Detmold. Metaphysisches wurde nur sparsam serviert bei der Premiere von Goethes "Urfaust" am Detmolder Landestheater. Dafür gab’s umso mehr Situationskomik in der mit viel Beifall bedachten Inszenierung von Regisseur Oliver Haffner.
Zu sehen ist keineswegs das zitierte "verfluchte dumpfe Mauerloch", sondern eine Innenraum-Baustelle, in der bereits das spätere, lichtdurchflutete Atelier zu erkennen ist.
Zu sehen ist keineswegs das zitierte "verfluchte dumpfe Mauerloch", sondern eine Innenraum-Baustelle, in der bereits das spätere, lichtdurchflutete Atelier zu erkennen ist.
Petra Mollérus versinnbildlicht mit ihrer Bühnengestaltung die Anfänge der "Faust"-Dichtung, die den späteren Minister und Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe über Jahrzehnte hinweg beschäftigen sollte. Die Maler Valentin und Frosch (überaus witzig: Philipp Weggler und Jan Felski) werkeln zum Geplärre eines Radios.
Besitzer der unfertigen Studierstube ist ein frustrierter Professor namens Heinrich Faust. Seine Abenteuer in der Welt unverbildeter Menschen benötigen weder Zaubertrank noch Verjüngung. Bei aller emotionalen Anteilnahme verharrt der Wissenschaftler immer in der Grundhaltung eines um sich selbst kreisenden Charakters.
Konsequent spaltet sich sein egoistisches Alter Ego in Gestalt des Mephistopheles ab. Markus Hottgenroth und Alexander Frank Zieglarski bilden damit ein perfektes untrennbar verbundenes Duo.
Es mangelt im "Urfaust" keineswegs an Situationskomik. So erlaubt sich der wissbegierige Studiosus (Daniel F. Kamen) auch mal ein Späßchen mit Goethes hessisch gefärbten Reimen. Und in der berühmten Gartenszene kann Marthe (Katharina Solzbacher) ihre Freude über den ihr berichteten Tod ihres Mannes kaum verbergen.
Niemals aber gibt es heftige Ausbrüche - auch dann nicht, wenn das Spiel sich jäh zur Tragödie wandelt. Hier gestaltet Philipp Weggler als Valentin, der aus Verzweiflung über die Schande seiner Schwester Hand an sich legt, eine kurze Szene von hoher Intensität. Nachbarn wandeln sich für die Kindsmörderin zu mahnenden Geistern, bis am Ende Erkenntnis über den Wahnsinn siegt. Ein starker Abend, der einmal nicht den "Olympier", sondern einen jungen, ungebärdigen und äußerst experimentierfreudigen Dichter zeigt.
- Weitere Vorstellungen: 14., 15. und 22. Mai. Infos: www.landestheater-detmold.de





