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18.03.2010
Die Schauspielerin Felicitas Woll sucht nach neuen Herausforderungen
Starker Star
VON TILMANN P. GANGLOFF

Standfest | FOTO: DPA

Berlin. Angesichts der diversen Casting-Shows werden Traumkarrieren immer seltener, aber es gibt sie noch: Man wird von einem Schauspielagenten angesprochen, bekommt eine kleine Rolle in einer Serie und ist wenige Jahre später ein Star. Felicitas Woll ist es so ergangen.

Eigentlich wollte sie Krankenschwester werden. Dann wurde sie entdeckt, spielte eine Weile in der Comedy-Serie "Die Camper" (RTL) mit und erlebte schließlich einen umjubelten Durchbruch: Die Rolle der Lolle in der ARD-Vorabendserie "Berlin, Berlin" machte sie praktisch über Nacht bekannt.

Aber was macht man als Schauspielerin danach? Als "Berlin, Berlin" im Jahr 2005 endete, war Felicitas Woll 25 Jahre alt. Sie hatte bereits erreicht, wovon andere eine ganze Karriere lang träumen: tolle Quoten, prächtige Kritiken und diverse Preise. "Ich konnte das lange nicht richtig begreifen, weil es auch alles so schnell gegangen ist", sagt die gebürtige Hessin heute: "Ich musste das erst mal alles verkraften. Je älter man wird, desto mehr denkt man natürlich über solche Dinge auch nach. Mit Anfang zwanzig, wenn alles passt und man gefragt ist, dann kann es richtig rummsen, aber dann kommt auch wieder eine Zeit, in der es ein bisschen ruhiger wird. Dann muss man wissen, wo man steht, was man will – und was nicht."
Was sie nicht wollte, war klar: genauso weitermachen; weder mit einer Komödienrolle noch mit einem derartigen Pensum. ",Berlin, Berlin’ war eine tolle, aber auch eine unheimlich anstrengende Erfahrung, mit Drehtagen, die manchmal bis zu zwanzig Stunden dauerten. Danach wollte ich unbedingt auch mal eine ernste Rolle spielen."

Dass sie dieses Vorhaben allerdings so konsequent umsetzen konnte, ist angesichts des oft einfallslosen Schubladendenkens der TV-Branche ein weiteres kleines Wunder in der Karriere von Felicitas Woll: Erfolgsproduzent Nico Hofmann ("Die Sturmflut", "Vulkan", "Die Grenze") wollte sie unbedingt als weibliche Hauptdarstellerin für das Kriegsdrama "Dresden" (ZDF).

"Es war mein großes Glück", erinnert sich Woll, "dass Nico Hofmann mir diese Rolle zugetraut hat." Trotzdem war es "ein kleiner Schock", als sie sie tatsächlich bekam: "Plötzlich war ich mir gar nicht mehr so sicher, ob ich die Herausforderung auch bewältigen könnte." Aber nun zeigte sich, dass "Berlin, Berlin" eine ausgezeichnete Schule gewesen ist: "Perfektes Timing ist oft eine Frage von Nuancen, die darüber entscheiden, ob eine Szene funktioniert oder nicht. Komödie erfordert unheimlich viel Konzentration, Kraft, Geduld und Fleiß. Eine Szene, in der man einfach nur weinen muss, ist manchmal leichter."

Learning by doing

Hinzu kommt ja: Felicitas Woll hat sich ihren Beruf durch "Learning by doing" (Lernen durch Handeln) angeeignet. "Deshalb ist es für mich immer auch ganz wichtig, wer mit mir vor der Kamera steht und wer Regie führt. Gerade für eine ungelernte Schauspielerin ist es entscheidend, vollstes Vertrauen zu haben und sich fallen lassen zu können." Geholfen hat ihr auch die Musik, Woll spielt unter anderem Klavier und Gitarre: "Wenn man musikalisch ist, fällt es einem leichter, Komödien zu spielen. Die beste Ausbildung hilft gar nichts, wenn einem das Gespür für Rhythmus fehlt."Und noch etwas sei ganz wichtig: Abstand gewinnen. Nach "Dresden" (Zwölf Millionen Zuschauer!) nahm sich Woll eine Auszeit und brachte im Jahr 2006 eine Tochter zur Welt. "Das war für mich eine ganz bewusste Entscheidung. Ich wollte schon nach ‚Berlin, Berlin’ eine Pause machen, meinen Rucksack packen und einfach abhauen. Nach ‚Dresden’ war dann genau der richtige Zeitpunkt." Gerade bei Filmen, die den Hauptdarstellern nicht nur körperlich, sondern auch emotional alles abverlangen, schüttelt man die Strapazen nicht einfach ab; erst recht, wenn man das Handwerk nicht gelernt hat.

"Ich gebe gern Gefühle, das macht für mich den Reiz dieses Berufs aus", sagt Woll, räumt aber auch ein: "Danach empfinde ich allerdings eine gewisse Leere und brauche etwas Zeit und Abstand, um mich wieder aufzuladen. Ich sehe ja bei anderen, wohin das führen kann, wenn man sich diese Zeit nicht nimmt, sondern immer weiter macht. Man ist dann schnell ausgebrannt, man ist versucht, diese Leere mit Alkohol zu füllen, es drohen Einsamkeit und Depressionen."

Es fehlt am Mut zum Risiko

Nicht nur wegen der Auszeit hat sich Felicitas Woll nach "Dresden" rar gemacht. Mit dreißig hat sie andere Ansprüche als zu Beginn ihrer Laufbahn: "Ich will auf keinen Fall wie ein Landregen vor mich hin tröpfeln. Ich suche nach Herausforderungen, ich will mich neu entdecken. Aber die meisten Drehbücher, die ich bekomme, sind etwas kraftlos. Meistens weiß man nach drei Seiten, wie sich die Geschichte entwickelt, und die Kritiken sieht man auch schon vor sich. Da vergeht einem gleich die Lust weiterzulesen. Bevor ich immer wieder das selbe spiele, gehe ich lieber kellnern. Es ist ein echter Glücksfall, wenn mal eine Rolle dabei ist, in der ich mich ausprobieren und richtig austoben kann. Ich habe manchmal den Eindruck, es fehlt an Fantasie; oder am Mut zum Risiko."

Von fünf Drehbüchern, die sie bekommt, sei bloß eins akzeptabel.
Was kann man da machen? "Ich habe mir schon überlegt, bei bestimmten Produzenten und Regisseuren einfach mal anzuklopfen und zu sagen: ‚Hallo, ich bin Felicitas Woll, ich würde sehr gern mal mit Ihnen arbeiten!’"


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