Paderborn. Streng genommen führt der Ausstellungstitel in die Irre. "The Last Sitting" dokumentiert keineswegs die letzten Fotos von Marilyn Monroe, ließ sich die blonde Aktrice doch in der sechswöchigen Zeitspanne zwischen dem Bert-Stern-Shooting und ihrem Tod noch mehrmals ablichten. Allerdings nicht in dieser Intensität und Intimität.
Das hat nicht unbedingt etwas mit der Nacktheit Monroes zu tun, mehr mit ihrer seelischen Entblößung, die der US-Amerikaner Bert Stern meisterlich einfing. Drei Tage lang war der hochdekorierte Werbefotograf allein mit der Filmdiva, nur eine Kiste Champagner, 53er Dom Perignon, kam ins Zimmer des Bel Air Hotels in Los Angeles. Es entstanden 2.600 Fotos von einer mental taumelnden Marilyn Monroe, die sich von ihrem schleichenden Niedergang nicht mehr erholen sollte.
MARILYNS KARRIERESTART ALS FOTOMODELL
*Marilyn Monroe, 1926 als Norma Jeane Bakerson geboren, wurde als Fotomodell entdeckt, während sie in der Montageabteilung einer Rüstungsfabrik arbeitete.
*Die ersten Fotos von ihr erschienen 1945 in einem Magazin der US-Armee. Sie wurde ein beliebtes Pin-up-Girl. Damals war sie noch brünett.
*Der Erfolg als Fotomodell bewog sie, sich bei einer Modelagentur in Hollywood zu bewerben.
*1946 erhielt sie bei der 20th Century Fox einen Einjahresvertrag als Schauspielerin.
Ein paar Tage zuvor war sie vom Set des unvollendeten Films "Somethings Got to Give" gefeuert worden – ein Umstand, der sein Übriges zum Scheitern des Stars tat. Auch das Privatleben der Monroe lag im Sommer 1962 in Scherben und fiel somit als Korrektiv aus. Folglich hielt Stern seine Kamera auf eine schwer angeschlagene Frau, deren Karriere dem Ende entgegen ging. Fast jedes Foto kündet von Marilyns Drama, fängt die Diskrepanz zwischen Illusion und Wahrheit ein.
"Ein Dokument der Zerstörung"
Vermutlich hat Monroe deshalb versucht, einige Bilder zu zensieren, durchkreuzte sie doch auf den Kontaktbögen einzelne Aufnahmen mit Nagellack, um sie unbrauchbar zu machen. Bert Stern hat sie trotzdem veröffentlicht, denn das Recht am eigenen Bild gab es damals noch nicht – zumindest nicht in gesetzlich fixierter Form.
Verspielt | FOTO: BERT STERN
Darüber hinaus pochte Stern auf die historische Relevanz der Fotografien, die nach seinen Worten "ein Dokument der Zerstörung" sind. Ob dem tatsächlich so ist, lässt sich ab 1. Juli in Paderborn überprüfen, wo die legendären Marilyn-Monroe-Bilder gezeigt werden. In der Städtischen Galerie Am Abdinghof warten 70 Exponate auf Betrachtung und Bewertung.
Die Werkschau kann bis zum 16. September besucht werden und ist außer montags täglich von 10 bis 18 Uhr zugänglich. Der Eintritt beträgt 2,50 Euro für Erwachsene. Öffentliche Führungen sind für den 5. Juli (18 Uhr), 5. August (11.30 Uhr) und 16. September (11.30 Uhr) angesetzt. Weitere Infos auf
www.paderborn.de/kultur oder über die Städtische Galerie Paderborn. Telefon: (0 52 51)88 12 47.