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30.12.2012
Lucia Olesova startet in OWL durch
Die slowakische Sängerin tritt bei "Classic Meets Pop" auf
VON KATY HACKEL

Musik ist ihre Leidenschaft | FOTO: OLESOVA

Bielefeld. "Ich bin nervös, mache mir Sorgen, dass mein Deutsch nicht ausreicht", sagt Lucia Olesova, als sie zumGespräch in einem gemütlichen Café in der Bielefelder Innerstadt eintrifft. Dabei spricht die gebürtige Slowakin hervorragend Deutsch. Das merkt man spätestens, als sie sich einen schwarzen Tee bestellt und höflich nach Honig zum Süßen fragt - grammatikalisch einwandfrei. Sie legt ihren hellen Mantel ab, dann den Schal und schaut erwartungsvoll mit großen Augen und einem Lächeln.

Interviewsituationen sind der Sängerin nicht fremd. Nur in Deutschland ist es das erste Mal. Lucia Olesova kommt aus Bratislava und singt seitdem sie 15 Jahre alt ist. Mit 16 hatte sie bereits 20 eigene Songs geschrieben. Dann drehte sie zwei Videoclips, gab Konzerte vor 17.000 Menschen. Durch ihre Teilnahme bei "Slowakei sucht den Superstar" wurde die damals 19-Jährige landesweit bekannt. Fast täglich geisterte ihr Name oder Foto durch die Medien.

"Dabei kam ich nur unter die Top 14", sagt sie. "Irgendwie reagierten die Medien sehr stark auf mich." Warum, kann sie nicht genau erklären. Vielleicht habe es daran gelegen, dass sie mit 18 schon einen Sportwagen fuhr, sagt sie. "Den schenkte mir meine Familie zum Geburtstag. Ich komme aus einer wohlhabenden Familie. In der Slowakei ist der Neidfaktor sehr hoch. Dieses nahm die Presse wohl zum Anlass, sich auf mich einzuschießen." Bei jeder Castingshow würden die Kandidaten in Schubladen gesteckt. "Es gibt immer einen Sunnyboy, einen Abgedrehten, eine Zicke und eine Zielscheibe. Ich war die Zielscheibe", sagt Olesova.

Olesova legt Wert auf sexy Kleidung

Auf den ersten Blick entspricht sie vielleicht einem bestimmten Klischee: 1,70 Meter groß, schlank, lange blonde Haare, ein hübsches Gesicht. Olesova legt Wert auf sexy Kleidung, gerne im Leoparden-Style, in dem auch ihre Uhr am Handgelenk funkelt. Schmuck, Glitzer, Dekolleté - alles Äußerlichkeiten.

Im Gespräch wirkt die heute 24-Jährige natürlich, tiefgründig und erwachsen. Man kann sie sich gleichermaßen tanzend in einem Club als auch kochend und bügelnd Zuhause vorstellen. Die Sängerin ist ein Familienmensch, zog ihre beiden neun und zwölf Jahre jüngeren Geschwister, einen Bruder und eine Schwester - ihre "Babys" - quasi alleine groß. "Meine Mutter arbeitete viel beim slowakischen Fernsehen und war von meinem Vater getrennt."2010 trat Olesova mit dem Lied "Rok a Pol" beim slowakischen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest an. Überzeugen konnte sie nicht. "ZumGlück", sagt sie. "Hinterher stellte sich nämlich heraus, dass das Lied eigentlich ,Spring’ hieß, von Sängerin Leah West stammte und von meinem Produzenten gestohlen war." Ein Skandal in der Slowakei, dem die unwissende Olesova mit einer Anstellung als Sängerin auf dem Kreuzfahrtschiff Aida Richtung Karibik entfloh.

"Ich wusste gar nicht, was ich da sang"

"Dort flippten die Leute immer aus, wenn ich Andrea Berg sang", erinnert sich Olesova. Sie stürmten dann auf die Tanzfläche und tanzten Discofox zu bekannten Schlagermelodien. Diese hatte die Sängerin selbst vorher noch nie gehört. "Das waren meine ersten deutschen Lieder, ich wusste gar nicht, was ich da sang", sagt sie lachend.

Zwischen den Auftritten lernte sie ihren Mann, einen gebürtigen Ostwestfalen, kennen, der für die Sicherheit auf dem Schiff zuständig war. Sie folgte ihm nach Bielefeld, im Oktober dieses Jahres heirateten sie. Auch wenn am Anfang in Deutschland alles fremd war, fühlt sich die Sängerin mittlerweile in Bielefeld sehr wohl. "Hier bin ich frei", sagt sie.

Das Leben in Deutschland sei eine große Schule. "Erst seitdem ich hier bin, verstehe ich, woher ich komme, nehme kulturelle Unterschiede wahr." Die Deutschen seien herzlicher als die Slowaken und weniger neidvoll. "Gäbe es mehr Sonne und Wärme, wäre es hier perfekt." Vor allem auch mit einem festen Job.

Sie wünscht sich finanzielle Unabhängigkeit

Auch wenn sich die kreative Slowakin über Langeweile nicht beklagen kann - sie treibt Sport, malt mit Acrylfarben, modelt gelegentlich und kocht vegetarisch - sie wünscht sich finanzielle Unabhängigkeit. "Mein Versuch, als Erzieherin oder Anprobemodel zu arbeiten, scheiterte Gott sei Dank, vielleicht sollte es so sein", sagt die 24-Jährige im Nachhinein. Denn durch Zufall wurde ihr Gesangstalent auch in Bielefeld entdeckt. Ein Bekannter ihres Mannes, ein Musiker mit Kontakten in der Branche, hörte ihr Demo-Tape und urteilte: "Du bist ein Burner."

Seither tritt Lucia Olesova bei verschiedenen Events in und um Bielefeld auf: bei Radio Bielefeld, im Stadtpalais, bei privaten Veranstaltungen. "Und das Publikum reagiert viel besser als in meiner Heimat", sagt sie.

Olesova hofft, es dieses Mal wie ihre Vorbilder Eric Clapton, Tina Turner und Christina Aguilera weit zu bringen - am besten skandalfrei mit ihren eigenen Liedern. Dafür spielt sie in einer zweiten Band mit kreativen Musikern. Schließlich habe sie dafür schon als Kind, angespornt von ihrer Freundin, hart geübt.

"Wir hatten keine Zeit für Barbies"

"Wir hatten keine Zeit für Barbies, wir haben jede freie Minute zum Proben genutzt." Bei ihrer Freundin mit Erfolg: Sie ist Opernsängerin in der Slowakei. Auch Olesova scheint auf einem guten Weg zu sein: Bei der großen Show "Classic Meets Pop" am 5. Januar in der Seidenstickerhalle wird die Neu-Bielefelderin mit den Bielefelder Philharmonikern auftreten. Insgesamt treten 150 Künstler auf.

"Ich singe den Final-Song", sagt Olesova stolz, aber auch ehrfürchtig. "Ich bin aufgeregt, habe noch nie mit einem 70 Mann starken Orchester zusammen performt und möchte niemanden enttäuschen."

Deshalb probt Olesova jeden Tag. "Ich denke, dann wird mein Auftritt einfach Wow", sagt sie und lacht mädchenhaft und geheimnisvoll.


Classic Meets Pop

  • Das 3. "Classic Meets Pop" beginnt am Samstag, 5. Januar, um 20 Uhr in der Seidenstickerhalle Bielefeld.
  • Die Bielefelder Philharmoniker treten mit Pop-und Rock- Musikern der Region auf.
  • Erstmals singt ein 70-köpfiger Projektchor
  • Restkarten: Tel. 05 21/55 54 44.



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