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12.03.2010
Bomann-Museum Celle zeigt Bilderbücher aus über 100 Jahren
Bis 25. April sind mehr als 300 Bücher zu sehen
VON JOACHIM GÖRES

Brutale Mahnung | FOTO: BOMANN MUSEUM

Celle. "Nun nehmt die Büchse in die Hand/steckt Eichlaub an den Helm/Der Kaiser ruft fürs Vaterland/Da drückt sich nur ein Schelm". Als das Bilderbuch "Vater ist im Krieg" 1915 mit diesem und vielen anderen Gedichten herauskam, da mögen viele Kinder den Sinn der Wörter vielleicht nicht verstanden haben, die ihnen von ihren Müttern vorgelesen wurden.

Bilderbücher sind für kleine Kinder gedacht, die meist noch nicht lesen können – und sie sind ein Spiegel der Zeit, in der sie erschienen sind. Das unterstreicht die Ausstellung "Von Elfen, Wichteln und dem schwarzen Mann" im Celler Bomann-Museum, das mehr als 300 Bilderbücher aus über 100 Jahren präsentiert. "Man vermittelt auch immer Werte mit Bilderbüchern. Das zeigt sich gut beim Thema Weihnachten. Es gibt seit den 60er Jahren zwei entgegengesetzte Trends: In denen einen spielt die biblische Geschichte eine zentrale Rolle, in den anderen wird das religiöse Fest vor allem mit Geschäftemacherei in Verbindung gebracht", sagt Gudrun von der Hardt.

Die in Celle gezeigten Bilderbücher stammen fast alle aus ihrer rund 1.000 Objekte umfassenden Sammlung. Dazu zählen auch illustrierte Abenteuer-, Tier- und Märchenbücher. Da sind zehn verschiedene Fassungen von Rotkäppchen in der Ausstellung zu betrachten, mal schwarz-weiß, mal in kräftigen Farben, mal abstrakt. Rotkäppchen züchtig mit Kopftuch, als Detektiv oder nackt im Bett neben dem Wolf.

Zwischen Pädagogik und Alltag

Kinder, die nicht nur die Bände hinter Glas oder die großformatigen Wandmalereien mit Bilderbuchmotiven bestaunen wollen, können in den zahlreichen Sitzecken in Ruhe in alten und neuen Bilderbüchern schmökern.

Ein Rundgang durch die 600 Quadratmeter große Ausstellungsfläche ist auch eine Reise durch die Veränderungen der Nachkriegszeit. In den 50ern dominieren in den Bilderbüchern kräftige Farben, der Inhalt der Geschichten ist optimistisch und vorwärtsgerichtet. 1967 wird "Wo die wilden Kerle wohnen" von Maurice Sendak zum Vorbild für viele deutsche Autoren und Zeichner. Es geht nicht mehr um Unterordnung, sondern um die Förderung der Kreativität der Kinder.

Die großen Bilder der 70er, die unter dem wachsenden Einfluss des Fernsehens entstehen, werden in den 80er Jahren durch kleine Zeichnungen im Comic-Stil ergänzt, zunehmend spielen fantastische Geschichten eine Rolle. Seit den 90ern finden sich Themen wie Patchwork-Familien und Außenseiter im Bilderbuch. Armut, Fremdenfeindlichkeit und Kindesmissbrauch bleiben bis heute weitgehend tabu.

"In Deutschland hatten Bilderbücher lange eine pädagogische Absicht, das lässt langsam nach", sagt Jens Thiele, ehemaliger Direktor der Forschungsstelle Kinder- und Jugendliteratur an der Uni Oldenburg. Er sieht in heutigen Bilderbüchern eine Tendenz hin zum Alltag der Kinder.

Bis 25. April, Bomann-Museum Celle, Schloßplatz 7, Telefon:
(0 51 41) 1 23 72, Di.-So. 10-17 Uhr.
www.bomann-museum.de



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