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31.08.2010
"Wir kennen uns doch"
INTERVIEW: Sibel Kekilli und Axel Milberg über die neue Kieler Tatort-Kommissarin

Borowskis Neue | FOTO: NDR

Hamburg. Sieben Jahre und 14 Episoden arbeitete Maren Eggert als Kriminalpsychologin Frieda Jung an der Seite des Kieler Tatort-Kommissars Klaus Borowski, dargestellt von Axel Milberg. Es knisterte und knallte – dann verschwand sie spurlos. Die Lücke soll nun Sibel Kekilli als Kommissarin Sarah Brandt füllen. Im Gespräch mit Alina Reichardt verriet Sibel Kekilli, warum sie gerne Deutsche spielt, und Axel Milberg, warum er nie nach seinem Migrationshintergrund gefragt wird.

Frau Kekilli, hätten Sie je gedacht, dass Sie mal bei der Polizei landen?
SIBEL KEKILLI: Kurz und bündig: Nein.

Waren Sie vorher überhaupt schon mal in Kiel?
KEKILLI: Nein, aber es gefällt mir hier.

Bei Ihrem ersten Tatort-Auftritt, der am 24. Oktober ausgestrahlt wird, ist Ihre Rolle noch nicht klar definiert. Welche Rolle spielen Sie in Zukunft?
AXEL MILBERG: Sarah Brandt bewirbt sich als Beamtin bei der Polizei und zwar, weil sie einen Narren an mir gefressen hat (lacht). Im Ernst, sie hat weder ein kriminelles Vorleben, noch ist sie in Borowski verliebt, ihre Bewerbung ist ein Zufall. Unsere erste Begegnung verläuft nach dem Schema: "Wir kennen uns doch."

Wird Ihre Beziehung ähnlich verlaufen wie die mit Frieda Jung?
MILBERG: Es gibt keine Fortführung des betont Flirtiven.

Sarah Brandt repariert Autos und Computer, duzt lieber als zu siezen, liebt Bio-Kost und vegetarisches Essen, gönnt sich aber auch einmal im Monat ein Steak. Wie ist sie als Kommissarin?
KEKILLI: Sie ist zupackend, taff und intelligent. Ihre Arbeitsmethoden sind manchmal vielleicht unkonventionell, aber sie hält sich an die Regeln.
MILBERG: Man kann so einen Charakter ja auch nicht völlig festnageln. Borowski gilt auch immer noch als Stinkstiefel, obwohl er sich dank Frieda Jung verändert hat und etwas freundlicher geworden ist.

Da hat Frieda Jung wahrlich Wunder vollbracht. Was steht eigentlich in dem Brief, den Borowski in der Oktober-Episode von ihr erhält?
MILBERG: Wahrscheinlich das Gleiche wie auf dem Zettel, den Oliver Kahn Jens Lehmann bei der WM 2006 zugesteckt hat. Sprich: Man weiß es nicht. Frieda Jung war immer ein verschwommener, ungefährer Charakter und das soll sie bis zum Schluss bleiben. Borowski weiß nicht, wo sie ist. Der Abschied verläuft subtil, indem er drei Mal in einer Episode ihr verlassenes Büro betritt und immer weniger, zum Schluss gar keine Möbel mehr darin stehen.

Stimmt es, dass Sie selbst Ihre Kollegin Kekilli als Nachfolge für Maren Eggert vorgeschlagen haben?
MILBERG: Das stimmt. Nach monatelanger Verabredung sind wir uns zufällig begegnet. Ich habe da gerade in einem kleinen Ort, 20 Kilometer von der russischen Grenze entfernt, gedreht und eine Kollegin hat Sibel dort im Supermarkt getroffen. Ich fand sie toll und habe dem NDR den Vorschlag gemacht, sie zu besetzen. Die Rolle lag praktisch für sie bereit.

Frau Kekilli, bei der Verleihung des 60. Deutschen Filmpreises haben Sie Werbung für sich gemacht und bei Ihrer Rede gesagt, Sie wollten unbedingt arbeiten. Kam das Tatort-Angebot davor oder danach?
KEKILLI: Im Nachhinein wurde oft berichtet, dass ich danach engagiert wurde. Es stand schon vor der Verleihung fest.

Und war es der interessante Stoff, den Sie sich bei Ihrer Rede gewünscht hatten?
KEKILLI: Ja, auf jeden Fall. Es gibt kaum einen Schauspieler, der nicht gerne Tatort drehen würde.
MILBERG: Ich hatte vor dem ersten Drehtag noch Bedenken. Wir haben da zwischen Matsch und Dung am Rand von Kiel gedreht, und ich dachte nur: oh je. Die Kollegin hat gestern noch einen Preis in New York entgegen genommen und mit Robert De Niro diniert und heute das hier. Aber dann kam da diese liebenswerte, zarte Person und ich war überzeugt: Die ist in Ordnung.
KEKILLI (wird rot): Danke!

Waren Sie froh, auch mal eine Rolle ohne Migrationshintergrund spielen zu dürfen?
KEKILLI: Ich hatte ja schon mehrere Rollen ohne Migrationshintergrund. Aber es ist ein gutes Gefühl, nicht nur darauf reduziert zu werden.
MILBERG: Ich werde dagegen nie auf meinen Migrationshintergrund angesprochen. Ich habe über 20 Jahre in Bayern gelebt und gearbeitet. Den Dialekt habe ich gut drauf. Aber es will mich einfach niemand als Bayer besetzen.


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