Bielefeld (ram). Wer die Publikationsliste von Hans Joas ausdruckt, sollte viel Papier im Drucker haben. Ist der 51-Jährige, der als einer der profiliertesten deutschen Soziologen und Sozialphilosophen mit großer internationaler Ausstrahlung gilt, doch auch ein immens fleißiger Autor. Für seine Arbeiten ehrt ihn die Stiftung der Sparkasse Bielefeld im Gedenken an den Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann mit dem Bielefelder Wissenschaftspreis. Preisgeld: 25.000 Euro.
"Mit Hans Joas erhält erneut ein international außerordentlich renommierter Denker den Bielefelder Wissenschaftspreis, ein Intellektueller, der auch immer wieder weit über die Wissenschaft hinaus wichtige Impulse für aktuelle gesamtgesellschaftliche Diskussionen gibt", betonte der Rektor der Universität Bielefeld Gerhard Sagerer, der der Jury vorstand, die den Preisträger auswählte. Joas’ ist Leiter des Max-Weber-Kollegs für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien an der Universität Erfurt sowie Professor an der University of Chicago.
Im Gespräch mit der Neuen Westfälischen sagte Joas: "Ich freue mich über die Verleihung, obwohl ich ja nicht der Luhmannschen Denkrichtung angehöre." Besonders ehre es ihn, dass er nun in einer Reihe mit international sehr anerkannten Wissenschaftlern stehe, die den Preis bereits erhalten haben. Bisherige Preisträger waren die Soziologen Renate Mayntz und Fritz W. Scharpf (2004), der Rechtsphilosoph Ronald Dworkin (2006) und der Historiker Quentin Skinner (2008).
Joas Forschungsinteressen richten sich vor allem auf die soziale Dimension der Werte, insbesondere die Erklärung ihrer Entstehung und ihres Wandels. Er leistete wesentliche Beiträge zur Religionssoziologie, zur Wechselwirkung zwischen Werteentstehung und Gewaltgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert und damit auch zu einer Soziologie des Krieges. Seine Hauptwerke, wie "Die Kreativität des Handelns" (1992) , "Die Entstehung der Werte" (1997), "Kriege und Werte" (2000) sowie "Braucht der Mensch Religion?" und "Kriegsverdrängung. Ein Problem in der Geschichte der Sozialtheorie" (2008) wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Derzeit arbeitet Joas an einem Buch zur Geschichte der Menschenrechte.
Der Preis wird am 19. November verliehen.