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16.06.2012
PADERBORN
Katharina Kreuzhage wird neue Intendantin am Paderborner Theater
Chefin mit Faible für Dramen
VON ROLAND MAORO

Freut sich auf ihre neue Aufgabe | FOTO: ROHLF

Paderborn. Paderborns wunderschönes neues Theater ist kurz nach der Eröffnung schon bundesweit ein Begriff und eine gefragte Arbeitsstätte. 77 Kandidaten hatten sich um die Nachfolge der Intendantin Merula Steinhardt-Unseld beworben, die zum Ende der kommenden Spielzeit in den Ruhestand geht. Das große Los gezogen hat jetzt Katharina Kreuzhage, die sehr erfolgreich ein kleines aber feines Theater im fernen Schwabenländle in der Nähe von Stuttgart geführt hat. Auf Paderborns hochmoderner Bühne will Katharina Kreuzhage "Geschichten am Lagerfeuer" erzählen.

Die Findungskommission mit Politikern aus Stadt und Kreis, den Kulturdezernenten und je einem Mitglied von Ensemble und Betriebsrat des Theaters stand vor keiner leichten Aufgabe. "Unter den 77 Bewerbungen waren viele namhafte und ernst zu nehmende Kandidaten", berichtete Bürgermeister Heinz Paus am Freitag stolz bei der Vorstellung der neuen Intendantin. 10 Kandidaten wurden Ende Mai zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Die Entscheidung für Katharina Kreuzhage fiel dann einstimmig sowohl in der Findungskommission wie auch in beiden Kulturausschüssen von Stadt und Kreis Paderborn. Die Gesellschafterversammlung des Theaters (bestehend aus Stadt, Kreis und Förderverein) muss die Einstellung der neuen Intendantin noch absegnen, was bis zur Sommerpause geschehen soll.

Info

Bei George Tabori gelernt

- Katharina Kreuzhage wurde 1964 in Weinheim an der Bergstraße geboren.

- Studium der Theaterregie in Graz.

- Hospitanzen bei Rudolf Noelte (Oper Köln), George Tabori (München) und Jürgen Kruse (Berlin).

- Regieassistenz am Nationaltheater Mannheim und Staatstheater Stuttgart.

- 1994–1997 Oberspielleiterin am Schauspiel Essen.

-Berufsbegleitend Studium der Wirtschaftswissenschaft.

-Seit 2005 Intendantin am Theater der Stadt Aalen

Nach 19 Jahren in Paderborn liegt der amtierenden Intendantin Merula Steinhardt-Unseld das Schicksal ihres Hauses, der Mitarbeiter und der vielen treuen Stammkunden natürlich sehr am Herzen. Ihr einziger Wunsch, das "Theater in gute Hände" zu übergeben, wird wohl problemlos in Erfüllung gehen. Mit ihrem Faible für zeitgenössische Dramatik, ohne dabei die alten Klassiker aus dem Auge zu verlieren, liegt die neue Intendantin ziemlich genau auf der Linie, die das Theater Paderborn zu einer so erfolgreichen Spielstätte gemacht hat.

Sieben Jahre lang das Theater Aalen geleitet

Nach diesem bewährten Rezept hat Katharina Kreuzhage das Theater in Aalen (zwischen Stuttgart und Nürnberg), "Deutschlands zweitkleinstes Stadttheater" (150 Plätze und bis zu 90 auf der Zweitbühne), erfolgreich die letzten 7 Jahre geleitet. Mit sieben festen Ensemble-Mitgliedern und 15 Mitarbeitern für Bühnentechnik und Verwaltung hat sie dort pro Spielzeit zehn bis 13 Produktionen aufgeführt. Die Zuschauerzahlen sind unter ihrer Regie um 35 Prozent auf 25.000 gestiegen (Auslastung 85 Prozent).
Darunter allerdings nur 19 Abonnenten, die Katharina Kreuzhage inzwischen alle persönlich kennt: "Jeden Abend steht man mit Herzklopfen an der Kasse, wie viele Leute diesmal wohl kommen werden." Mit der soliden Basis von 2.500 Abonnenten (vor 19 Jahren waren es 800) wird die neue Intendantin in Paderborn wohl ruhiger schlafen können.

Inhaltlich legt Katharina Kreuzhage großen Wert auf Geschichten: "Ich bin kein Freund von großen ,Textflächen’ im Theater. Das Stück muss dem Zuschauer eine Geschichte erzählen, die er verfolgen kann. Die Bühne ist wie ein Lagerfeuer, um das man sich im Schein der untergehenden Sonne versammelt, um schöne Geschichten zu hören."

Wie ihre Vorgängerin auch wird Katharina Kreuzhage Intendantin und Geschäftsführerin des Paderborner Theaters sein, wobei ihr das absolvierte Wirtschaftsstudium (siehe Kasten) hilfreich sein dürfte. Die Regiearbeit ist ihr aber vorrangig ein großes Anliegen. Bis zu vier Stücke pro Saison will die neue Intendantin selber inszenieren. Und dabei mit beiden Füßen fest auf Paderborner Boden bleiben: "Man muss mit den Pfunden wuchern, die man hat, und das auf die Bühne bringen, was man auch wirklich machen kann."

Paderborn kennt Katharina Kreuzhage erst seit ihrer Bewerbung. Da hat sie die Stadt und zwei Vorstellungen (Faust und Leon & Lara) besucht, fand die Aufführungen sehr bemerkenswert und das neue Theater nicht nur wunderschön, sondern auch als ein solider Garant für die Zukunft: "Wenn eine Region in diesen Zeiten 24 Millionen Euro in ihr Theater investiert, dann kann man doch mit großer Zuversicht an die Arbeit gehen."



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