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11.11.2012
Detmold
Kay Metzger: "Das Haus in seinem kreativen Fluss halten"
Intendant des Landestheaters hat er seinen Vertrag vorzeitig verlängert

Mix aus Kontinuität und Erneuerung | Foto: Gerstendorf-Welle

Detmold. Seit 2005 ist Kay Metzger Intendant des Landestheaters in Detmold. Jetzt hat er seinen Vertrag bis zur Spielzeit 2018/19 verlängert. Nach der "Coppelia"-Premiere hat Metzger das Dokument unterzeichnet, das seinen Vertrag, der 2014 ausläuft, um weitere fünf Jahre verlängert. Die frühe Einigung ist der langen Vorlaufzeit geschuldet, die das Landestheater braucht.

Herr Metzger, was, denken Sie, kommt an zentralen Herausforderungen auf Sie zu?

Kay Metzger: Ein wichtiger Punkt wird die Qualitätssicherung sein. Ich denke, dass wir derzeit einen sehr guten Ensemblestand haben. Die Messlatte liegt generell derzeit hoch. Diese Güte zu bewahren oder zu steigern, wird unsere Aufgabe sein. Außerdem müssen wir versuchen, das Haus in seinem kreativen Fluss zu halten.


Was genau meinen Sie damit?

Metzger: Wir haben viel ausprobiert: Theater im Freilichtmuseum, die Krimi-Comedy im Café Mascialino. Das sind inspirierende Projekte neben dem "Alltagsgeschäft". Und in diesem Punkt dürfen wir nicht verharren, sondern müssen uns weiterbewegen, müssen neugierig bleiben.

Zumindest im Punkt Finanzen können Sie sich durch die Zusage der Finanzierung bis 2017/18 doch entspannt zurücklehnen, oder?

Metzger: Wir haben Planungssicherheit - wenn die Jahresetats auch eng gestrickt sind. Wir müssen schon weiter solide haushalten. Und wir möchten für das Vertrauen, das unsere Gesellschafter vor Ort, aber auch die Landesregierung in uns gesetzt haben, etwas zurückgeben.

Das funktioniert sicher nicht nur durch Sparen. Wie und wo möchten Sie künftig künstlerische Akzente setzen?

Metzger:  Ein Projekt haben wir ja schon angestoßen: den Giselher-Klebe-Kompositionswettbewerb. Ziel ist es, dass wir alle zwei bis drei Jahre eine Opern-Uraufführung präsentieren können. Das ist in Deutschland keine Selbstverständlichkeit – und an Häusern unserer Größenordnung schon gar nicht. Parallel zum Musiktheater bringen wir dieses Jahr auch ein Schauspiel von Matthias Eckoldt zur Uraufführung, als Auftragswerk des Landestheaters.

Sie kennen das Haus in- und auswendig. Ist das ein Vorteil oder hat das auch Nachteile?

Metzger: Ein Vorteil ist, dass ich die Strukturen gut kenne und weiß, was geht und was nicht. Und was eine mögliche "Betriebsblindheit" angeht, habe ich es immer als positiv emfpunden, wenn neue Leute als Impulsgeber dazustoßen. Bewegung  gehört in unserer Branche einfach dazu. Wichtig ist, eine gute Mischung aus Kontinuität und Erneuerung zu finden - auch fürs Publikum.

Inwiefern?

Metzger: Wir haben fast 4.300 Abonnenten. Wir müssen darauf achten, dass sie nie ein Gefühl der Sattheit oder Routine bekommen. Schon darum muss sich immer wieder mal was ändern – seien es Wechsel im Ensemble, seien es Regie-Handschriften. Auch Kontroverse ist dafür wichtig.

Ein wichtiger personeller Wechsel steht ja zur nächsten Spielzeit an. Erich Wächter geht, es wird einen neuen Generalmusikdirektor geben...

Metzger: Ja, Erich Wächter war sehr prägend, gerade was die Wagner-Produktionen angeht. Aber nach elf Jahren Ehe darf das Orchester gespannt auf Neues sein. Mit einem neuen GMD wird es auf jeden Fall andere Impulse geben. Wir haben übrigens schon 50 Bewerbungen auf die Ausschreibung. Diese Zahl spiegelt auch wider, dass das Haus einen guten Ruf genießt, und dazu hat der "Ring" mit Erich Wächter entscheidend beigetragen. Ich hoffe, dass ich mit dem neuen GMD auch wieder zyklisch denken kann.

Warum? Und in welche Richtung könnte das gehen?

Metzger: Wir haben durch den "Ring" bemerkt, wie viel überregionale Aufmerksamkeit solche Projekte bringen. Neue Ideen könnten etwa in Richtung Richard Strauss oder Janácek gehen. Oder vielleicht in eine ganz andere Richtung – das kommt auf den GMD an.

Mussten Sie überlegen, ehe Sie Ihren Vertrag verlängerten? Sie haben sich ja auch schon auf andere Stellen beworben...

Metzer: Ja, ich habe schon überlegt. Der Zeitraum bis 2019 ist für mich rational schwer zu greifen, immerhin sind das noch sieben Jahre. Um mich auf eine andere Stelle zu bewerben, müsste diese in mir aber schon große Fantasien auslösen, dort noch mal etwas komplett Neues wagen zu können. Vielleicht auch jenseits der inhaltlichen Eingeschränktheit auf dem Gastspielmarkt. Hier müssen wir immer den Verkauf im Blick haben. Die Angst vor fremden Titeln ist bei den Einkäufern groß - genauso groß ist bei uns die Angst vor Titeln, die diverse Mitanbieter ebenfalls im Programm haben.

Was steht für den Regisseur Metzger als nächstes an?

Metzger: Das Schauspiel "Jedermann" in der Martin-Luther-Kirche und im Mai zum Wagnerjahr "Tristan und Isolde".

Das Interview führte LZ-Redakteurin Barbara Luetgebrune.

Kommentare
wir haben schon viel zuviel theaterschlachtungen in deutschland, wir brauchen kein metzger!!! hört denn der landesverband nicht die stimmen in detmold und schaut mal auf die zurückgehenden zahlen der zuschauer, traurig...das wird nicht mehr lange gutgehen


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