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27.11.2012
Das schwarze Rock-Genie Jimi Hendrix wäre 70 geworden
Gitarren-Apoll für die Ewigkeit
VON THOMAS KLINGEBIEL

Wie in Trance | FOTO: DPA

Bielefeld. Schwer vorstellbar, aber schön wär’s: Jimi Hendrix betritt am Sonntagabend mit grau gewordenem Afro-Haarkranz und weißer Stratocaster gemessenen Schrittes die Bühne der Londoner O2-Arena. Die Rolling Stones haben ihn gebeten, mit ihnen im Jubiläumskonzert einen Bluesklassiker zu spielen. Wie in Trance entfacht der nach wie vor experimentierfreudige Alte ein in immer neuen Klangfarben aufleuchtendes Feedback-Feuer unterm Hinterm der knittrigen Rocksäcke.

So wäre es vielleicht gekommen, wenn Jimi Hendrix heute seinen 70. Geburtstag hätte feiern und nicht schon 1970 mit 27 Jahren gestorben wäre. Stattdessen hat sich in den Köpfen seiner überlebenden Zeitgenossen und der interessierten Nachgeborenen für immer das Bild des jungen schwarzen Gitarren-Apolls mit bunter Federboa eingeprägt, der in den vier Jahren, die ihm blieben, die Rockmusik und das E-Gitarrenspiel für die Ewigkeit revolutioniert und geprägt hat. Nicht Eric Clapton, Jeff Beck, Jimmy Page oder sonst ein, sicherlich zu Recht gefeierter E-Gitarrenheld gebührt der Thron des wichtigsten Rockgitarristen, sondern dem Linkshänder James Marshall "Jimi" Hendrix, der am 27. November 1942 als Sohn eines schwarzen US-Soldaten und einer Frau cherokee-irischer Herkunft in Seattle geboren wurde.

Hendrix war ein Genie, das in die Flower-Power-Atmosphäre der 1960er Jahre einbrach wie ein Außerirdischer Sein gitarristisches Handwerk hatte der Autodidakt als Begleitmusiker in den Rock’n’Roll und Soul-Kapellen von Little Richard, den Isley Brothers oder Curtis Knight gelernt. Als er aber im September 1966, nur von Schlagzeug und Bass begleitet, unter dem Namen " Jimi Hendrix Experience" in London auftrat und 1967 beim Monterey-Festival, wirkte er auf die Zuhörer wie jemand von einem anderen Stern. Unter Hendrix’ Händen verwandelte sich die E-Gitarre in ein vielstimmiges Orchester. Mit fassungslos machender Sicherheit wechselte er zwischen treibender akkordischer Begleitung und akzentuierender Lead-Gitarre, ließ gestandene Saiten-Profis wie Anfänger aussehen. An seinen tief in der Blueshistorie wurzelnden, vor Ideen und Soundvielfalt sprühenden Improvisationen haben sich von Stevie Ray Vaughan bis John Mayer Generationen von Gitarristen abgearbeitet.

Wie dieser Mozart des Rock heute klingen würde, weiß niemand. Daran wird auch die vom Hendrix-Clan für März 2013 angekündigte offizielle Zusammenstellung "People, Hell & Angels" mit bisher unveröffentlichten Studioaufnahmen aus den Jahren 1968 bis 1970 nichts ändern. Hendrix konnte den neuen Weg, den er einschlagen wollte, nicht mehr gehen. Da war er in der Ewigkeit aber schon angekommen.



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