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14.12.2012
Ausstellung "Dan Flavin Zeichnen" in der Bielefelder Kunsthalle
VON KATY HACKEL

Vierfarbig | FOTOS: ESTATE OF DAN FLAVIN/VG BILD-KUNST/W. RUDOLF

Bielefeld. Die Kunsthalle erstrahlt mit ihrer aktuellen Ausstellung in neuem Licht – und zwar wortwörtlich. Denn bis März leuchtet dort die kunterbunte Leuchtröhrenkunst von Dan Flavin. Durch sie wurde der US-amerikanische Künstler bekannt. Aber er schuf noch viel mehr: Skizzen, Porträts und Collagen in obsessiver Zeichenlust. Kunstbegeisterte können sie ab Sonntag in der Ausstellung "Dan Flavin Zeichnen" sehen.

"Ich hatte Flavins Werke schon in anderen Ausstellungen gesehen und war begeistert", sagt Friedrich Meschede, Direktor der Kunsthalle. Das war ein Grund für ihn, sich dafür einzusetzen, dass Flavins Werke nach dem "Morgan Library & Museum" auch in Bielefelds Hallen einziehen. "Außerdem wollte ich meine Ausstellungs-Trilogie zur architektonischen, amerikanischen Kunst beenden", sagt Meschede. Diese zu veranstalten, hatte er seit seinem Amtsantritt im März 2011 geplant. Die Trilogie wurde mit Werken von Sou Fujimoto eröffnet, mit Kunst von Kiki, Seton und Tony Smith fortgeführt und wird schließlich durch die Arbeiten von Dan Flavin beendet. Nicht zufällig. Die drei Künstler haben eine Gemeinsamkeit, so Meschede. Sie zeigen, wie Architektur zu Skulptur wird und betonen den modernen Bau der Kunsthalle. Flavin macht das durch Licht, nicht durch die Anordnung der Leuchtstoffröhren, sondern dadurch, wie ihre Farben den Raum verändern.

Kenner | FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Die Ausstellung ist in sechs Teile unterteilt. Sie beginnt in der zweiten Etage mit dem Frühwerk des Künstlers. "Es zeigt die Wurzeln seines künstlerischen Gedankengutes", sagt Isabelle Dervaux. Die US-Amerikanerin betreute die Flavin-Ausstellung in New York und kam nach Bielefeld, um die Anordnung der Kunst vor Ort zu begleiten. Zu sehen sind Porträts, Karikaturen und Collagen im Stil des informellen Expressionismus aus den Jahren ab 1957. Flavin zeichnete teils minimalistisch, teils bunt und transportierte nicht nur Schrift, sondern auch Alltagsgegenstände in die Kunst. So zeigt ein Bild beispielsweise eine zertretene Blechdose. Sie ist eine der wenigen Arbeiten mit Titel, statt Widmung und heißt "Apollinaire wounded". Sie stellt in abstrakter Weise den französischen Autor Guillaume Apollinaire nach dessen Verwundung im Ersten Weltkrieg dar.

Der zweite Teil der Ausstellung zeigt Objekte und Reliefs ab 1965 im Stil des russischen Konstruktivismus. Flavin nannte diese Schaffensperiode "Icons". Während dieser hat er sich erstmals mit der Leuchtstoffröhre beschäftigt, Skizzen gezeichnet. Die "Diagonal of Personal Ecstasy" zeigt eine gelbe Leuchtstoffröhre. "Es ist die Schlüsselzeichnung", sagt Meschede. In Ausstellungsteil drei werden Leuchtstoffvariationen präsentiert. Die groben Skizzen stammen von Flavin. Nach ihnen fertigten Sohn Stephen und Frau Sonja farbige Ausarbeitungen an. Zudem zeichnete Flavin immer wieder Räume, die er sich als Ausstellungsort für seine Werke wünscht, aber auch Landschaften, Segel und Porträts, die im vierten Teil der Ausstellung zu sehen sind.

Dass Flavin nicht nur Künstler, sondern auch Kunstsammler war, zeigt Ausstellungsteil fünf. Dort sind Werke befreundeter Künstler wie Donald Judd sowie moderne europäische und japanische Zeichnungen ausgestellt. Bunt wird’s im sechsten Teil der Ausstellung, in der ersten Etage. Dort ist die oft gezeichnete Leuchtröhrenkunst erstmalig sechsfach arrangiert. "In New York wurde nur ein Werk gezeigt", sagt Meschede stolz.

  • "Dan Flavin Zeichnen" wird am Sonntag, 16. Dezember, 11.30 Uhr eröffnet und bis zum 3. März 2013 gezeigt. Katalog Hirmer Verlag, Museumspreis: 28,90 Euro.


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