Detmold. Rappelvoll war die ehemalige Schlossküche zur Vernissage der Ausstellung, die den Höhepunkt im Programm zum 40-jährigen Bestehen der Lippischen Gesellschaft für Kunst markiert. Ein Geburtstag, zu dem auch NRW-Kulturministerin Ute Schäfer gratulierte.
"Sie haben sich die Förderung von Kunst und Kultur zur privaten Aufgabe gemacht und damit Verantwortung übernommen", sagte sie an den Vorstand und Beirat des Kunstvereins gerichtet. Dass es gelungen sei, mit Anselm Kiefer einen der bekanntesten deutschen Künstler nach Detmold zu holen, sei "spektakulär", befand die Ministerin.
Sammler Grothe plant eigenes Museum
Der Sammler Hans Grothe verfolgt Planungen für ein Anselm-Kiefer-Museum in seiner Heimatstadt Duisburg. Die Stiftung Kunst und Kultur von Walter Smerling soll das Museum mit Sponsorengeldern bauen, sagte er.
"Ich würde meine Werke dann ins Museum geben und mich verpflichten, sie 20 oder 30 Jahre lang nicht zu verkaufen, zu belasten oder zu beleihen", sagte Grothe der Welt am Sonntag. Er war zuletzt im Zusammenhang mit der umstrittenen Anselm-Kiefer-Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn in die Schlagzeilen geraten. Die gezeigten Werke stammten ausschließlich aus der Privatsammlung Grothes, so die Kritik.
Grothe stand wiederholt im Verdacht, Kunstwerke seiner Sammlung durch Museums-Ausstellungen aufgewertet zu haben, um sie dann anschließend teurer verkaufen zu können. Kurator war Smerling.
Dann wurde bekannt, dass der Vertrag des Bundeskunsthallen-Intendanten Robert Fleck nicht über 2013 hinaus verlängert wird. "Fleck war in der Schusslinie, weil es Leute gibt, die ihn gerne in der Schusslinie hätten", sagte Grothe. Es sei ein "Krieg" ausgetragen worden, damit Flecks Stelle frei werde. Der will sein Amt bereits Ende September niederlegen. Er wolle sich auf die Forschung und Lehre an der Kunstakademie Düsseldorf und auf freie Ausstellungsprojekte konzentrieren. (dpa/epd)
Dies sei Klaus Gallwitz zu verdanken, berichtete die Kunstvereinsvorsitzende Almut Schmersahl. Gallwitz, "ein Freund des Hauses und seit der Gründung unseres Kunstvereins ein wohlwollender Begleiter", habe sich kraftvoll dafür eingesetzt, dass Kiefers Arbeiten nun in Detmold zu sehen sind.
Künstlerische Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte
Kiefers Arbeiten: Das sind sieben – im Wortsinne – schwergewichtige Bilder, die er aus Holz und Metallen, Erden, Sanden und Pflanzenrelikten gestaltet. Bilder, auf die er Bleichschichten aufträgt und Brandspuren legt. Inmitten dieser eindringlichen, düsteren Werke steht ein bleiernes Flugzeug, wirkt wie notgelandet mit seinen gekappten Drahtseilen, die es am Himmel gehalten haben mögen.
Hoch aus der Luft: Das sei eine der bevorzugten Perspektiven des Künstlers, sagte Kurator Gallwitz. "Anselm Kiefer hält sich gern in dieser Höhe auf. Seine Bilder sprechen davon, wie er als Albatros unter den Künstlern mit geknickten Flügeln unsere Räume durchwandert." Der Albatros bezog sich auf das gleichnamige Baudelaire-Gedicht, aus dem Gallwitz einige Zeilen zitierte. Nur einer von zahlreichen Querverweisen in die Literatur, die Philosophie, die griechische Mythologie, die alttestamentarische Mystik, die in Kiefers Arbeiten stets präsent sind und auf die auch der Kurator in seiner Einführung immer wieder Bezug nahm.
Kiefers Werk ist künstlerische Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit sowie Dokumentation eines Gedächtnisses, das Jahrtausende umspannt. Wenn vor der apokalyptischen Kraft seiner Werke den Betrachtern das Bild des weiß beflügelten Engels an Jesu’ Grab, das die Stirnseite der Schlosskapelle ziert, fragwürdig vorkomme, so Gallwitz, so gehöre doch auch dieses Gemälde zu unserer Geschichte. Kiefer bewahrt Geschichte. Wie in einer Arche Noah, zu der seine Arbeiten die Schlossküche machen, sagt der Kurator: "Sieben Ölzweiglein und ein bleierner Vogel." Der Untergang. Und Hoffnung.
* Bis 26. August dienstags bis sonntags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr.