Die Bielefelder Schauspielerin Aylin Tezel über ihre beendeten Dreharbeiten als Dortmunder Kommissarin
Bielefeld. Viele Schauspieler warten ein Leben lang auf das Angebot, "Tatort"-Kommissar zu werden. Die Bielefelderin Aylin Tezel darf sich schon jetzt, mit gerade einmal 29 Jahren, jüngste "Tatort"-Ermittlerin aller Zeiten nennen. Vor wenigen Tagen wurden die ersten beiden Episoden zu den neuen Krimis aus Dortmund abgedreht. Mit Lennart Krause sprach Tezel über die Dreharbeiten, ihre Kollegen, ihre Heimat Bielefeld und über neue Projekte.
Frau Tezel, die ersten beiden Dortmunder "Tatorte" sind abgedreht. Wie war es?AYLIN TEZEL: Es hat richtig Spaß gemacht, auch wenn es für uns alle sehr aufregend war. Schließlich sind wir ein neues Tatort-Team und Dortmund ist eine neue Tatort-Stadt.
Wie haben Sie die Dreharbeiten erlebt?TEZEL: Es ist immer sehr spannend, da jeder der Schauspieler und jedes Teammitglied mit eigenen Vorstellungen an die Arbeit herantritt und wir gemeinsam versucht haben, den größtmöglichen Nenner zu finden. Die Zusammenstellung des Teams passt einfach. Wir sind ja vier Kommissare und jeder einzelne von uns bringt seine eigene Farbe mit ins Team.
Wie lange haben Sie jetzt an den zwei Episoden gearbeitet?TEZEL: Gute zwei Monate. Und außer an Ostern oder mal am Wochenende haben wir wirklich durchgeackert. Jetzt bin ich auf das Ergebnis gespannt. Nach dem Schnitt kann sich ein Film ja nochmal total verändern.
Dann haben Sie auch einige Zeit in Dortmund verbracht. Eine geeignete "Tatort"-Stadt?TEZEL: Ach, eigentlich ist jede Stadt ja irgendwie geeignet. Verbrechen passieren überall, viele werden vermutlich überhaupt nicht öffentlich. Aber Dortmund ist schon eine sehr spannende Stadt, wegen der Mischung aus Tradition und Moderne. Wir haben sowohl in sehr traditionellen Dortmunder Stadtteilen gedreht, als auch an gerade erst gestalteten Orten wie dem Phönixsee.
Wäre Bielefeld da nicht auch mal eine geeigneter Schauplatz?TEZEL: Meiner Meinung nach wäre Bielefeld auch geeignet als "Tatort"-Stadt. Wer weiß, was die Zukunft bringt.
Sie leben in Berlin und in Bielefeld, dazu die vielen Dreharbeiten. Ein stressiges Leben?TEZEL: Ach, ich finde es geht noch alles sehr gut. Innerhalb Deutschlands ist ja alles sehr schnell per Zug und Flugzeug erreichbar. Trotzdem ist Bielefeld für mich ganz wichtig. Dort lebt der Großteil meiner Freunde und meine Familie und dort tanze ich immer noch bei "PartsS".
Also dürfen wir auf weitere Filme mit Ihnen hoffen?TEZEL: Ja, zu tun ist genug. Voraussichtlich noch in diesem Jahr werde ich zweimal im Kino zu sehen sein. In "3 Zimmer, Küche, Bad" spiele ich eine von acht Hauptrollen. Es geht um junge Menschen zwischen 20 und Mitte 30, die zwar in unserer heutigen Zeit unglaublich viele Möglichkeiten haben, aber doch irgendwie immer auf der Suche sind. Der Film hat Spaß gemacht, weil wir über ein Jahr gedreht haben. In jeder Jahreszeit. So kamen wir alle vom Team oft zusammen.
Und der zweite Film?TEZEL: Der liegt mir ganz besonders am Herzen. Er heißt "Am Himmel der Tag". Pola Beck, eine ganz tolle junge Regisseurin, hat diesen besonderen und sehr wichtigen Film erarbeitet. Ich spiele die Hauptrolle, eine 25-Jährige, die Architektur studiert, obwohl sie das nicht wirklich will und so eher durch das Leben treibt. Dann wird sie nach einer durchzechten Nacht plötzlich schwanger.
Klingt nicht wirklich neu. . . TEZEL: Die junge Frau entscheidet sich aber, dass sie ihr Kind bekommen möchte. Doch tragischerweise stirbt es im 6. Monat der Schwangerschaft. Die Mutter will sich jetzt aber nicht mehr von diesem Gefühl einen Sinn im Leben gefunden zu haben trennen. Sie will ihr totes Baby im Bauch behalten.
Eine schwierige Rolle. . .TEZEL: Es war auf jeden Fall eine herausfordernde Rolle. Der Film behandelt ein Thema, dass in unserer Gesellschaft immer noch tabuisiert wird. Bei meiner Recherche habe ich kaum Literatur oder Filme zu dem Thema gefunden. Dabei ist es ein so wichtiges Thema. Oftmals bekommen Familien in so einer Situation kaum Zeit zu trauern. Die Anteilnahme erwächst erst, wenn das Umfeld das Kind auch gesehen hat.
Da ist der "Tatort" doch etwas leichtere Kost. Wann sind Sie da erstmals zu sehen?TEZEL: Geht es nach den Planungen, werden beide Filme noch in diesem Jahr gezeigt. Der erste soll voraussichtlich Ende September laufen.