Bielefeld. "Weder Fisch, noch Fleisch", weder Band noch Solokünstler. Wer oder was wirklich hinter dem Namen "Stefany June" steht, das wissen auch die Beteiligten nicht genau. Sicher ist: Ein kitschiger Teenie-Film bewegte die 19-jährige Stefanie Martens aus Oerlinghausen dazu, in den Niederlanden Popmusik zu studieren.
Inzwischen ist die junge Frau 24, hat vier Mitstudenten um sich geschart, tourt unter dem Künstlernamen Stefany June durch Holland und arbeitet an ihrem Debüt-Album. Mit der eingängigen Indie-Pop Nummer "Dibadi" auf dem "Soundz of the City"-Sampler soll nun der Durchbruch in der Heimat gelingen.
Ihre erste Single "Summer" lief bereits im Radio, sie trat in einer TV-Show auf, supportete ihre absolute Lieblingsband und gewann einen großen Contest – in den Niederlanden läuft die Karriere von Stefany June langsam an.
"Ich stand nie im Mittelpunkt"
Doch in ihrer Heimat ist vielen Freunden und Bekannten die Verwandlung von der schüchternen Schülerin in eine souveräne Sängerin verborgen geblieben: "Ich stand nie im Mittelpunkt", erinnert sich Stefanie Martens an ihre Schulzeit. Die ersten Auftritte hatte die junge Stefanie auf Familienfeiern, doch erst kurz vor dem Abitur, als es gerade darum ging zu entscheiden, wie es im Leben weitergeht, sah die junge Frau einen amerikanischen Film, der ihr Leben veränderte: "Raise Your Voice" mit Hilary Duff.
"Das will ich auch", beschließt die junge Deutsche und bewirbt sich kurzerhand an der Popakademie in Enschede. Über die Sprachbarriere im Nachbarland hat die unbekümmerte Frau nie ernsthaft nachgedacht: "Ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht mehr an die Zeit erinnern, als ich noch kein Niederländisch sprach."
Das Studium verlief erfolgreich und so fragte sie ein paar einheimische junge Männer, ob sie "Bock" hätten, ihre Lieder zu spielen – sie hatten. Als Künstlername wählte sie daraufhin einen Ausdruck, der an ihren eigenen Namen erinnert und gleichzeitig eine gewisse Privatsphäre vermittelt: Stefany June. Das y aus optischen Gründen, June weil die Wahl-Holländerin im Juni Geburtstag hat.
Durch skandinavische Künstler beeinflusst
Der Stil von Stefany June ist stark beeinflusst durch skandinavische Künstler wie "The Asteroids Galaxy Tour" und "Lykke Li". "Die haben einen sehr erfrischenden und kreativen Sound", findet die Nachwuchsmusikerin.
In ihrem Glücksmonat Juni 2011 erlebte Stefany June nicht nur ein, sondern gleich vier Highlights: einen TV-Auftritt, den Gewinn eines internationalen Hard-Rock-Cafe-Contests – ein damit verbundener Gig im Londoner Hyde Park und die überraschende Einladung, mit ihren musikalischen Helden von The Asteroids Galaxy Tour auf der Bühne zu stehen. "Das war geil", erinnert sich die 24-Jährige an den Moment, in dem die zu der Zeit noch recht unbekannte dänische Gruppe auf sie zukam: "Ich wollte mir gerade eine Karte kaufen, da kam die Mail rein."In ihren Texten verarbeitet die junge Frau aus Oerlinghausen bevorzugt frische Themen: "Mich nerven Alben, in denen es in jedem Lied um eine Liebesbeziehung geht."
Debütalbum soll 2013 erscheinen
Seit September 2011 laufen die Vorbereitungen für ihr Debütalbum, das 2013 erscheinen soll. "Die Menschen erwarten ein zweites ,The Asteroids Galaxy Tour’-Album, aber es wird viel persönlicher", verrät sie, "ich möchte es viel purer, weniger sauber und geleckt – mit mehr Ecken und Kanten."
Sie habe erst bei der Arbeit im Studio gelernt, wie charmant kleine Fehler seien. Dass ihre vergleichsweise sehr hohe Stimmfarbe von so vielen als "süß" empfunden wird, findet Stefany June okay – so lange die Menschen honorieren, dass viel mehr dahinter steckt. Und noch etwas verrät sie vorab: "Es wird erstmals auch Balladen geben."
Die Zeit im Studio ist teuer, daher vertraut Stefany June bei der Finanzierung ihres Debüt-Albums auf ihre Fans: Über eine Online Crowdfunding-Plattform können sie "in gute Musik investieren", wie Stefany June es formuliert. Um sicher zu gehen, dass das Album ihren Vorstellungen entspricht, hat die junge Frau aus Oerlinghausen ein eigenes Label mit dem Namen "Galaxy Cat Records" gegründet.
"Wir sind sehr ambitioniert"
Ihr Ziel: "Ein Album, das ich auch in fünf Jahren noch mag, mit der Musik Geld verdienen und internationale Touren spielen. Wir sind sehr ambitioniert und sitzen nicht nur auf unseren Stühlen und warten darauf, entdeckt zu werden", erklärt die Singer & Songwriterin, die im Land der Wohnwagen, der Windmühlen und des Käses bereits erste kleine Erfolge feiert.
Ihre Bekanntheit in den Niederlanden führt sie auf die Medien zurück: "Die Radiosender geben kleinen Bands viel bessere Chancen", weiß Stefany June, "außerdem spricht sich das in einem kleinen Land viel schneller rum." Wie "Erfolg" in Deutschland funktioniert, weiß sie noch nicht. Über den "Soundz of the City"-Sampler hofft die Wahl-Holländerin, auch in ihrem Heimatland endlich Fuß zu fassen – denn einen Plan B zur Musikkarriere gibt es nicht.
Wie klingt Bielefeld?
Der "Soundz of the City 2012"-Sampler vom Kulturamt der Stadt und den Musikinitiativen "Newtone" und "Auftakt" präsentiert auch in diesem Jahr einen beeindruckenden Querschnitt der lebendigen städtischen Pop- und Rockmusikszene. 19 Bands wurden für die CD ausgewählt. Sie zeigen, wie kreativ die Szene weiterhin ist. Die Neue Westfälische stellt auf ihrer lokalen Kulturseite wieder einige der Bands und Einzelinterpreten in einer Serie vor.
www.newtone.de