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01.03.2013
Der Erfolg in Serie
Warum Fernsehserien faszinieren
VON JESSICA KLEINEHELFTEWES

Treue Zuschauer: | GESTALTUNG: BRINKMANN

Bielefeld. Es gibt Fernsehserien, die laufen und laufen und laufen. Die "Sesamstraße" ist so ein Beispiel. Sie feierte unlängst ihren 40. Geburtstag. Auch Seifenopern wie "Lindenstraße" und "Gute Zeiten Schlechte Zeiten" behaupten sich seit mehr als zwei Jahrzehnten auf dem deutschen Fernsehmarkt. Doch warum werden manche Sendungen zum Kult und andere noch während der ersten Staffel wieder abgesetzt?

Genaugenommen überstehen heute nur wenige Serien ein oder sogar zwei Staffeln, immer öfter werden Produktionen aus dem Sendeplan katapultiert: Bei der Vielzahl an Serien aus dem In- und Ausland haben sie heute keinen leichten Stand. "Der Zuschauerverlauf der Serie wird analysiert. Wenn sich dabei herausstellt, dass die Serie auf einem Sender oder Sendeplatz nicht funktioniert, wird optimiert", sagt Stella Rodger, Pressesprecherin der Mediengruppe SAT1 und ProSieben. Da kann es auch schon mal passieren, dass eine Serie noch vor ihrem offiziellen Ende abgesetzt oder auf einen anderen Sendeplatz geschoben wird.

Dennoch machen Fernsehserien den größten Teil der Fernsehprogramme aus. "Vorausgesetzt, eine Serie ist erfolgreich und wird vom Zuschauer angenommen, hat sie den großen Vorteil, dass man über einen längeren Zeitraum eine Zuschauerbindung aufbauen kann und somit eine Konstante im Programm hat", erklärt Jochen Starke, Geschäftsführer von RTL II.

Die ersten Serien wurden in den USA kurz nach dem Zweiten Weltkrieg produziert. Im Jahr 1946 flimmerte in Amerika die weltweit erste fiktive Serie über den Bildschirm. Zu den bekanntesten, die in den 60er Jahren auch nach Deutschland exportiert wurden, zählen "Lassie", "Flipper", "Fury" oder "Bonanza".

Die älteste TV-Soap der Welt ist die US-Serie "The Guiding Light". Die Endlosserie war bereits 1937 als Radiosendung gestartet, bevor sie 1952 zum ersten Mal im amerikanischen Fernsehen zu sehen war. In Deutschland lief die Serie 1986 unter dem Titel "Springfield Story" auf RTLplus an. Sie wurde 2009 nach 15.762 Folgen eingestellt.

Die erste Dauerserie im deutschen Fernsehen, die auch in Deutschland produziert wurde, ist die "Lindenstraße" – erstmals gesendet am 8. Dezember 1985 in der ARD. Rund 10,95 Millionen Menschen sahen in den ersten Jahren die Serie. "Die ,Lindenstraße’ war vom Beginn an ein Publikumserfolg, weil sie es schafft, alltägliche Geschichten spannend aufzubereiten", sagt Wolfram Lotze, Pressesprecher der Lindenstraße. Viele Zuschauer hätten sich mit den Charakteren identifizieren können."Serien müssen starke Charaktere, eine starke Story und natürlich das gewisse Etwas haben", sagt auch Stella Rodger. Das bestätigt auch Maya Götz, Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen: "Serien sind ein Konzept mit hohem Gebrauchswert für die Zuschauer. Es gibt viele Figuren, an die sie mit ihren Erfahrungen anschließen können, und einige, die genau das symbolisieren, was man nicht ist."

Dass Serienkonzepte auch nach mehreren Jahrzehnten noch funktionieren, erklärt die Fachfrau so: "Die Menschen werden mit den Serien gemeinsam älter." "Es wird dein Leben", sagt Fernsehwissenschaftler Lothar Mikos. So funktioniert auch die erste tägliche TV-Serie Deutschlands "Gute Zeiten Schlechte Zeiten". Die Seifenoper, die seit 1992 von montags bis freitags im Vorabendprogramm von RTL läuft, bringt es auf mehr als 5.100 Folgen.

Doch woher kommt überhaupt der Suchtfaktor von Fernsehserien? "Serien gehen in die Rituale des Alltags ein", stellt Maya Götz fest. "Man gewöhnt sich daran, strukturiert den Alltag mit ihnen. Schnell ist es, als wenn jeden Abend 10 Freunde nach Hause kommen, die aber keinen Dreck hinterlassen."

Der Eindruck, dass erfolgreiche Serien meist aus Amerika stammen, täuscht, sagt Götz: ",Gute Zeiten Schlechte Zeiten’ ist zum Beispiel ein australisches Format. In Deutschland sind langfristig aber vor allem Daily Soaps erfolgreich, die hierzulande produziert werden." In der Tat war der Erfolg der Vorabendserie für den Privatsender zunächst enttäuschend. Kaum 800.000 schauten am Anfang zu. In dieser Zeit wurden die Drehbücher von der australischen Soap "The Restless Years" übernommen. Mit der zunehmenden Loslösung von der australischen Vorlage stieg die Quote – – heute schalten regelmäßig mehr als drei Millionen Zuschauer im Durchschnitt ein

Bei den Serien, die zur besten Sendezeit, der so genannten Prime Time, gesendet werden, sieht das Verhältnis schon wieder anders aus. "Die Produktion von Prime-Time-Soaps wie ,Sex and the City’, ,CSI’, "How I Met Your Mother’ ist extrem aufwendig und kann nur von großen Konzernen geleistet werden", sagt Maya Götz. Etwa drei bis vier Millionen Dollar verschlingt manch amerikanische Serienproduktion pro Episode. Jenseits aller Produktionsbedingungen sind für eine qualitative Serie aber immer noch eine gute Geschichte und komplexe Charaktere wichtig. "Auch in amerikanischen Serienproduktionen ist nicht alles Gold, was glänzt."

Kommentare
Alle wichtigen Entscheidungen in unserem Leben treffen wir auf der Grundlage von Informationen, die uns über Politik, Geschichte, Wissenschaft, Wirtschaft, Medizin, Religion, usw. vermittelt werden. Mit Sicherheit gehören die Prime-Time-Soaps nicht dazu. Die Zuschauer unterscheiden nicht zwischen authentischer Dokumentation und "Scripted Reality. Diese Formate sind "niveauloses Fast-Food-Fernsehen. Es ist eine Produktionsform ohne Inhalt. Es geht um die Gier des Zuschauers, spannende Geschichten - natürlich frei zugänglich - zu sehen. Er lechzt nach alltäglichen, zwischenmenschlichen Situationen, die dramaturgisch inzeniert werden. Für ihn haben sie den Anschein einer Dokumentation oder Reportage.
Gute Reportagen werden immer mehr in die Nacht geschoben, wie ARD Dokumentation "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amamzon" oder fallen ganz weg. Der Quotendruck und der Zwang zu kostengünstigeren Produktion begünstigen immer mehr die Pseudo-Dokusoaps. Scripted Reality verändert die Sehgewohnheiten der Zuschauer. Trash verdrängt Information, Banalitäten ersetzen Unterhaltung. Trotz Fernsehgebühren und Informationsauftrag. Es geht einfach nur um Geld! 30 Minuten Scripted Reality kosten ca. 30.000 Euro und eine Dokumentation mit Recherche das 20-fache.Machen wir uns bewusst, daß das Massenmedium Fernsehen gezielt darauf ausgelegt ist, unter dem Deckmäntelchen einer freien und objektiven Berichterstattung uns das zu vermitteln, was wir nicht brauchen und nicht kritisch hinterfragen, wie Regierungen, Unternehmen oder Institutionen unser Bewußtsein beeinflussen.
M.A Verick hat es auf den Punkt gebracht: Die gefährlichsten Massenvernichtungswaffen sind die Massenmedien. Denn sie zerstören den Geist, die Kreativität und den Mut der Menschen, und ersetzen diese mit Angst, Misstrauen, Schuld und Selbstzweifel".


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