig für uns", erinnert er sich.

Ron absolviert eine Lehre als Speditionskaufmann, schreibt nach Feierabend die ersten eigenen Songs und spielt in Bands, die "Sportclub" und "Diva" heißen. Die "Diva"-Mitglieder zerstreuen sich irgendwann in alle Winde. Der bodenständige Ron, mit bürgerlichem Namen Ronny Kummernuß, bleibt in Bad Salzuflen, macht solo weiter und übernimmt den Bandnamen als Künstlernamen.

Alles auf die Musikkarriere zu setzen, traut er sich nicht. Aber wollen würde er schon gern. In einer mehrmonatigen Auszeit nach der Lehre ("Speditionskaufmann, das war es einfach nicht") wird er sich darüber klar, "dass es ohne Musik nicht geht". Er nimmt einen Job bei einem Bielefelder Kartenverkauf-Service an ("Da war ich vorher Stammkunde"), und kann seitdem musikalische Ambitionen und Broterwerb flexibel miteinander vereinbaren.

Ron Divas romantischer Folkpop kombiniert britische Pop-Melodik mit deutscher Sprache. Er beweist Mut zum Gefühl, trägt aber nie dick auf. Auf zahllose Demo-Tapes, die er verschickt und verteilt, erhält er ermutigendes Feedback von etablierten Größen wie Bernd Begemann, wird von Gisbert zu Knyphausen als Tour-Support eingeladen. Aber zum Wagnis der Debüt-CD muss er lange genötigt werden. Knyphausen-Bassist Gunnar Ennen, erzählt er, sei die treibende Kraft gewesen und habe sich im Studio als einfallsreicher musikalischer Direktor und Produzent erwiesen.

Ron war es gewohnt, seine Lieder allein zur Gitarre vorzutragen, sei es als Support von Rockbands oder in Cafés, Kneipen, Clubs. "Die Lieder jetzt in Bandbesetzung zu spielen und zu hören, was da noch drinsteckt, ist toll. Das ist mir auch von ,Inas Nacht’ am eindringlichsten in Erinnerung geblieben: Der Moment, als die Band einsteigt und Ina Müller anfängt, meinen Song mitzusingen."

Ron Diva spielt mit seiner Band am 11. April in Bielefeld (Bunker Ulmenwall).www.rondiva.de



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