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30.01.2013
Bielefeld
Bielefelderin drehte Dokumentation über pakistanisches Vergewaltigungsopfer
Hilke Schellmann erzählt vom mutigen Kampf einer jungen Frau
VON KATHLEEN WÄCHTER

Gefährliche Recherche | FOTO: SHALALAE JAMIL

Los Angeles. Ausgerechnet in Pakistan, einem Land, das den traurigen Rekord für sogenannte Ehrenmorde hält, will Kainat Soomro vier Männer vor Gericht stellen. Sie behauptet, die Männer hätten sie betäubt und entführt, tagelang vergewaltigt. Damals war sie 13 Jahre alt. Die Bielefelderin Hilke Schellmann erzählt in ihrem 40-minütigen Dokumentarfilm "Outlawed in Pakistan" vom mutigen Kampf der jungen Frau. Ihr Film erregte jetzt beim Sundance Film Festival Aufsehen.

Kainat konnte ihren Peinigern entkommen. Doch als der Vater das Verbrechen anzeigen wollte, wies ihn die Polizei ab. Stattdessen erklärte der Ältestenrat des Dorfes Kainat zur "kari", zur "schwarzen Frau". So werden Frauen genannt, die ihre Unschuld außerhalb der Ehe verloren haben. In Pakistan ist das wie ein Todesurteil. Von Familienmitgliedern einer "kari" wird erwartet, die Entehrte zu töten, um die "Familienehre" wieder herzustellen.

Info
Hilke Schellmann  
  • Die Bielefelderin Hilke Schellmann lebt und arbeitet in New York. Unter anderem dreht sie Filme für das Wall Street Journal. Sie publizierte in New York Times, Glamour, Time, WDR, ARD.
  • Die ehemalige Fulbright-Stipendiatin hat als Produzentin für das National Geographic Television gearbeitet und Dokumentationen für die Reihe "American Undercover" des Senders HBO gedreht. Für eine 30-minütige investigative Dokumentation, die sie mit Habiba Nosheen über das Geschäft mit der Leihmütterschaft drehte, wurde die Absolventin der Berliner Humboldt-Universität und der Columbia University ausgezeichnet.


Kainat lebt, heute ist sie 18. Ihre Familie hat sich der "Tradition" widersetzt und die Tochter nicht getötet. Damit ist nicht nur Kainat geächtet. Auch ihre Eltern und Geschwister gelten seither als vogelfrei. Ein lebensbedrohlicher Status. Zum eigenen Schutz flüchteten die Soomros aus ihrem Heimatdorf und fanden Unterschlupf im anonymen Moloch Karatschi, der größten Stadt Pakistans. Von hier aus kämpft die Familie seither einen Krieg, wie sie selbst sagt. An dessen Ende will sie Kainats Unschuld bewiesen sehen.

Säureattacken und häusliche Gewalt an der Tagesordnung

Kainat Soomros Geschichte passiert so oder so ähnlich immer wieder in Pakistan, weiß Hilke Schellmann. Das Land hat die höchste Rate an sogenannten Ehrenmorden weltweit. Auch Säureattacken und häusliche Gewalt sind an der Tagesordnung, wenn es um Bestrafungen für Frauen geht. Und doch gibt es einige pakistanische Frauen, die sich gegen dieses Unrecht auflehnen – trotz aller Widerstände.

Genau an diesen Punkt wollte Schellmann mit ihrer Journalistenkollegin und Filmpartnerin Habiba Nosheen anknüpfen. Die Idee, nach Pakistan zu reisen und über solche Frauen zu berichten, kam ihnen schon während des Journalismus-Studiums an der Columbia University in New York. Dort hatten sich die Bielefelderin und die Kanadierin mit pakistanischen Wurzeln kennengelernt. Schon mehrfach haben sie erfolgreich miteinander gearbeitet, auch gemeinsam Preise gewonnen für ihre investigativen Dokumentationen. An das Thema hätte sich Schellmann ohne ihre Kollegin nie herangewagt. Nosheen ist in Pakistan verwurzelt, kennt die Gepflogenheiten, das System. Und sie spricht Urdu.Trotzdem wusste die Bielefelderin, die seit knapp zehn Jahren in New York lebt, dass die Arbeit in Pakistan "kein Zuckerschlecken" werden würde. "Uns war ja schon im Vorfeld klar: Wir werden da potenziell in Mordfällen recherchieren. Das wird sehr scharf beäugt. Außerdem ist Pakistan eines der gefährlichsten Länder für Journalisten." Als sie 2007 für erste Recherchearbeiten nach Pakistan reisten, lernten sie Kainat Soomro und ihre Eltern kennen.

Gespräch hinterließ Eindruck

"Wir waren von der Menschenrechtskommission in Pakistan eingeladen worden, Kainat zu treffen", erzählt die Bielefelderin. Dann fiel Co-Regisseurin Nosheen wegen eines Trauerfalls in der Familie aus. Schellmann wollte den wichtigen Termin nicht abblasen und fuhr allein nach Karatschi. Und obwohl sie bei dem Gespräch mit Kainat trotz Übersetzer kaum ein Wort verstand, fand sie dieses junge Mädchen beeindruckend, "eine starke junge Frau, die ganz klar und konzentriert für ihre Rechte einsteht". Nach dem Treffen war ihr klar, dass sie Kainats Fall begleiten wollte. Dass der juristische Kampf von Kainat Soomro langwierig werden könnte, darauf stellten sich die Filmemacherinnen ein. Frauen, die behaupten, Opfer einer Vergewaltigung zu sein, gelten in Pakistan erst dann als unschuldig, wenn sie ihre Unschuld beweisen können.

Doch Beweise zu erbringen ist so gut wie unmöglich, wenn "die Polizei keine forensische Ausbildung hat und das Rechtssystem oft auf der Seite der mutmaßlichen Täter steht", erklärt Schellmann. Es sei ihnen auch wichtig gewesen zu zeigen, "dass nicht alle Muslime Frauen unterdrücken – in unserem Film sehen wir Kainats Anwalt, ihren Vater, ihre Brüder, alles pakistanische Männer, die sich hinter Kainat stellen und sie unterstützen."

Doch zu sehen sind auch die vier Männer, die Kainat tagelang vergewaltigt haben sollen. Auch sie wollten die Filmemacherinnen anhören: "Wir sind investigative Journalistinnen und der Wahrheit verpflichtet", erklärt die Bielefelderin, schließlich stünde Aussage gegen Aussage.

In Kainats Fall gibt es auch nach fünfjährigen Dreharbeiten kein Urteil. Doch die junge pakistanische Frau gibt nicht auf.

Kommentare
... doch glücklicherweise wird es hier konsequent behördlich verfolgt und sanktioniert.

Auch im Multi-Kulti-Land Deutschalnd gibt bes genügend Frauen die im Namen ihrerr Religion Menschen 2ter Klasse sind bzw. dazu gemacht werden.


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