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28.11.2012
Bill Copley in der Stiftung Ahlers pro Arte in Hannover
Glückskind im Geschlechterkampf
VON HARTMUT BRAUN

Copley in der Stiftung Ahlers | FOTO: VG BILD-KUNST

   Hannover/Herford. In der gegenwärtigen Kunst gibt es im allgemeinen viel zu grübeln, aber wenig zu lachen. Bei Bill Copley ist das anders. Mit fröhlichem Spott widmet der Autodidakt (1919-1996) sich in seinen Bildern dem Geschlechtlichen und dem Kampf der Geschlechter, den er als Komödie deutet. Jetzt lädt die in Herford verwurzelte Stiftung Ahlers Pro Arte in ihrem Museum in Hannover zur Entdeckung des Amerikaners ein.

So einen wie William Copley trifft man so leicht nicht wieder: Ein Glückskind (als Findelkind wird er von einem Energie-und Zeitungsmogul adoptiert), finanziell unabhängig (er fördert immer wieder verarmte Künstler), gefördert von Stars wie Duchamp und Warhol ("zum Sterben schön" urteilt Warhol über seine Bilder), ohne akademischen Hintergrund (erster Anreger ist der als Zeichner für Disney tätige Schwager) geht er durchs Leben.

Info

Bill Copley in der Stiftung Ahlers

  • Die Ausstellung ist bis zum 1. April 2013 in den Ausstellungsräumen der Stiftung Ahlers pro Arte in der Warmbüchenstraße 16 in Hannover zu sehen.
  • Sie entstand in Kooperation mit dem Museum Frieder Burda und dem Max-Ernst-Museum in Brühl und wurde von Professor Dr. Götz Adriani kuratiert.
  • Katalog: 258 Seiten.
  • Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag 12 bis 17 Uhr; Führungen jeden Samstag um 15 Uhr.
  • www.ahlers-proarte.com


Als 1951 die Kunst-Welt nach New York strömt, geht er mit seinem Freund Man Ray für zehn Jahre nach Paris. Vorher ist er Journalist und hat er eine Galerie, in der er die beste Surrealisten-Sammlung aller Zeiten zusammen trägt.


Er fördert die Pop-Art, ist sechsmal verheiratet und zweimaliger Documenta-Künstler – und immer noch weithin unbekannt, in den USA noch mehr als in Europa, wo er immer mal wieder gezeigt wurde, zum Beispiel vor zwei Jahrzehnten in Hannover.

Der Herforder Sammler Jan Ahlers hat schon früh, vor 20 Jahren, angefangen, Copley zu sammeln. Er kaufte kleine Stücke und Schlüsselwerke wie das "Grab des unbekannten Freudenmädchens", ein Hauptwerk auch dieser Ausstellung, die mehr als 50 Copley-Werke versammelt, viele aus der Sammlung Burda und von den Kindern des Künstlers.

Copleys Figuren sind lustig, aber sie haben oft keine Gesichter und sind ohne Perspektive gemalt. Sie könnten Comics entsprungen sein – die im prüden Amerika allerdings bis heute nur unter dem Ladentisch verkauft würden. Copley malt, wie Frauen und Männer sich begegnen, wie sie sich im Pistolen-Duell, im Boxring, in Kampfsport-Posen gegenüberstehen, dass die Fetzen fliegen und jede Ordnung verloren geht. Er offenbart sein Begehren, scheut nicht den Vorwurf der Pornografie, setzt das alles aber mit gelassenem Augenzwinkern um. "Für mich haben Erotik und Humor mit der Süße des Lebens zu tun", wird Copley im Katalog zitiert. "Als sie enttäuscht weggingen, war auch ich enttäuscht."
"Geschlechterkampf", sagt Kurator Götz Adriani, der die Ausstellung mit anderen Akzenten zuvor in Baden-Baden und Brühl aufbaute, "ist, was wenig beachtet wird, eines der großen Themen in der Kunst der Moderne."

Wer ihn bei Copley gewinnt, wird niemanden überraschen – er war sechsmal verheiratet und um eine der Scheidungen zu finanzieren, verkaufte er seine Surrealistensammlung (130 Schlüsselwerke) für lächerliche sechs Millionen Dollar.

Auf vielen Bildern sieht man einen Mann mit Bowler und Regenschirm – ganz entfernt erinnert er manchmal an Charlie Chaplin, ein großes Vorbild für Bill Copley. Der Mann mit Hut ist natürlich der Künstler selbst – ein zufriedener Verlierer.



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