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22.02.2012
Michel Teló: Musik-Superstar dank Internet
Wie das Videoportal "Youtube" dem Brasilianer und anderen Musikern zu Hits verhalf
VON NICO BUCHHOLZ

Profitieren von der Aufmerksamkeit im Netz | GESTALTUNG: THOMAS LÖHRIG

Bielefeld. Während Deutschland in der Kälte bibbert, hat ein echter Sommerhit die Spitze der deutschen Single-Charts erklommen: Michel Telós "Ai Se Eu Te Pego!" steht seit zwei Wochen auf Platz 1. Das Internetvideoportal "Youtube" hat großen Anteil am Erfolg des Brasilianers.

Den Song gibt es bereits seit 2008: Sharon Acioly und Antônio Dyggs haben ihn geschrieben. Zuerst hat die Band "Os Meninos de Seu Zeh" ihn gespielt. Doch erst in Michel Telós Version ist das Lied ein internationaler Tophit geworden. Neben Deutschland erreichte es unter anderem in Brasilien, Spanien, Portugal, der Schweiz und Italien die Spitze der Charts. Profitiert hat der Gute-Laune-Musiker von der Aufmerksamkeit der Internetgemeinde. Laut einer Internetstatistik hat sein Song bisher fast 190 Millionen Klicks auf "Youtube" ergattert. Es ist dort mit weitem Abstand das meistgehörte portugiesischsprachige Lied.

Neben seinem Musikvideo sorgen auch andere Clips zu dem Song für Aufmerksamkeit. Der brasilianische Fußballer Neymar vom FC Santos wurde dabei gefilmt, wie er in der Umkleidekabine versucht, seinen Mannschaftskollegen den Tanz zu "Ai Se Eu Te Pego!" beizubringen. Das Video und der Tanz verbreiteten sich wie ein Lauffeuer. Nach einem Tor tanzte auch der portugiesische Fußball-Superstar Cristiano Ronaldo vom Verein Real Madrid die Choreografie, Marco Reus und Lewis Holtby führten den Tortanz in die deutsche Fußball-Bundesliga ein. Auch die Aufzeichnungen dieser Tanzeinlagen, untermalt mit Telós Hit, sind im Internet echte Klickmagneten. Zuletzt trugen Ailton und Daniel Lopes mit Tanz- und Gesangseinlagen im Dschungelcamp zur Bekanntheit des Songs bei.

Justin Biebers Beginn mit selbst erstellten Videos

Manfred Leisenberg, Professor für Informatik an der Bielefelder Fachhochschule des Mittelstandes, hat sich mit seinen Studenten mit "Youtube"-Phänomen auseinandergesetzt. Er bezeichnet sie als Dominoeffekt. "Wer ein Video gut findet, teilt das auf anderen sozialen Netzwerken mit meinem Freunden." In kurzer Zeit würden die Inhalte so stark vervielfältigt.

Dass die Popularität eines Musikers einen Schub durch das Internet bekommt, hat nicht nur Teló erlebt. Auch bei Justin Bieber half die Webgemeinde nach. Für den jungen Kanadier begann die Karriere mit selbsterstellten "Youtube"-Videos. Darin sang der heute 17-Jährige R’n’B-Hits nach. Ein Manager wurde auf ihn aufmerksam, eine Plattenfirma nahm Bieber unter Vertrag. Sein Album My World 2.0 verkaufte sich bis Ende 2011 rund 7,4 Millionen Mal.

Auf ähnlichem Weg kam die US-amerikanische Sängerin Lana Del Rey zu Ruhm. Das Video der Newcomerin zum Song "Videogames" wurde auf allein im ersten Monat eine Million Mal geklickt, mittlerweile steht es bei mehr als 35 Millionen Aufrufen. Auch hier zog der Interneterfolg den Aufstieg in den Charts nach sich, "Videogames" landete auf dem ersten Platz, aktuell belegt der Song Platz 7.

"Die Meinung des Einzelnen wird zur Meinung des Kollektivs"

Die Niederländerin Caro Emerald brachte ein TV-Auftritt auf die Idee, sich das Internet zunutze zu machen. Nach der Show erreichten sie viele Anrufe und E-Mails von begeisterten Zuschauern. Angespornt von diesem Zuspruch nahm die Jazzsängerin ein selbstproduziertes Video auf und präsentierte es der Internetgemeinde. Sofort wollten Fans wissen, wo es Musik der Sängerin zu kaufen gebe. In Deutschland erreichte ihre Single "A Night Like This" Platz 4 der Charts.

Als Schwarmintelligenz lasse sich dieses Phänomen jedoch nicht bezeichnen, hat Leisenberg-Studentin Kristina Grube festgestellt. "Die Meinung des Einzelnen wird zur Meinung des Kollektivs. Wir teilen also nicht unsere Intelligenz, sondern unseren Geschmack." Durch Onlineportale ergeben sich laut Manfred Leisenberg neue Kanäle der Verbreitung. "Die User bestimmen nicht nur selbst, was sie hören, sie machen auch selbst Musik und stellen sie ins Netz." Darum vermutet der Professor, dass große Musiklabel in Zukunft eine geringere Rolle spielen werden.

Die nächste Generation der Internetstars steht bereits in den Startlöchern: Die elfjährige Maria Aragon spielt in einem Video Klavier und singt dazu ihre Version von Lady Gagas Song "Born this Way". Fast 50 Millionen Menschen haben sich das Mädchen dabei angeschaut. Selbst Lady Gaga wurde aufmerksam: Die Sängerin holte Maria bei einem Konzert in Toronto auf die Bühne und sang mit ihr ein Duett. Auch diesen Auftritt haben sich schon Millionen Menschen auf "Youtube" angesehen.



Kommentare
"Musik-Superstar dank Internet"

Was jetzt, ich dachte, es kauft keiner mehr Musik wegen der bösen Raubmordtotschlagkopierer?

Und dann auch noch dank Youtube, die ja laut GEMA der Satan persönlich sind?

Oder liegt es doch daran, daß immer weniger Leute bereit sind, für den Plastik-Einheitsbrei der Castingsendungen zu bezahlen?

sehr anspruchsvolles lied.
ich versteh zwar nicht was der singt aber die zahlreichen, hübschen und singenden frauen muss er ja wohl begeistert haben.
die einfachheit ist eben manchmal zugänglicher

switch



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