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05.07.2012
Bilanz des Samenbeschusses der deutsch-niederländischen Grenzregion
Saat der Detmolderin Swaantje Güntzel ist aufgegangen
VON STEFAN BRAMS

Im April als Samen verschossen | FOTO: VG BILD

Bielefeld. Die Künstlerin Swaantje Güntzel, die mehr als eine Woche lang an sieben Orten im deutsch-niederländischen Grenzgebiet Blumensamen verschossen hatte, ist an ihren Tatort zurückgekehrt. Fazit: An zahlreichen Stellen ihrer Kunstaktion blühen nun Korn- und Ringelblumen, Klatschmohn sowie Schöngesicht und verwandeln die von Menschen geformte, monotone Kulturlandschaft. Doch auch für die Künstlerin selbst ist die Saat aufgegangen.

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Informationen im Internet unter:
www.swaantje-guentzel.de
www.grenswerte.eu
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Denn die 39-Jährige hat mit ihrem Projekt ein Stipendium des österreichischen Bundeslandes Steiermark gewonnen. In Graz will sie nun im nächsten Frühjahr Blumensamen direkt im urbanen Raum verschießen. "Ich bin extrem glücklich über das Ergebnis meiner Aktion und diese Fortsetzung", betont die gebürtige Soesterin, die in Detmold aufwuchs und heute in Hamburg lebt.

Verschossen hatte Güntzel ihre sechs Kilo Blumensamen vor drei Monaten. Sieben Orte hatte sie dazu im deutsch-niederländischen Grenzgebiet ausgewählt - ein Militärgelände war darunter, eine Industriebrache, eine alte Grenzstation aber auch der Garten eines Ateliers sowie die Wiese eines Bauern. Grenzen verwischen wollte Güntzel mit dieser Aktion, zeigen, wie willkürlich Grenzziehungen für Menschen und Natur sind. Aber auch die Überformung der Landschaft in der deutsch-niederländischen Grenzregion durch den Menschen wollte sie mit ihrer künstlerischen Intervention ins Bewusstsein zurückholen.

In den vergangenen Tagen nun ist sie wieder an die Grenze gefahren, um ihre Aktion, die Bestandteil des Festivals "Grenswerte" ist, auszuwerten. Fazit Güntzels: "Je kultivierter der Ort durch den Menschen war, desto mehr Blumen sind angegangen. Je länger der Ort sich selbst und der Natur überlassen war, desto weniger Blumen haben überlebt."

Von Kaninchen umgegraben

Schwer tat sich der Samen auf der Industriebrache "Weiße Dame" bei Gronau. "Die neuen Sorten konnten sich gegen die robuste Vegetation nicht durchsetzen", so Güntzel. Lediglich "Iberis umbellate" behauptete sich. Aber auch Kaninchen und Rehe beeinflussten die Kunst. So wurde ihre Samen-Beschussfläche auf einem ehemaligen Munitionsdepot von Kaninchen "komplett umgegraben". Ging ein Samen dennoch auf, vertilgten Rehe das aufblühende Pflänzchen. Kommentar eines Försters: "Frische Pflanzen sind eben eine Delikatesse für das Wild." Und die Wiese, die sie neben einem Rastplatz bei Nordhorn beschossen hatte, entpuppte sich ebenfalls als Problemfall - sie wurde gemäht und die frischen Blumen gleich mit.

Dennoch ist Güntzel zufrieden. Auf dem Gelände der Galerie Dynamo Expo, in einem Maisfeld, auf der Wiese eines Bauern, wo ein Osterfeuer nichts mehr wachsen ließ, sowie an einem alten Grenzhäuschen bei Zwillbrock sprießen ihre Blumen, "wogen im Wind hin und her" und verwischen die Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden. Abschluss einer ungewöhnlichen Kunstaktion, die nun zumindest temporär der geordneten Landschaft etwas Ungeordnetes, frei Wucherndes entgegengesetzt. Mehr in Graz.



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