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21.06.2011
DÜSSELDORF
Rogers Waters mit seinem Meisterwerk "The Wall" am Rhein zu Gast
Kapitalismus-Kritik mit spektakulärer Show
VON OLIVER HEROLD

Düsseldorf. Die Botschaft ist ihm wichtig: "Wacht auf und wehrt euch gegen Nationalismus, Überwachung und den globalen Finanz-Faschismus!" 31 Jahre nach der Uraufführung mit Pink Floyd inszeniert Bassist und Sänger Roger Waters derzeit mit einer überarbeiteten und tourneefähigen Version von "The Wall" ein pompöses und hochtechnisiertes Spektakel. 35.000 Zuschauer konnten das Samstag in der ausverkauften Düsseldorf-Arena erleben.

Bei Kartenpreisen von bis zu 250 Euro sind die Erwartungen hoch – und die wurden bei diesem gigantischen visuellen und musikalischen Event voll erfüllt. 73 Meter breit und elf Meter hoch war die Mauer, die als Projektionsfläche für die beeindruckenden Laser- und Videoeffekte diente. 60 Millionen Dollar kostet die Produktion, für die mehr als 25 Sattelschlepper nötig sind und mit der der 67-jährige Waters seit 2010 und noch bis 2012 durch die Welt tourt.

Waters hat sein Meisterwerk, das er 1979 für Pink Floyd geschrieben hat, modernisiert. Es geht noch immer um Isolation, Ängste und Wirrnisse, noch immer steht der fiktive Pink, seine schwierigen Beziehungen, die übermächtige Mutter, die gescheiterte Ehe und die traurige Leere eines Rockstars im Mittelpunkt. Das alles gipfelt schließlich in wirren Wahnvorstellungen, die Pink zum faschistischen Diktator mutieren und zum unbarmherzigen Herrscher über die eigenen Fans werden lassen.

Gefahr des globalen Kapitalismus

Anders als in der Zeit des Kalten Kriegs prangert Waters jetzt vor allem die Gefahr des globalen Kapitalismus und die Lügen der Politik an. Deutlich ist das beim Song "Goodbye Blue Sky", der von einem Zeichentrickfilm begleitet wird, bei dem B-52-Bomber David-Sterne, Dollar-Zeichen, Mercedes-Symbole und Shell-Logos abwerfen. Waters mahnt vor Krieg und gewalttätigen Konflikten und gibt Antworten: "Mother, should I trust the Gouvernement (Mutter kann ich der Regierung vertrauen)", fragt Pink im Song "Mother" – die Antwort lässt Waters auf die Mauer projezieren: "Auf keinen Fall."

Generell ist man während des Spektakels einer wahren Reizüberflutung ausgesetzt, die sich kaum in Worte fassen lässt. Neben den filmischen Animationen fliegt und flattert ständig etwas, alles dreht und bewegt sich, Flugzeuge stürzen ab, Überwachungshubschrauber kreisen, Pyrotechnik knallt und blitzt, gigantische Figuren blasen sich auf und – ganz Pink Floyd – ein Schwein schwebt über den Fans.

Bei all diesen optischen Reizen geraten Waters und seine Pink-Floyd-Ersatz-Band fast schon in den Hintergrund, bis sie schließlich zum Ende des ersten Akts komplett eingemauert sind. Denn nach jedem Song werden weitere Steine in die monströse Mauer, die die schrittweise Abschottung des Protagonisten von der Umwelt symbolisiert, eingebaut. Bis die Mauer zum Ende des zweiten Teils eingerissen wird, gibt es noch eine 20-minütige Pause, in der die von Fans eingesandten Fotos von in Kriegen gefallener Menschen projiziert werden.

Begeisterte Zuschauer

Nach zwei Stunden geht ein spektakuläres Konzert mit begeisterten Zuschauern zu Ende. Schade, dass es wahrscheinlich Waters letzte große Tournee sein wird.


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